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Freizeit : Hobbykeller für Fußballfans

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Allmählich wird es Zeit, den Hobbykeller zu räumen oder das Gästebett neu zu beziehen. Wenn in sechs Monaten die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, werden Tausende Fans in die Stadt strömen, um eines der fünf WM-Spiele im Frankfurter Stadion zu sehen.

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          Allmählich wird es Zeit, den Hobbykeller zu räumen oder das Gästebett neu zu beziehen. Wenn in sechs Monaten die Fußball-Weltmeisterschaft beginnt, werden Tausende Fans in die Stadt strömen, um eines der fünf WM-Spiele im Frankfurter Stadion zu sehen. Nicht nur Hotels und Pensionen, sondern auch private Vermieter hoffen in der Zeit von 9. Juni bis 9. Juli 2006 auf gute Geschäfte - und bieten einzelne Räume oder ganze Wohnungen zur Miete an.

          „Erstaunlich“ nennt Ergin Iyilikci, Sprecher des Internetanbieters Immobilienscout 24, das Angebot schon jetzt. Anfang Oktober erst hat sein Unternehmen ein eigenes Portal eingerichtet (www.wm-zimmer-2006.de) mit dem Slogan: „Übernachten bei Freunden“. Derzeit verzeichnet er mehr als 2000 WM-Wohnungen für ganz Deutschland, mehr als 100 Anbieter wollen in Frankfurt privat vermieten. Für elf Euro können Vermieter bei ihm ein Inserat einstellen. „Die Angebote nehmen klar zu“, sagt Iyilikci, „obwohl wir das Portal bisher kaum beworben haben.“ Nach der Auslosung der Gruppen am 9. Dezember werde es einen regelrechten Ansturm auf die freien Zimmer in Deutschland geben. Ziel sei es, für jede der zwölf WM-Städte 1000 Wohnungen in jeder Kategorie anzubieten. Im Moment entspreche die Zahl der Angebote „bei weitem“ noch nicht der Nachfrage.

          Gehäufte Anfragen aus Übersee

          Vor allem aus Übersee häufen sich die Gesuche. Neulich erst hätten 20 Leute aus Mexiko eine Unterkunft gesucht, berichtet Martin Bernemann von der City-Mitwohnzentrale (www.city-mitwohnzentrale.de): „Langsam kommt der Markt in Schwung.“ Nicole Fischer von der Deutschen Zentrale für Tourismus sieht das ähnlich. „Viele Leute aus den Vereinigten Staaten suchen Möglichkeiten zum ,home stay' während der Weltmeisterschaft“, sagt sie. Nicht bei der Suche helfen kann die „Fifa-Accomodation“, die für den Fußballweltverband Fans, Funktionäre und Journalisten unterbringen soll. Dort heißt es: „Bei uns gibt es keine Zimmer von Privatanbietern.“ Die Gäste könnten für Frankfurt nur zwischen rund 95 Hotels wählen - zwei Sterne und aufwärts.

          Rucksacktouristen dürfte das zu teuer sein. Angesichts der teuren Eintrittskarten und der aufwendigen Anreise aus Australien, Argentinien oder Südkorea suchen viele Fans nach günstigen Möglichkeiten, um in Frankfurt zu übernachten. Doch gerade für sie verzeichnet die neue Privatzimmervermittlung „Frankfurt-Living“ auf ihrer Internetseite (www.frankfurt-living.com) zwischen 9. Juni und 9. Juli 2006 noch kein einziges Angebot. Vielen Vermietern könnte der Basispreis von zehn Euro je Tag für acht Quadratmeter - ohne eigene Toilette - in der untersten Kategorie „Backpacker“ zu niedrig sein. Das ist kaum verwunderlich, wirbt doch Mitbegründer Jan-Ulrich Bittlinger mit einem Preis von 80 Euro am Tag für ein Kinderzimmer. Nur in der Kategorie „First Class“, die komplette Wohnungen, Apartments und Häuser erfaßt, gibt es wenigstens ein Angebot: Jemand aus Hanau verlangt während der WM 280 Euro am Tag, allerdings für vier Personen.

          „Schwarze Schafe“ unter Anbietern

          Da kostet die Übernachtung in mancher Pension nicht viel mehr. Kerstin Junghans, Geschäftsführerin des Hotel- und Gaststättenverbands, bleibt denn auch recht gelassen angesichts der privaten Konkurrenz. „Ich bin der Meinung, daß der WM-Fan nicht der Gast für die Hochpreis-Hotellerie ist.“ Nur für die günstigeren Hotels könnte es im Juni nächsten Jahres schwierig werden, meint sie. Generell belaste die Branche aber das Überangebot an Betten und nicht die Konkurrenz durch Privatquartiere. Bei den privaten Anbietern sei allerdings zu bedenken, daß es keine Standards gebe - keine Bauaufsicht, keine Hygieneregeln. Das berge ein „gewisses Risiko“ für die Mieter, sagt Junghans. Sollten viele der privaten Vermieter unseriös sein, „wirft das natürlich ein schlechtes Licht auf die Stadt“.

          Daran glaubt Jan-Ulrich Bittlinger nicht. Schwarze Schafe könne man zwar auch bei Frankfurt-Living nicht ausschließen, aber das gelte für Anbieter wie Nachfrager. So habe er schon mehrere Vermieter mahnen müssen, ihre Entfernungsangaben zum Stadion zu korrigieren. Gegen Vandalismus der Fans helfe eine Kaution, die bis zu 50 Euro je Tag und Person betragen dürfe, oder die Forderung, vor der Vermietung eine Haftpflichtversicherung nachzuweisen. Außerdem gebe es ein Punktesystem, in dem sich Mieter und Vermieter am Ende bewerten könnten. Bittlinger, der für Frankfurt immerhin schon 108 Suchanfragen verzeichnet, sagt: „Je näher der WM-Termin kommt, desto mehr wird ein Goldrausch einsetzen.“

          Recht geben ihm Zahlen aus München. Dort bieten schon 100 Vermieter privaten Wohnraum an. So viele, daß sich der örtliche Gaststättenverband genötigt sah, die privaten Anbieter als „Abzocker“ zu diffamieren, aus Angst vor Konkurrenz.

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