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„Fundraising-Dinner“ mit Großspender : 803.700 Euro für den gelben Städel-Stiefel

  • -Aktualisiert am

Karl-Erivan Haub und Frau Katrin Haubold Bild: Christian Thiel

Ein Wiesbadener macht Benefiz-Gäste sprachlos: „Ich und meine Frau spenden 400.000 Euro“, sagte Erivan Haub, Senior-Chef der Tengelmann-Gruppe, bei einem „Fundraising-Dinner“ zugunsten des Frankfurter Städel.

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          Das ist ein teures Rinderfilet gewesen. Ein sehr teures. Vermutlich das teuerste, das je in Deutschland serviert wurde. Es kostete 803.700 Euro. Bei etwa 180 Gästen, die zum Benefizabend zugunsten der Städel-Erweiterung ins Hotel Hessischer Hof gekommen waren, sind das je Person mehr als 4000 Euro - für ein kleines Filet. Natürlich mussten Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) als Gastgeberin und die anderen Damen und Herren ihren Hunger nicht nur an besagtem Stück Fleisch stillen. Adrette Kellner servierten ihnen eine Vorspeisenvariation unter anderem aus Tatar vom Yellowfin-Thunfisch oder als Dessert eine Valrhona-Schokoladenterrine. Insofern relativiert sich der Preis für das Rinderfilet etwas.

          Wenn man es aber recht bedenkt, war das teure Rinderfilet am Ende doch unentgeltlich. Denn das Menü inklusive der Weine vom Weingut Prinz von Hessen haben Heinrich Donatus Prinz von Hessen und die Hessische Hausstiftung zur Verfügung gestellt. Die 803.700 Euro, die die Gäste als Spenden aufbrachten und die ihnen die Ehre dieses „Fundraising-Dinner“ verschafften, landeten ohne Abzug im gelben Spendenstiefel von Max Hollein. Auf die Idee des Spendenessens hatte den Städel-Direktor Michael Endres gebracht, der Vorstandsvorsitzende der Hertie-Stiftung, die mit sieben Millionen Euro das finanzielle Fundament zur 30 Millionen teuren Erweiterung von Frankfurts Vorzeigemuseum gelegt hat.

          „Wir verdoppeln“

          Weil damals, als man das Projekt „Fundraising-Dinner“ aus der Taufe hob, die Stimmung und die Weine so gut waren, sagte Stiftungschef Endres wohl im seligen Überschwang ein großes Wort: „Wir verdoppeln.“ Ein Mann, ein Wort, dachte sich der gewitzte Max Hollein und ließ seinen Charme und seine Kontakte spielen. Der frühere Deutsche-Bank-Chef Hilmar Kopper sagte eine Spende und seine Teilnahme an dem Benefizabend zu, auch die Mäzenatin Sylvia von Metzler und Nikolaus Schweickart, Chef der Städel-Administration. Die ehrenamtliche Stadträtin Elisabeth Haindl (CDU) ließ eine namhafte Summe springen, andere wie der frühere Eurohypo-Chef Bernd Knobloch ließen sich ebenfalls nicht lumpen. Kurzum: Es wurde teuer für Endres und die Hertie-Stiftung.

          Die 150.000 Euro, die Hertie zu verdoppeln hatte, sind natürlich Kleingeld gegenüber den Summen, die in Amerika bei solchen Gelegenheiten auf den Dinner-Tisch kommen. Glenn D. Lowry, Direktor des Museum of Modern Art in New York, hat für sein „New MoMA“ sagenhafte 900 Millionen Dollar zusammengeschnorrt. In einem höchst mitreißenden Festvortrag erzählte der Star aus New York im Hessischen Hof von einem Dinner mit David Rockefeller: 75 Millionen Dollar hatte der alte Herr dem Direktor versprochen, und bei dem Dinner erhöhte er dann - nicht auf 100, sondern um 100. Auf 175 Millionen.

          „Sie wollen doch diese Stiftung noch lange hier haben“

          Mögen Lowrys Erzählungen aus der amerikanischen Wunderwelt ihn euphorisiert haben oder die feurigen Worte von Oberbürgermeisterin Roth: Auf einmal stand ein etwas unmodisch gekleideter Herr mit dicker Brille aus Wiesbaden auf, eilte nach vorne und schwärmte vom großartigen Direktor Hollein und vom Städel als Kontrapunkt zu den Berliner Museen. Und dann folgte ein Satz, den niemand, nicht einmal Hollein, erwartet hatte und der alle für einen Moment sprachlos machte: „Ich und meine Frau spenden 400.000 Euro.“ Der Mann, der, wie er erzählte, vor vielen Jahren seine Lehre in Frankfurt begonnen hatte und dem Frankfurt immer am Herzen lag, war Erivan Haub, Seniorboss der Tengelmann-Gruppe. Später ließ er das Städel wissen, dass die 400.000 Euro zu den von ihm schon vorher in Aussicht gestellten 100.000 dazukämen.

          Was nun, Herr Endres? Frankfurts Oberbürgermeisterin hat den Hertie-Chef geistesgegenwärtig sofort gefragt, ob seine Stiftung auch jetzt noch verdopple. „Sie wollen doch diese Stiftung noch lange hier in der Stadt haben“, konterte Endres in seiner Rede, die den Abend abschloss. Soll heißen: Ein Rinderfilet für 1,6 Millionen Euro kann sich selbst eine reiche Stiftung wie Hertie nicht leisten.

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