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Kommentar : Starkes Ergebnis, klare Niederlage

Die Luftaufnahme zeigt das Areal der Rennbahn mit dem Golf Club im Inneren, links sind die Tribüne und der Hotelneubau zu erkennen. Bild: Sascha Rheker / VISUM

Der erste Frankfurter Bürgerentscheid fällt klar und gesichtswahrend für beide Parteien zugleich aus: Die Anhänger des Pferdesports erzielen einen Achtungserfolg, die DFB-Akademie wird dennoch gebaut.

          Soweit das überhaupt geht, hat es der Souverän gut gemeint mit beiden Parteien des ersten Frankfurter Bürgerentscheids. Er ist klar ausgefallen und gesichtswahrend zugleich. Die Anhänger des Pferdesports haben einen Achtungserfolg erzielt: Die rund 63.000 Frankfurter, die sie für ihre Sache mobilisieren konnten, sind eine stolze Zahl. Einerseits.

          Andererseits sind es aber nur ziemlich genau halb so viele, wie es hätten sein müssen, um den Bau einer DFB-Akademie auf dem Areal zu verhindern. Selbst im Stadtteil Niederrad, der von der Nutzungsänderung unmittelbar betroffen ist, gab nur jeder dritte Wahlberechtigte seine Stimme ab. Und auch wenn die schwarz-grüne Landesregierung ihr fragwürdiges Vorhaben, das Quorum in Großstädten auf 15 Prozent zu senken, schon wahr gemacht hätte, wären die Pferdefreunde gescheitert. Sie kamen auf 12,6 Prozent der Wahlberechtigten.

          Auch das Stimmenverhältnis von Gegnern und Befürwortern des Fußball-Projekts ist nicht so eindeutig ausgefallen, dass sich das Scheitern am Quorum dadurch irgendwie relativieren ließe. Immerhin 39 Prozent der Wähler haben sich für ein Projekt ausgesprochen, für das im Vergleich zum gewaltigen Werbeaufwand der Galoppanhänger die Trommel nur wenig gerührt worden war.

          Die schwarz-grüne Koalition im Römer, die gemeinsam mit der SPD das Projekt gestützt hat, kann sich in ihrer defensiven Strategie bestätigt fühlen. Sie hatte sich sehr zurückhaltend für das Vorhaben eingesetzt, um erst gar keine Ressentiments aufkommen zu lassen, wonach sie Macht und Steuergelder darauf verwenden würde, um die Bürger in eine bestimme Richtung zu drängen.

          Abruptes Ende nach 152 Jahren

          Die Stadt und der DFB können nun also an die Verwirklichung ihrer Pläne gehen, ohne Nachhutgefechte um die Legitimation fürchten zu müssen. Dass es gleichwohl noch zu juristischen Auseinandersetzungen kommen wird, steht zu erwarten. Bisher gibt es aber keine Hinweise darauf, dass sie die Akademie ernsthaft gefährden könnten.

          Der Rennsport in Frankfurt kommt damit nach 152 Jahren an ein abruptes Ende, was bedauerlich ist. Er wurde Opfer seiner eigenen Krise, aber auch der verschärften Konkurrenz um Flächen in einer wachsenden Stadt. König Fußball triumphiert abermals. Dass sein deutscher Regierungssitz auf lange Jahrzehnte in Frankfurt sein wird, ist erfreulich für den Standort. Und es ist Ergebnis einer demokratischen Entscheidung.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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