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Fusionitis bei Forschungsmuseen : Senckenberg wächst im Osten Deutschlands

  • Aktualisiert am

Senckenberg-Chef Moosbrugger zwischen Vogelvitrinen in „seinem” Museum in Frankfurt Bild: Frank Röth

In Deutschland dagegen macht sich eine unübersichtliche Anzahl mittelgroßer und kleiner Naturkundemuseen gegenseitig Konkurrenz. Doch das wird sich 2009 ein Stück weit ändern: Das Frankfurter Senckenberg-Museum übernimmt vier Institute in Ostdeutschland.

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          In vielen europäischen Hauptstädten gibt es große Naturkundemuseen von internationalem Rang. In Deutschland dagegen macht sich eine unübersichtliche Anzahl mittelgroßer und kleiner Häuser gegenseitig Konkurrenz. Das soll sich ändern: Immer häufiger kooperieren naturhistorische Sammlungen und fusionieren ihre Institute. Denn die Forschungsaufgaben, die es zu bewältigen gilt, werden immer komplexer.

          Artensterben und Klimawandel zählen zu den großen Herausforderungen von Institutionen wie dem Frankfurter Senckenberg-Museum und -Institut. „Wir wissen sehr viel mehr über den Klimawandel selbst als über seine Folgen“, sagt Direktor Volker Mosbrugger, dessen Haus 2009 vier weitere Institute im Osten Deutschlands übernehmen wird. „Es genügt nicht zu wissen, dass ein Schmetterling ausstirbt, weil es wärmer wird. Wir müssen wissen, was das auslöst: Vielleicht bemerkt es keiner. Vielleicht aber löst es eine Kettenreaktion aus, weil dann bestimmte Pflanzen nicht mehr bestäubt werden.“

          Corts sieht „dezentrales Nationalmuseum“

          Um solche Fragen besser beantworten zu können, entstehen immer größere Kooperationen. Gerade haben sich elf Forschungsmuseen zum Konsortium Deutsche Naturwissenschaftliche Forschungssammlungen (DNFS) zusammengeschlossen. Zusammen besitzen sie mehr als 100 Millionen Sammlungsobjekte - und damit „die größte Forschungssammlung der Welt“, sagt DNFS-Sprecher Reinhold Leinfelder, der Generaldirektor des Berliner Naturkundemuseums.

          Blickfang: Das Senckenberg-Museum während der „Luminale”
          Blickfang: Das Senckenberg-Museum während der „Luminale” : Bild: dpa

          Von Nachteil sei dabei allerdings, dass dieses „Gedächtnis der Erde“ auf unzählige Standorte verteilt ist. „Im Unterschied zu anderen Ländern, wo es ein zentrales, meist staatliches Naturkundemuseum gibt, haben wir hier schon gewisse Defizite“, sagt Leinfelder. Die Kleinteiligkeit der Forschungslandschaft erschwere das Einwerben von Drittmitteln, für die Politik gebe es keinen Ansprechpartner und international werde die deutsche Forschung weniger wahrgenommen. „Daher müssen wir uns zusammenschließen und an einem Strang ziehen“, erklärt Leinfelder. Auch der Museumsbesucher habe etwas davon, schließlich könnten in einem Konsortium bessere und größere Ausstellungen realisiert werden, die man dann an verschiedenen Standorten zeigen könne.

          Einer der stärksten Knotenpunkte in dem immer enger geknüpften Forschungsnetzwerk ist das Frankfurter Senckenberg-Institut mit seinem vor allem für seine Dinosaurier bekannten Museum. Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) sieht die traditionsreiche Institution bereits auf dem Weg zu einem „dezentralen Nationalmuseum“. Schon heute gehören zum Senckenberg Einrichtungen in Wilhelmshaven (Meeresforschung), Hamburg (Biodiversität), Weimar (Paläontologie), Gelnhausen (Gewässerschutz) sowie die „Grube Messel“ bei Darmstadt. 2009 kommen Institute und Museen in Dresden (Tierkunde/Geologie), Görlitz (Bodenforschung) und Müncheberg (Insektenkunde) dazu.

          Aufstieg für Dresden und Görlitz in die „erste Liga“

          Sachsen erhofft sich dadurch entscheidende Vorteile: „Die Aufnahme der Naturhistorischen Sammlungen Dresden und des Naturkundemuseums Görlitz in den Forschungsverbund Senckenberg lässt uns in die erste Liga international renommierter Forschungseinrichtungen wie dem Natural History Museum in London aufsteigen“, sagt Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Sie rechnet bei den sächsischen Einrichtungen mit einer Aufstockung des Personals. Der Verbund biete die Chance, die „herausragenden Bestände“ überregional zu präsentieren. In Dresden fehle es aber noch an Ausstellungsfläche. „Diese Hausaufgaben haben wir noch zu erledigen“, erklärt Stange.

          Auch am Standort Frankfurt würde sich das Senckenberg gern vergrößern, das ab nächstem Jahr 450 statt wie bisher 300 Mitarbeiter hat. Durch die Umsiedlung der Universität werden bald Gebäude im Stadtteil Bockenheim frei - die hätte das Senckenberg gern für sich. „Der Plan sieht vor, dass wir freiwerdende Nachbargebäude nutzen können“, sagt Mosbrugger. Neben mehr Platz für die Forschung soll dann auch ein Sonderausstellungsraum entstehen. Mosbrugger will die Ausstellungsfläche von 6000 auf 10.000 Quadratmeter vergrößern und die Besucherzahlen auf 600 000 im Jahr verdoppeln. „Das Potenzial ist da, die Themen sind da, das Interesse ist da“ - noch aber stehen weder Zeitplan noch Finanzierung.

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