https://www.faz.net/-gzg-a96im

Geschäfte ohne Einkommen : Beim Mieter wird mit dreierlei Maß gemessen

Moka muss schließen: Auch die neue Altstadt schafft es nicht unbeschadet durch die Pandemie. Bild: Finn Winkler

Der Umgang mit Mietern in der Corona-Krise in Frankfurt ist höchst unterschiedlich: Die Stadt stundet Mieten, die Dom-Römer GmbH erlässt sie, die ABG prüft Senkungen.

          3 Min.

          Wer das „Teddy-Paradies“ anruft, der hört in diesen Wochen oft eine Bärenstimme vom Band, die den Kunden freundlich auf den Online-Shop hinweist. Wie die meisten Einzelhändler muss auch Michael Gließner seinen Laden am Römerberg wegen der Pandemie geschlossen halten. Seine Miete zahlt er trotzdem: 9800 Euro im Monat für zwei Geschäfte, denn Gließner betreibt auch noch das „Souvenir-Paradies“ ein paar Häuser weiter. „Wir lösen gerade unsere Altersvorsorge auf“, sagt er. 80.000 Euro habe er im vergangenen Jahr in die Geschäfte „gebuttert“, ohne nennenswerte Einnahmen erzielen zu können, denn die seien um drei Viertel gesunken. Sein Vermieter, die Frankfurter Aufbau AG, hat ihm zwar angeboten, die Miete zu stunden. Aber das helfe nicht weiter. „Eine Stundung verschärft die Situation noch“, sagt Gließner. Denn damit häufe er einen Berg von Schulden an, den er wieder abtragen müsse. Er hofft nun, dass die Miete wenigstens gesenkt wird, und ist darüber in Gesprächen mit dem Vermieter.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Aufbau AG gehört zur städtischen ABG Holding. Der Konzern erlaubt gewerblichen Mietern, die unter der Corona-Krise leiden, die Miete zu stunden – also vorübergehend die Zahlung einzustellen und die Miete später nachzuzahlen. Das Unternehmen prüft auch, ob im Einzelfall Senkungen möglich sind, sofern ein Mieter dies beantragt und auch belegen kann, dass er durch Corona in eine wirtschaftlich prekäre Lage geraten ist. Im Dezember hat der Gesetzgeber das Mietrecht angepasst. Wer von der Pandemie besonders stark betroffen ist, weil er die gemieteten Räume nicht nutzen kann, darf sich nun auf einen Wegfall der Geschäftsgrundlage berufen. „Wenn ein Mieter dies geltend macht, prüfen wir eine Absenkung um bis zu 50 Prozent“, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Dafür müssen die Mieter allerdings zahlreiche Unterlagen einreichen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            Sonntagszeitung plus

          F.A.Z. PLUS:

            F.A.Z. digital

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Im rheinland-pfälzischen Wissen wird Fichtenholz zum Transport nach China in Überseecontainer verladen.

          Zunehmende Knappheit : Panik am Holzmarkt

          Auf Baustellen wird das Holz knapp. Sägewerke kommen nicht mehr nach, Amerikaner zahlen das Dreifache – und das „Käferholz“ wandert containerweise nach China. Klar ist nur eins: Bauen wird teurer.
          Urban, divers, individualistisch – links ist für viele heute vor allem eine Lifestyle-Frage, kritisiert Sahra Wagenknecht.

          Kritik von Sahra Wagenknecht : Die selbstgerechten Lifestyle-Linken

          Die gesellschaftliche Linke trat einst für all diejenigen ein, die nicht mit dem goldenen Löffel geboren wurden. Verliert sie sich nun in Lifestyle und Symbolik einer privilegierten Minderheit?