https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/franzosen-in-rhein-main-fuer-macron-fuer-europa-17946750.html

Franzosen in Rhein-Main : Für Macron, für Europa

  • -Aktualisiert am

Er wähle für die Demokratie, sagt Guilliere. „Das Wahlrecht ist ein Pri­vileg. Meine Töchter können ihre Hobbys ausüben, wir leben in einer freien Gesellschaft.“ Das sei für alle ganz selbstverständlich – für manche vielleicht zu selbstverständlich. Natürlich spielten auch pragmatische Gründe eine Rolle. Administrative Angelegenheiten, wie die Digitalisierung von Be­hördengängen oder die Finanzierung von französischen oder bilingualen Schulen im Ausland, seien für Franzosen, die im Rhein-Main-Gebiet leben, ebenfalls von Bedeutung.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es sieben Wahllokale

Es bleibe jedoch ein Problem: Immer weniger Menschen seien bereit, ihre Stimme abzugeben, sagt Émilie Robert auf der Versammlung im Dionysos. Sie befürchtet, dass die Wahlbeteiligung der in Deutschland lebenden Franzosen niedriger sein wird als in Frankreich, wo die Wahlbereitschaft im Vergleich zur vorherigen Wahl ebenfalls gesunken ist: „Uns wurde mitgeteilt, dass wir als Europäer eine Verantwortung tragen, Macron für Europa wiederzuwählen, aber ich denke, das sind eher Hoffnungen.“

Ein potentielles Hindernis bei der Wahl sei, dass der Stimmzettel am Tag der Wahl im Wahllokal abgegeben werden müsse. Im Rhein-Main-Gebiet gibt es sieben Wahllokale, allerdings finden sich alle Frankfurt. Wohne man nicht in der Stadt, sondern weit entfernt, gestalte sich der Vorgang des Wählens schwierig. Die Bereitschaft der Franzosen, in Deutschland wählen zu gehen, sei deshalb abhängig von der Entfernung des Wahllokals.

Die Briefwahl wird im französischen Wahlsystem durch die „Procuration“ ersetzt, eine sogenannte Vertretungswahl, bei der Vollmachten an andere wahlberechtigte Franzosen verteilt werden. Auch bei LREM haben mehrere Personen eine solche Vollmacht aufgenommen. Für die „Procuration“ müsse natürlich ein Vertrauensverhältnis be­stehen: „Deshalb muss man das in einer eingeschworenen Gemeinschaft ma­chen – nicht, dass einer hinterrücks noch Le Pen wählt“, sagt Guillier.

Die hohe Nichtwähler-Quote könnte Le Pen nutzen

Seine Sorge ist nicht unbegründet: In den vergangenen Tagen wuchs die Un­terstützung für die Rechtspopulisten in Frankreich und ein Duell Macron-Le Pen zeichnet sich ab. Die Stimmung auf der Versammlung von „La République en Marche“ ist gemischt. Einige Anwesende bleiben weiterhin optimistisch, während andere sichtlich besorgt sind. „Viele meiner französischen Bekannten werden nicht wählen gehen, weil sie die Wiederwahl Macrons als gesichert an­sehen“, sagt Robert.

Die hohe Nichtwählerquote könne Le Pen nutzen. Émilie Roberts Ehemann, Jean-Antoine Robert, hofft, dass viele Franzosen bei einer Stichwahl zwischen Macron und Le Pen in der zweiten Wahlrunde merken, dass durch das Nichtwählen der Wahlausgang für Macron eng werden könnte und dann doch abstimmen gehen. „In der ersten Runde wählt jeder mit seinem Herzen, aber in der zweiten Runde, hoffe ich, dass die meisten mit ihrem Kopf wählen werden“, sagt Robert, der als Manager in der Immobilienwirtschaft tätig ist.

Für Europa bedeute die Wiederwahl Macrons Kontinuität. Aber auch für die deutsch-französische Freundschaft sei Macron als Präsident richtungsweisend, sagt Marc de la Fouchardière. Er ist Mitglied in der Frankfurter Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung. „Frankreich und Deutschland brauchen sich gegenseitig, daher verwenden wir auch den Begriff ‚Le couple franco-allemand‘, das deutsch-französische Liebespaar.“

Weitere Themen

Breite Unterstützung für Protestbewegung in Iran

Kundgebung in Frankfurt : Breite Unterstützung für Protestbewegung in Iran

Nach dem Tod einer jungen Frau in Iran reißen die Proteste nicht ab. In Frankfurt hat ein breites Bündnis zu einer Kundgebung aufgerufen, um Solidarität zu zeigen. Die Komikerin Enissa Amani sticht bei der Demonstration mit einer engagierten Rede heraus.

Topmeldungen

Twitter-Kauf : Elon Musk kapituliert

Der Tesla-Chef macht eine abrupte Kehrtwende und bietet an, Twitter nun doch zum vereinbarten Preis zu kaufen. Twitter plant den Verkauf an Elon Musk abzuschließen. Damit fällt der Showdown vor Gericht vermutlich aus.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.