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Gebäude der Oberfinanzdirektion : Denkmal der fünfziger Jahre bedroht

Ansichtssache: Für manche ist die Oberfinanzdirektion ein hässlicher Klotz, für andere Denkmal des Wiederaufbaus. Bild: Linda Dreisen

Eine denkmalgeschützte Ikone der fünfziger Jahre ist vom Abriss bedroht: Das seit 2009 leerstehende Gebäude der früheren Oberfinanzdirektion an der Adickesallee ist so stark beschädigt, dass es möglicherweise nicht mehr instand zu setzen ist.

          Eine denkmalgeschützte Ikone der fünfziger Jahre ist vom Abriss bedroht: Das seit 2009 leerstehende Gebäude der früheren Oberfinanzdirektion an der Frankfurter Adickesallee ist so stark beschädigt, dass es möglicherweise nicht mehr instand zu setzen ist. Wie der Oberkonservator des Landesdenkmalamts, Heinz Wionski, am Montag erläuterte, ist der Zustand des 1954 nach Plänen des Architekten Hans Köhler errichteten und mit rötlichen Keramikplatten verkleideten Gebäudes „katastrophal“. Durch eine fehlerhafte Sanierung in den siebziger Jahren sei die Bausubstanz schwer beschädigt worden. Um die Keramikplatten, die sich gelöst hatten, wieder zu befestigen, wurde damals ein giftiger Teerkleber verwendet, der laut Wionski tief in die Mauern eingedrungen ist. Er beschrieb den Bau, dem ein auf Stützen liegender Pavillon vorgestellt ist, als „Symbol der Wiederaufbauzeit“.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das Land prüft derzeit, ob der Schaden an dem Gebäude überhaupt zu reparieren oder ein Abriss unausweichlich ist. Das hessische Finanzministerium macht nach Angaben eines Sprechers eine Folgenutzung des Grundstücks davon abhängig, „wie man mit dem Gebäude umgehen kann“. Derzeit liefen Gespräche mit der Denkmalpflege. Offenbar spielen aber auch Verwertungsinteressen eine Rolle: Derzeit erwägt die im Ostend unter Platzmangel leidende Frankfurt School of Finance and Management einen Umzug an die Adickesallee. Gestern war hierzu aus der Hochschule keine Stellungnahme zu erhalten.

          Interessant wegen guter Nachbarschaft

          Bisher galt das Gebäude der Oberfinanzdirektion wegen der Vielzahl kleiner Büroräume als wenig geeignet für den Lehr- und Seminarbetrieb. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) bestätigte aber, dass mit der Hochschule „sehr intensive Gespräche“ über einen Umzug an die Adickesallee geführt würden. Stadt und Land arbeiteten an einer Lösung, um die Schule am Bankenplatz zu halten. In der Standortdebatte hatte die Hochschule auch schon damit gedroht, auf die Offenbacher Hafeninsel zu ziehen.

          Die Stadt hat der Frankfurt School schon eine Reihe von Ausweichflächen angeboten. Die Adickesallee dürfte wegen der Deutschen Nationalbibliothek, der Goethe-Universität und der Bundesbank in der Nähe für die private Hochschule interessant sein. Wie ein Sprecher des Planungsdezernats sagte, hat die Stadt die Institution schon nach Kräften unterstützt. Die Frankfurt School solle mit dem Land handelseinig werden.

          „Es ist kein klassischer Bürostandort“

          Wie die Oberfinanzdirektion stehen noch drei weitere Bürogebäude zwischen dem Polizeipräsidium und dem Hauptfriedhof leer oder sind nur noch spärlich genutzt. Ehemals befanden sich dort das Sozialgericht, das Landesarbeitsgericht und die im Volksmund „Kartoffelministerium“ genannte Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE). Der Standort war als Behördenzentrum der Justiz im Gespräch gewesen. Seit sich die Pläne, das Justizviertel von der östlichen Zeil dorthin zu verlagern, zerschlagen haben, kommt die Entwicklung nicht voran.

          Die BLE war 2005 nach Bonn gezogen. Wie die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben mitteilt, wird derzeit geprüft, ob die Liegenschaft „wirtschaftlich für Bundeszwecke“ hergerichtet werden könne. Solange werde nicht vorrangig versucht, das Gebäude zu verkaufen. Auch das Land hat für die künftige Nutzung seiner Immobilien offenbar noch keine genauen Vorstellungen. Man wolle das Areal von Oberfinanzdirektion, Sozial- und Landesarbeitsgericht „als Ganzes“ entwickeln, sagte der Sprecher des Finanzministeriums lediglich.

          Immobilienmakler bewerten die Aussichten für das Gelände skeptisch. Die Nachfrage nach Büroflächen an diesem Standort sei gering, sagt Oliver Barth, Frankfurter Niederlassungsleiter von BNP Paribas Real Estate. „Es ist kein klassischer Bürostandort.“ Auch eine Wohnnutzung ist daher denkbar. Der Ortsbeirat im Nordend hat angeregt, auf dem Gelände preisgünstige Wohnungen und Sozialwohnungen zu bauen. ABG-Geschäftsführer Frank Junker hält das aber für unrealistisch. Die Adickesallee sei ein klassischer Gewerbestandort und für Wohnungen zu stark befahren. Allerdings könnte ein Gebäuderiegel den Schall dämpfen. Zudem sei es nicht im Sinn der Stadt, Sozialwohnungen an einem Ort zu konzentrieren, sagte Junker.

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