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Fridays for Future : „Immerhin hat keiner das Schulschwänz-Argument gebracht“

Konfrontation: Windkraft-Gegner aus dem Odenwald (hinten) und Vertreter von Fridays for Future auf dem Römerberg in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Fridays for Future Hessen trifft sich mit Landtagsfraktionen, ist aber um Neutralität bemüht. Eine Fraktion glänzt dabei durch Abwesenheit. Derweil üben Schüler Kritik an der Polizei nach einer Konfrontation in Frankfurt.

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          Unparteilichkeit ist ein Wort, das immer wieder fällt, wenn Fridays for Future sich äußert. Besonders oft und nachdrücklich war es am Sonntag Abend während einer improvisierten Pressekonferenz unter der Dinosaurier-Figur in der Frankfurter Senckenberganlage zu hören. Zuvor hatten sich die Schüler von Fridays for Future Hessen mit den umweltpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen getroffen. Im nahegelegenen Senckenberg-Forschungszentrum „Biodiversität und Klima“ hatten die Schüler die Politiker nach deren Haltung zu den bundesweiten Forderungen von Fridays for Future befragt und ihnen Vorschläge für eine Klimawende in der Landespolitik unterbreitet.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Im Gegensatz zu den übrigen Fraktionen hatte die AfD keinen Vertreter zu dem Treffen entsandt. Doch selbst das wollten die Schüler im Anschluss nicht kommentieren, um nicht in den Eindruck zu erwecken, sie positionierten sich für oder gegen eine bestimmte Partei oder auch nur eine politische Richtung. „Unser Bündnis reicht von links bis konservativ“, sagte Matthias Schneider aus Wetzlar. Die 16 Jahre alte Dominika Filipczak aus Fritzlar sagte, es sei essentiell, dass Fridays for Future sich weiterhin auf das Thema Klimawandel beschränke. Eine Ausweitung auf andere Themen oder gar eine parteipolitische Einfärbung „würde die Bewegung spalten“.

          „Nicht nur von außen kritisieren“

          Trotzdem sehen die Schüler die Notwendigkeit, mit den Politikern zu sprechen. „Wir wollen in Dialog treten, konstruktiv sein und nicht nur von außen kritisieren“, sagte Maike Weber von der Ortsgruppe Geisenheim. Die Landespolitik müsse den Klimaschutz in drei Themenfeldern schneller voranbringen: Verkehr, Energie und Landwirtschaft.

          Zum Beispiel müsse es nach dem Vorbild des Schülerticket alsbald ein allgemeines Bürgerticket für öffentliche Verkehrsmittel geben. Die Landesregierung müsse den Einsatz erneuerbarer Energien forcieren, Methanemissionen in der Landwirtschaft reduzieren und regional erzeugte Lebensmittel fördern.

          Die Gesprächsatmosphäre beschrieben die Schüler als „respektvoll“ und „auf Augenhöhe“. Es sei ein Fortschritt, dass keiner der Politiker „das Schulschwänz-Argument gebracht hat“, sondern dass es um Inhalte gegangen sei, sagte Schneider. Allerdings seien die Aussagen der Politiker unkonkret geblieben und eine Bereitschaft etwa zur Einführung einer CO2-Steuer sei kaum zu erkennen gewesen. Shkodran Jonuzi, 17 Jahre alter Schüler aus dem Schwalm-Eder-Kreis, sieht in dem Treffen zumindest „einen Startpunkt für einen regelmäßigen Dialog“. Es sei wichtig, mit den Fraktionen im Austausch zu bleiben.

          „Grundrecht missachtet“

          Unterdessen hat die Frankfurter Ortsgruppe von Fridays for Future das Verhalten der Polizei gegenüber der Bewegung kritisiert. Am Freitag hätten es die Ordnungskräfte versäumt einzugreifen, als auf dem Römerberg Klimaschützer und Windkraftgegner zufällig aufeinandertrafen. Die Windkraftgegner hätten Schüler angegriffen und einen Demonstranten in den Würgegriff genommen. „Die Polizei war weit und breit nicht zu sehen.“

          Dies stehe im Kontrast zum Einsatz einen Tag zuvor, als ein großes Polizeiaufgebot rund 250 Klimaschützer daran gehindert habe, an einer Sitzung des Umweltausschusses im Römer teilzunehmen. Sowohl Polizei als auch Magistrat hätten damit das Grundrecht auf demokratische Beteiligung missachtet.

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