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Hoffnung für Schausteller : Generalprobe für den Weihnachtsmarkt

Vor historischer Kulisse: Schausteller hoffen am Frankfurter Römer auf erste Einnahmen im Corona-Jahr. Bild: Lucas Bäuml

Der „Herbst in der Stadt“ eröffnet den Frankfurter Schaustellern eine erste Einnahmequelle im Corona-Jahr. Die große Hoffnung im Kampf „um die nackte Existenz“ bleibt aber der Advent. Trotzdem erwarten viele eine Aufgabewelle.

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          Das Kettenkarussell war am Montag nur zur Hälfte in die Höhe gefahren, das Dach diente noch allein dem Regenschutz für die Gäste eines Pressegesprächs. In Bewegung war nichts. Dennoch sagte Thomas Roie, dass sich das „Karussell der Hoffnung für uns wieder dreht“. Der Vorsitzende des Schaustellerverbands Frankfurt und Rhein-Main sprach für sich selbst als Unternehmer und für die restlichen der 116 Mitglieder des Zusammenschlusses, die allesamt vor Beginn des recht spontan ins Leben gerufenen „Herbst in der Stadt“ bisher ein wirtschaftlich desaströses Jahr erlebt haben. „Seit Ende der Weihnachtsmärkte im vergangenen Jahr sind unsere Einnahmen gleich null“, sagte Roie.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von Donnerstag an soll das Geschäft in Frankfurt am Römer wie auch am Roßmarkt, auf der Zeil, an der Fressgass’ und auf dem Opernplatz wieder auf Touren kommen. Seit dem Montag werden Crêpes-Stände, Bratwurstbuden und kleinere Fahrgeschäfte aufgebaut. Insgesamt 40 Stände sollen dann vier Wochen lang bis zum 7.November täglich mit Ausnahme der Sonntage Menschen auf die Plätze locken – stets natürlich unter Wahrung der Hygiene- und Abstandsregeln, wie Roie hervorhob. „Wir werden genau darauf achten, dass beim Anstehen an den Ständen Masken getragen werden, und die Sitzplätze werden wir großzügiger als vorgeschrieben auseinanderhalten.“

          Belebung der Innenstadt

          Stadtrat Markus Frank (CDU) lobte diese Haltung der Schausteller. „Sie haben schon bei der recht kurzfristigen Absage der Herbst-Dippemess’ viel Verständnis aufgebracht und immer eingesehen, dass die Sicherheit der Besucher an erster Stelle steht.“ Auch deshalb habe sich die Stadt jetzt bemüht, den Schaustellern unbürokratisch eine Möglichkeit zu bieten, Umsätze zu generieren. Das städtische Service-Center Veranstaltungen habe binnen 14 Tagen gemeinsam mit den Schaustellern alle Konzepte erarbeitet und die nötigen Genehmigungen eingeholt, auf Standmieten verzichtet die Stadt, sie hilft stattdessen sogar bei der Finanzierung von Sicherheitsdiensten.

          Zeit, das sich was dreht: Ein Karussell auf dem Römer wartet auf den Startschuss am Donnerstag.
          Zeit, das sich was dreht: Ein Karussell auf dem Römer wartet auf den Startschuss am Donnerstag. : Bild: Lucas Bäuml

          „Wir als Stadt haben dabei auch die Hoffnung, die Innenstadt und den Einzelhandel zu beleben, der auch leidet, da wegen der Mitarbeiter im Homeoffice die Bürotürme leerstehen“, sagte Frank. „Zudem ist das jetzt die Generalprobe für den Weihnachtsmarkt.“ Vom 23. November an sollen über die Innenstadt verteilte Stände Weihnachtsstimmung verbreiten. Auch dann sollen die Betreiber mit gebotenem Abstand voneinander ihren Geschäften nachgehen, weswegen die Schausteller eher von einer weihnachtlichen Bebauung der Innenstadt als von einem klassischen Weihnachtsmarkt sprechen.

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          Eddi Hausmann, vor allem durch die Oktoberfeste am Waldstadion bekannter Festwirt, geht davon aus, dass seine Kollegen und er selbst im besten Fall einer weiter glimpflich verlaufenden Pandemie höchstens 40 Prozent des Umsatzes im Vergleich zu einem normalen Advent erwirtschaften können. Hausmann fürchtet deshalb, dass der Kampfeswille mancher Kollegen vielleicht im nächsten Jahr brechen werde, nachdem bisher keine Unternehmensaufgabe unter den Frankfurter Schaustellern bekanntgeworden sei.

          „Es geht um die nackte Existenz“

          Schaustellerpräsident Roie hofft derweil noch auf den Durchhaltewillen seiner Kollegen. „Wir alle haben uns zwischen Aufgeben und Hilflosigkeit, aber auch Zusammenhalt und Kampfbereitschaft bewegt“, sagte er über den Gemütszustand seiner Branche. „Die Sorgen und Herausforderungen sind noch immer groß, zumal Hilfsprogramme nur schleppend bei uns ankommen, während die Banken uns zwar sechs Monate lang von Verpflichtungen entbunden haben, aber nun auch wieder ihr Geld wollen. Es geht deshalb für uns um die nackte Existenz.“

          Viele Schausteller haben sich zuletzt Jobs beispielsweise bei den Entsorgungsbetrieben gesucht, um irgendwie über den Sommer zu kommen in der Hoffnung auf einen besseren Winter samt der Weihnachtsmärkte. „Wir hoffen, dass wir den Weihnachtsmarkt mit der Vernunft der Menschen zu einem vernünftigen Ergebnis bringen können“, sagte Roie. Das Warmlaufen beim „Herbst in der Stadt“ soll diese Hoffnung nun verstärken.

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