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Frauen gründen „Kompetenzzentrum“ : Guter Rat für Musliminnen in Frankfurt

  • -Aktualisiert am

Naime Cakir (Mitte), hier bei einem Treffen mit Hessens Justizminister Hahn (hinten links), führt das „Kompetenzzentrum muslimischer Frauen” Bild: Frank Röth

Mit dem Ziel, muslimische Frauen in Bildungsfragen zu beraten, die Integration und den interreligiösen Dialog zu fördern, sind gut qualifizierte Musliminnen in einem neuen Kreis in Frankfurt tätig geworden. Er nennt sich „Kompetenzzentrum muslimischer Frauen“.

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          Mit dem Ziel, muslimische Frauen in Bildungsfragen zu beraten, die Integration und den interreligiösen Dialog zu fördern, sind gut qualifizierte Musliminnen in einem neuen Kreis tätig geworden. Er nennt sich „Kompetenzzentrum muslimischer Frauen“, wurde zum Ende des vergangenen Jahres gegründet und hat sich jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt. Nach Auskunft der Vorsitzenden Naime Cakir gehören der Gruppe derzeit 25 Frauen aus Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet an; sie ist für weitere Mitglieder offen.

          Die Frauen sind Theologinnen, Islamwissenschaftlerinnen, Psychologinnen oder Pädagoginnen. Zu dem Kreis gehören auch eine Marketing-Projektmanagerin, eine Soziologin, eine Politologin und eine Juristin sowie eine Erzieherin, eine Logopädin, eine Fremdsprachensekretärin und viele Studentinnen. Cakir selbst hat Sozialpädagogik studiert, ist angehende Islamwissenschaftlerin und will demnächst in Freiburg mit einer Promotion in Soziologie beginnen. Sie ist schon in anderen Initiativen aktiv, etwa im Hessischen Islamforum.

          Gesundheitsberatung im Blickpunkt

          Das Zentrum versteht sich als Ansprechpartner für Einrichtungen aus dem islamischen wie dem nicht-islamischen Raum. In diesem Jahr möchte es sich verstärkt der Gesundheitsberatung widmen und Kurse für Frauen in Moscheegemeinden anbieten. Dafür müssen aber noch Projektmittel, etwa des Bundes, eingeworben werden.

          Während solche Beratungskompetenz erst aufgebaut werden soll, haben die Musliminnen in der Bildungsarbeit schon mehr Erfahrung. So haben die Frauen etwa an der Vorbereitung der Imam-Ausbildung mitgewirkt, die vom Amt für multikulturelle Angelegeheiten organisiert wird und am 18. Januar beginnen soll, sowie bei einem interreligiösen Projekt im Kindergarten der Friedensgemeinde im Gallus mitgearbeitet. Auch an den Interkulturellen Wochen im November hat der Kreis schon teilgenommen. Für diese Arbeit oder für Vorträge, die die Frauen auf Einladung halten, bekommen sie Honorare.

          Kulturmuslima und orthodox Orientierte

          Cakir ist es wichtig, dass der Beitrag von Frauen für die Integration gewürdigt wird. Die Integrationsdebatte werde „zum größten Teil auf dem Rücken der muslimischen Frauen ausgetragen“, urteilt sie. Denn in dieser Debatte kämen Frauen vorwiegend als Opfer vor. Das neue Zentrum hingegen wolle „die Kompetenzen und Ressourcen von Frauen bündeln“ und trete „für eine aktive Teilhabe und Chancengleichheit aller Frauen ein“. Das gelte für die islamische Gemeinschaft wie für die gesamte Gesellschaft.

          Der Kreis ist vielfältig – sowohl was die Herkunftsländer der Frauen und ihrer Vorfahren betrifft, als auchhinsichtlich der in der Gruppe vertretenen Richtungen des Islams. Zu dem Zentrum gehörten Türkinnen genauso wie Marokkanerinnen oder Frauen aus Bosnien, erläutert akir. Die Frauen repräsentierten den Islam sunnitischer, schiitischer und alevitischer Prägung. Sogenannte Kulturmuslima – gemeint sind Frauen, die eine eher lose Verbindung zum Islam haben – gebe es genauso wie orthodox orientierte Frauen. Das Zentrum sei aber kein Religionsverein, so Cakir. „Unser Projekt ist ein soziales Projekt.“ Ziel sei die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

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