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Frühstück im Franziskustreff : „Das sind auch wertvolle Menschen“

  • -Aktualisiert am

Helfen Bedürftigen in Frankfurt: Bruder Paulus (mit Bart) und Bruder Michael mit Mitarbeiterinnen Bild: Rainer Wohlfahrt

Seit mehr als 25 Jahren können Obdachlose im Franziskustreff in der Innenstadt Frankfurts frühstücken. Dafür wird die Stiftung nun geehrt. Denn nicht nur vor Weihnachten kann man Gutes tun.

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          In der hektischen Vorweihnachtszeit werden sie oft übersehen: die Liebfrauenkirche und das angrenzende Kapuzinerkloster. Denn sobald die vielen Besucher des Weihnachtsmarkts, mit Einkaufstaschen bepackt, von der Zeil in Richtung Römer strömen, ist für Ruhe und Stille meist genauso wenig Zeit wie für einen Gedanken an die Obdachlosen und Bedürftigen. Sie können seit mehr als 25 Jahren im Franziskustreff im Kloster von Montag bis Samstag und an Feiertagen frühstücken.

          Vor fünf Jahren ist der Treff in eine Stiftung überführt worden. „Die ganze Einrichtung lebt von Spenden und vom Engagement der Bürger“, sagt der Leiter des Treffs, Bruder Michael Wies. Wie Bruder Paulus Terwitte, Vorstand der Stiftung, sagt, wollte man den Franziskustreff damals auf „eigene Beine“ stellen. So wüssten die Spender auch, wo ihr Geld lande.

          Beim Frühstück sei die Qualität wichtig. Es gebe daher Brot und Kaffee aus biologischem Anbau. Die Organisatoren wollten den Gästen zeigen, dass „auch sie wertvolle Menschen sind“. Doch gebe es klare Regeln. Wer etwas essen wolle, dürfe nicht betrunken sein und müsse 50 Cent zahlen. Etwa 180 Gäste kommen jeden Tag, annähernd 50 ehrenamtliche Helfer sorgen für einen möglichst reibungslosen Ablauf.

          Wohltäter werden älter

          Joanna Exner engagiert sich seit drei Jahren im Franziskustreff. Sie bereitet die belegten Brote vor, schenkt Kaffee aus und bedient die Besucher. Sie sei durch eine Freundin, die sich wegen ihres Kindes nicht mehr habe einbringen können, auf die Idee gekommen zu helfen. Die Freundin habe gesagt: „Geh du doch mal hin.“ Exner hat es nicht bereut, wie sie sagt. „Hier ist eine einmalige Atmosphäre. Man trifft interessante Leute unter den Obdachlosen und den Helfern.“ Viele der 32 Sitzplätze sind an diesem Morgen besetzt. Hin und wieder verlässt jemand den schmalen Raum, doch der Platz ist schnell wieder belegt. Exner sagt, sie müsse gleich noch etwas aufräumen, damit die Arbeit nachher nicht zu viel werde.

          Wie geschnitten Brot: Zum Angebot gehören vor allem Bioprodukte.

          Im Franziskustreff geht es nicht nur um eine Mahlzeit. Das Frühstück strukturiert den Tag vieler Gäste, sie treffen andere Menschen und können sich unterhalten, wie Bruder Paulus sagt. Sie fänden dort außerdem Hilfe bei der Suche nach Wohnungen und Unterkünften. Nach Jahren auf der Straße sei eine feste Bleibe eine große Umstellung. Viele müssten das Wohnen erst wieder lernen. Vor vier Jahren hat die Stiftung deswegen eine Wohngemeinschaft für drei Obdachlose gegründet. Die Kosten für die Miete begleichen Spender.

          Außer von den ehrenamtlichen Helfern profitiere der Franziskustreff vor allem von etwa 1700 Leuten, die regelmäßig spendeten. Allerdings werde die „Generation der Wohltäter“ älter, sagt Bruder Paulus. Er frage sich daher, wie junge Menschen dazu zu bewegen seien, sich zu engagieren oder etwas zu spenden.

          Gutes tun – nicht nur vor Weihnachten

          Der Franziskustreff war 1992 von Bruder Wendelin Gerigk ins Leben gerufen worden. Der Kapuziner wollte einen Raum schaffen, in dem sich die Obdachlosen willkommen fühlten. Kamen in den ersten Wochen täglich etwa 30 Gäste, waren es wenige Jahre später schon 100. Seitdem habe sich aber viel verändert, sagt Bruder Paulus. Bademarken seien heutzutage beispielsweise nicht mehr nötig.

          Der 2010 verstorbene Gründer konnte 1994 bei der Stadt durchsetzen, dass Obdachlose in den öffentlichen Bädern kostenfrei duschen dürfen. Mittlerweile gebe es aber auch Duschen in den meisten Tageseinrichtungen. Langfristig sei es natürlich ihr Ziel, nicht mehr gebraucht zu werden, sagt Bruder Paulus. Bis dahin sei es aber noch ein langer Weg. Sie wollten nun erst mal versuchen, mehr Wohnungen zu finden, um Obdachlosen den Weg zurück in ein normales Leben zu ermöglichen.

          Dafür suchten sie noch Vermieter, die ihre Wohnung zur Verfügung stellten. Kurz vor Weihnachten fragten sich viele Menschen, was sie Gutes tun könnten, sagt Bruder Paulus. Der Franziskustreff tut das ganze Jahr über Gutes – und wird dafür in Kürze von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) im Kaisersaal des Römer geehrt.

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