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Früherer Oberbürgermeister : Kaum Spuren hinterlassen

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Mehr Denker als Entscheider: Nach dem Abschied aus dem Rathaus engagierte sich Volker Hauff in Beratergremien. Bild: Imago

Der frühere Frankfurter Oberbürgermeister Volker Hauff wird 80 Jahre alt. Er gilt als einer der wichtigsten Köpfe der Stadt, der den Schritt aus der Politik nie ganz geschafft hat.

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          In der Ahnengalerie der Oberbürgermeister im Römer findet sich bisher kein Porträt von Volker Hauff. Dass der frühere SPD-Politiker, der zwischen 1989 und 1991 Stadtoberhaupt war, überhaupt Wert darauf legt, einmal dort in gemalter Form zwischen den Bildern seines Vorgängers Wolfram Brück (CDU) und Andreas von Schoeler (SPD) zu hängen, darf man bezweifeln. Denn nach seinem Rücktritt am 11. März 1991, der eher einer überstürzten Flucht aus dem Amt glich, wollte Hauff die ganze Angelegenheit möglichst vergessen und hat über seine Frankfurter Episode kaum ein Wort mehr verloren.

          Dabei hatte mit dem Wahlsieg der SPD unter Hauffs Führung damals ein kommunalpolitisches Experiment begonnen, über das viel gesprochen wurde in der Republik, nämlich eine Koalition zwischen Sozialdemokraten und Grünen. Rot-Grün wollte zu neuen Ufern aufbrechen und die Stadt reformieren. Dass die SPD schon vier Jahre zuvor bei der Kommunalwahl 1985 Hauff als Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt hatte gewinnen können – damals wurden die Stadtoberhäupter noch nicht direkt, sondern von den Stadtverordneten gewählt –, galt als Coup, der schließlich 1989 zum Erfolg führte.

          Ein hochbegabter Überflieger

          Denn Hauff, der am Sonntag 80 Jahre alt wird, war ein Spitzenpolitiker, der schon Bundesminister für Forschung und Technologie und später für Verkehr gewesen war. Er galt als ein hochbegabter Überflieger, der als einer der ersten für eine Verbindung von moderner Technik mit Umweltschutz eintrat. Die erste Kommunalwahl verlor die SPD mit Hauff als Spitzenkandidat noch, doch 1989 erzielte sie mit 40,1 Prozent ein fabelhaftes Ergebnis und fand in den Grünen, die 10,2 Prozent errungen hatten, einen tatendurstigen Partner.

          Doch der Schöngeist Hauff, der in Frankfurt distanziert wirkte und engen Kontakt mit den Bürgern eher vermied, ist nie richtig in der Stadt angekommen – geschweige denn warm geworden mit seinen SPD-Genossen, die, kaum an der Macht, sich in internen Kämpfen zerfleischten. Eigentlich wollte Hauff die Partei erneuern und mit einer Politik der „neuen Mitte“ Angestellte und die technische Intelligenz als Wähler gewinnen. Er kam dabei aber in Konflikt mit dem linken Flügel, der die Partei in Frankfurt dominierte. Für solche Grabenkämpfe war der neue Oberbürgermeister nicht der richtige Mann, er wurde in den Flügelkämpfen richtiggehend zerrieben.

          Als sich die Parteivorsitzende Anita Breithaupt ohne Absprache mit Hauff als Kandidatin für das Amt der Sozialdezernentin ins Spiel brachte, gab Hauff resigniert auf und trat zurück. Ihm sei klargeworden, dass er nicht mehr mit dem Vertrauen der SPD rechnen könne, sagte er unter anderem zur Begründung.

          Spuren hat Hauff in Frankfurt nur in rudimentärer Form hinterlassen. Immerhin begründete er das Bündnis von SPD und Grünen, das später unter seinem Nachfolger Andreas von Schoeler durchaus Erfolge erreichte. Hauff nimmt für sich auch in Anspruch, die Idee für den Rhein-Main-Verkehrsverbund entwickelt zu haben.

          Hauffs politische Karriere, die 1969 mit dem Einzug in den Bundestag begonnen hatte und ihn in die Bundesregierung und später in die von der UN gegründete Brundtland-Kommission für Umwelt und Entwicklung geführt hatte, war mit seinem Rücktritt zu Ende. Danach hat er noch einige gesellschaftspolitische Aufgaben übernommen, unter anderem im Rat für Nachhaltige Entwicklung und in der Ethikkommission für eine sichere Energieversorgung. Zudem war er zeitweise Mitglied des Konzernbeirats der Deutschen Bahn. Zuletzt engagierte er sich im Ehrenamt als Vorsitzender der Awo-Rheinlandstiftung gegen Kinderarmut.

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