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Zu viele Unstimmigkeiten : Freispruch für Taxifahrer nach Belästigungs-Vorwurf

Dem früheren Taxifahrer konnte die ihm vorgeworfene Straftat nicht nachgewiesen werden. (Symbolbild) Bild: dpa

Dass ein Taxifahrer im Januar des vergangenen Jahres eine Frankfurter Studentin sexuell belästigt haben soll, ließ sich vor Gericht nicht beweisen. Wie seine Nummer in ihren Handy-Speicher kam, bleibt ungeklärt.

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          Am Ende bleiben zu viele Unstimmigkeiten für eine Verurteilung. Die offenen Fragen seien nicht aufklärbar, sagt die Vorsitzende Richterin, als sie das Urteil gesprochen hat. Kurz zuvor hat die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer den Freispruch gefordert, die Richterin ist dem gefolgt. Die Vernehmungen der Zeugen, so lautete das übereinstimmende Resümée nach zwei Verhandlungstagen, ergaben keine ausreichenden Beweise dafür, dass der Angeklagte eine heute 22 Jahre alte Studentin im Taxi sexuell belästigt habe. Es gebe „erhebliche Zweifel“, man könne nicht ausschließen, dass es zu einer Verwechslung gekommen sei.

          Eine der Unstimmigkeiten betrifft das Fahrzeug des damaligen Taxifahrers. Nach seiner Aussage und der seines Chefs fuhr er während seiner gesamten Zeit als Taxifahrer einen Mercedes Vito, einen Siebensitzer. Die Studentin, die ihm die Tat vorwirft, hatte jedoch schon in der Vernehmung bei der Polizei von einem „normalen“ Auto gesprochen. Außerdem hatte sie angegeben, das Taxi über die Zentrale gerufen zu haben, wodurch die Fahrt direkt beim Taxiunternehmen vermerkt sein müsste. In den Daten der Taxi-App, die der Chef den Ermittlern zur Verfügung stellte, taucht die Fahrt jedoch nicht auf. Sie soll nach den Angaben der jungen Frau am 28. Januar 2019 um zwei Uhr morgens begonnen und ungefähr eine halbe Stunde gedauert haben; laut Anklage endet sie gegen 2.40 Uhr.

          Wie berichtet, soll der Angeklagte zunächst nicht an der Wohnung der Studentin angehalten haben. „Geld ist nicht alles“, habe er gesagt und sei zum Nidda-Park gefahren. Dort sei er sehr langsam gefahren und habe die Frau mit den Worten „ich brache eine Frau“ am inneren Oberschenkel gestreichelt. Auch als sie seine Hand weggedrückt und ihn aufgefordert habe, es zu lassen, habe er weitergemacht. Bevor er sie schließlich an ihrer Wohnung rausließ, soll er sie auf der Rückfahrt wieder am Oberschenkel angefasst und sie gefragt haben, ob sie es möge, oral befriedigt zu werden.

          „Ich hatte Todesangst“, sagt die junge Frau am Mittwoch im Zeugenstand. Sie habe mit der Polizei gedroht, sich aber nicht getraut auszusteigen, aus Angst, dann überfahren zu werden. Ihren Angaben zufolge schrieb sie noch während der Fahrt mit ihrer Schwester. Das SMS-Gespräch fand zwischen 2.56 Uhr und 3.01 Uhr statt, also nach der angegebenen Fahrtzeit. „Ich habe voll Angst“ und „der fasst mich die ganze Zeit an“, schrieb sie ihrer Schwester. Dann „komme gleich“ und: „Ich bin schon seit einer halben Stunde im Taxi.“ Ob sie zu der Zeit im Taxi auf der Rückfahrt vom Niddapark war und die Fahrtzeit bei der Vernehmung falsch angab – oder ob sie schon aus dem Taxi gestiegen war und über das schrieb, was gerade passiert war, bleibt unklar.

          Auch bleibt die Frage, wie die Handynummer des Taxifahrers in das Kontaktverzeichnis ihres Smartphones kommt. Er habe ihr die Nummer vor dem Aussteigen geben wollen, so die junge Frau. Um ihn anzeigen zu können, habe sie zugestimmt. Ihre Schilderung bei der Polizei war eine andere: Er habe ihr das Telefon aus der Hand genommen und die Nummer eingespeichert. Es sind Details, die das Gericht trotz vier Zeugenvernehmungen und der Aussage des Angeklagten nicht aufklären kann. So bleibt nur der Freispruch.

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