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Wohin geht Fridays for Future? : Verlust der Mitte

In Frankfurt übt „Fridays for Future“ den Schulterschluss mit anderen Bewegungen, etwa „Black Lives Matter“. Bild: Lucas Bäuml

Alle Formen der Ausbeutung des Menschen und der Natur müssen bekämpft werden, sagen die Aktivisten von Fridays for Future. Das ist richtig – aber auch eine grobe Vereinfachung, die für die Bewegung gefährlich werden kann.

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          Die Jugendbewegung „Fridays for Future“ sucht ihr Heil in der Flucht nach vorn. Schon vor der durch Corona erzwungenen Pause hatte der Protest an Dynamik verloren, und auch wenn jetzt wieder einige tausend Demonstranten auf die Straße gegangen sind, haben die Kundgebungen nicht mehr das Ausmaß wie im vergangenen Jahr. In Frankfurt übt „Fridays for Future“ deshalb den Schulterschluss mit anderen Bewegungen, etwa dem Protest von „Black Lives Matter“.

          Alle Formen der lokalen und globalen Ausbeutung des Menschen und der Natur, von Sexismus, Rassismus, Homophobie und sonstigen Diskriminierungen müssten gemeinsam betrachtet und bekämpft werden, sagen die Aktivisten. Das ist einerseits richtig, weil in der vernetzten Welt alles mit allem zu tun hat, andererseits aber auch eine grobe Vereinfachung. Sie kann zu dem – auch aus Verschwörungstheorien geläufigen – Fehlschluss führen, dass alle Probleme nicht nur zusammenhängen, sondern auch eine gemeinsame Ursache haben.

          Aus Sicht der Redner, die bei den Kundgebungen zum „Weltklimastreik“ aufgetreten sind, liegt der Ursprung des Übels im Kolonialismus, wahlweise auch im Imperialismus oder Kapitalismus. Das ist nicht nur eine Vereinfachung, sondern führt auch zu einer Radikalisierung, die dem ursprünglichen Anliegen des Schülerstreiks schadet, weite Teile der Gesellschaft für mehr Klimaschutz zu gewinnen.

          Wenn sich „Fridays for Future“ wie angekündigt weiter in diese Richtung bewegt, wird die Bewegung ihren Kontakt zur Mitte verlieren und sich somit selbst marginalisieren. Das wäre noch zu verschmerzen, schließlich sagen die Aktivisten selbst, dass „Fridays for Future“ sich überflüssig machen soll. Zu hoffen ist, dass das erst dann geschieht, wenn der Impuls der Bewegung nachhaltig gewirkt hat.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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