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Gefährlicher Beruf: Polizistin : Ruhig bleiben, auch wenn Flaschen fliegen

Lässt sich nicht einschüchtern: Lena Rudolph weiß mit aggressiven Zeitgenossen umzugehen Bild: Wonge Bergmann

Ob bei der Großdemonstration, beim Politikergipfel oder beim Fußballspiel: Lena Rudolph ist fast immer im Einsatz. Dabei braucht die Polizistin vor allem gute Nerven.

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          Als die ersten Knallkörper gezündet werden, steht Lena Rudolph nur wenige Meter vom Rudererdorf entfernt. In unmittelbarer Nähe sitzen rund 1.500 Frankfurter „Ultras“ in der Sonne, trinken Bier und üben ihre Schlachtrufe, während es um sie herum zischt und kracht. Sechs Stunden wird es noch dauern, bis die Spieler von Eintracht Frankfurt und von Kickers Offenbach am Bieberer Berg aufeinandertreffen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Morgen noch hatte Lena Rudolph gehofft, dass dieses Derby ohne größere Zwischenfälle verläuft. „Diese Hoffnung hat man immer“, sagt sie. Doch je mehr Zeit verstreicht, desto aggressiver werden einige Fans. Schließlich schwindet Rudolphs Zuversicht. Sie schaut auf die jungen Männer und Frauen, die ansonsten wahrscheinlich ein recht bürgerliches Leben führen. Wenn die so weitermachten, fürchtet sie, werde der Fußmarsch zum Stadion „kein gemütlicher Spaziergang“.

          Mit Flaschen und Biergläsern beworfen

          Lena Rudolph, blond, schlank, 1,70 Meter groß, hat schon viele heikle Einsätze hinter sich. Sie gehört der Beweis- und Festnahmeeinheit, kurz BFE, an. Seit 1997 ist die Nordhessin bei der Polizei. Sie hat in Kassel ihre Ausbildung gemacht, war dann zuerst bei der Bereitschaftspolizei in Mühlheim und anschließend im Polizeipräsidium Osthessen eingesetzt. 2001 kam sie nach Frankfurt, weil sie in die Spezialeinheit wollte, die es in dieser Größe außer bei der Bereitschaftspolizei nur noch beim Polizeipräsidium Frankfurt gibt. Seitdem wird Rudolph bei Fußballspielen, Nato-Gipfeln und anderen Großereignissen eingesetzt – immer dann, wenn es brenzlig werden kann. So wie heute.

          Als die „Ultras“ gegen ein Uhr loslaufen, dauert es keine fünf Minuten, bis die ersten für Unruhe sorgen. Wieder zünden sie Böller, dann fangen sie plötzlich an zu rennen – reine Provokation. Rudolph kennt das Spiel. Es sei immer dasselbe, sagt sie. Gerade mit Fußballfans hat die Polizistin schlechte Erfahrungen gemacht. Als die Eintracht 2005 in die erste Liga aufgestiegen war, hatte sie Dienst. Völlig unvorhersehbar hatten damals einige hundert Anhänger randaliert. Der Polizeieinsatz dauerte bis in die Morgenstunden. Auch damals hatten sich am Morgen schon einige Fans mit Alkohol in Stimmung gebracht. Abends war die Situation dann eskaliert. Etwa 60 Polizisten standen in Alt-Sachsenhausen bis zu 500 gewaltbereiten Eintracht-Anhängern gegenüber. Rudolph und ihre Kollegen wurden mit Flaschen und Biergläsern beworfen. Zwei Beamte wurden damals verletzt.

          Schutzkleidung hält einiges aus

          Flaschen fliegen auch diesmal. Denn als die „Ultras“ in ein Offenbacher Wohngebiet kommen, bricht sich bei einigen Fans die Aggression Bahn. Sie fangen an, geparkte Autos zu beschädigen, zerkratzen den Lack und treten Außenspiegel ab. Als Rudolph und ihre Kollegen eingreifen, werden sie getreten, geschlagen und mit Böllern beworfen. Schließlich zücken die Beamten Pfefferspray.

          In so einer Situation, sagt Rudolph, achte man nur noch auf das, was unmittelbar um einen herum geschehe. „Wo fliegt die Flasche? Ist der Nebenmann noch da? Ist jemand verletzt?“ Die Schutzkleidung halte schon einiges aus. „Aber blaue Flecken gibt es trotzdem.“

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