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Geburtstag : Stadt feiert den Autor des "Struwwelpeter"

„Lustige Geschichten und drollige Bilder”: Der Struwwelpeter Bild: dpa

Am 13. Juni jährt sich Heinrich Hoffmanns Geburtstag zum 200. Mal. An den Verfasser des „Struwwelpeter“ erinnert Frankfurt mit einem Sommer voller Ausstellungen. Höhepunkt des nun vorgestellten Programms zum Heinrich-Hoffmann-Sommer dürfte die Ausstellung im Historischen Museum werden.

          Sein Grabstein auf dem Hauptfriedhof erwähnt den "Struwwelpeter" mit keinem Wort. Die anspruchslose Stele auf dem Familiengrab verabschiedet Heinrich Hoffmann, den angesehenen Frankfurter Arzt, nicht als erfolgreichen Kinderbuchautor, sondern als "Geh. Sanitätsrath" in die Ewigkeit, obwohl der "Struwwelpeter" noch zu Lebzeiten des Verfassers allein in Deutschland mehr als 100 Auflagen erlebte. An Hoffmann, den Autor eines der berühmtesten Bücher des 19. Jahrhunderts, und Hoffmann, den für das bürgerliche Frankfurt bedeutenden Reformer, erinnert die Stadt in diesem Sommer rund um Hoffmanns runden Geburtstag mit zahlreichen Veranstaltungen.

          Florian Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Höhepunkt des nun vorgestellten Programms zum Heinrich-Hoffmann-Sommer dürfte die Ausstellung werden, die im Historischen Museum zu Hoffmanns Geburtstag am 13. Juni eröffnet wird. Bis zu seinem Todestag am 20. September entwirft sie unter dem Titel "Peter Struwwel, Heinrich Hoffmann - Ein Frankfurter Leben 1809 bis 1894" einen neuen Blick auf Hoffmanns Leben und Werk. Mit Hilfe Hunderter von Ausstellungsstücken aus der Hand von mehr als 40 Leihgebern aus ganz Europa soll an einen Gelegenheitsautor erinnert werden, der sein Berufsleben im Jahr 1836 als Leichenbeschauer auf dem Sachsenhäuser Friedhof begann, acht Jahre später zum Direktor der Senckenbergischen Anatomie und 1851 schließlich zum Leiter der Anstalt für Irre und Epileptische wurde.

          „Superpeter“

          Erinnert wird an den politisch engagierten Bürger, der im Frühjahr 1848 zum Frankfurter Vorparlament gehörte, ins Gedächtnis der Besucher gerufen wird aber auch der Netzwerker, der neben Ärztlichem Verein und Bürgerverein auch Künstlergruppen wie den "Katakomben" und "Tutti frutti" angehörte, auf deren Zusammenkünften er den Decknamen "Zwiebel" führte. Im Historischen Museum wird auch das heute in Nürnberg verwahrte Urmanuskript des "Struwwelpeter" zu sehen sein. Bis dahin ist es allerdings noch sechs Wochen hin. Zum Glück beginnt der Frankfurter Ausstellungsreigen schon am 7. Mai. Von diesem Tag an zeigt die Frankfurter Universitätsbibliothek in der Ausstellung "Parodien und Struwwelpetriaden" die zahlreichen Nachahmerwerke und Veralberungen, die der "Struwwelpeter" bald nach seinem Erscheinen hervorzurufen begann.

          Vom 13. Mai an ist im Holzhausenschlösschen die Ausstellung "Struwwelpeters Geschwister" zu sehen; hier werden die Buchillustrationen des Biedermeier gezeigt, von deren Machart sich die Bilderbücher Hoffmanns absetzten. Am 17. Mai zeigt das Struwwelpeter-Museum in der Schubertstraße 20 erstmals seine neugestaltete Dauerausstellung "Salut für Heinrich Hoffmann". Am 14. Juni eröffnet das einzige Hoffmann gewidmete Museum der Welt darüber hinaus die Sonderausstellung "Das Weihnachtsgeschenk", welche die Entstehungsgeschichte des "Struwwelpeter" zum Thema hat. Die Deutsche Nationalbibliothek macht vom 17. Juli an mit "Struwwelpeters Nachfahren" in Kinderbüchern der Gegenwart bekannt; auch das Caricatura Museum für Komische Kunst widmet sich vom 6. August an in "Superpeter" der zeitgenössischen Sicht auf den Klassiker.

          Zwölf Bänke

          Schon von heute an ist die Ausstellung "Robert fliegt weiter" zu besichtigen. Auf dem Atelierschiff des Kulturamts zeigen Studenten der Offenbacher Hochschule für Gestaltung am Mainwasenweg auf der Höhe des Rudererdorfes bei Oberrad Arbeiten, die in Auseinandersetzung mit dem "Struwwelpeter" entstanden sind. Zwei Jahre lang haben sich die HfG-Studenten mit Hoffmanns Werk beschäftigt, einige von ihnen haben die Internetseite des Hoffmann-Sommers entworfen, von Benedikt Ruga stammen zudem die Figuren auf den Plakaten, mit denen von nun in der Stadt auf das Programm aufmerksam gemacht wird. Ebenfalls von heute an begehbar ist der "Hoffmann-Lebensweg". Er besteht aus zwölf Bänken, auf denen man sich während eines Spaziergangs durch die Frankfurter Innenstadt ausruhen und an Hoffmanns Lebensstationen denken kann, von seiner Geburt an der Fressgass' bis zum Lebensabend am Grüneburgweg. Als Grabspruch ausgesucht hat Hoffmann sich den Satz "Wissen führt zum Glauben". Zum Glauben an Hoffmanns menschlichen und künstlerischen Rang muss Frankfurt nicht mehr geführt werden. Aber die Gelegenheit zur Erlangung neuen Wissens erhält es trotzdem - einen ganzen Sommer lang.

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