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Franz Heinrich Siesmayer : Architekt der blühenden Landschaften

Der Gartenkünstler: Franz Heinrich Siesmayer Bild: Palmengarten

Vor 190 Jahren wurde der Frankfurter Landschaftsgärtner Franz Heinrich Siesmayer geboren. Als Schöpfer des Frankfurter Palmengartens und des Bad Nauheimer Kurparks erlangte er internationalen Ruhm.

          Der Kurpark in Bad Nauheim und der wenige Jahre später geschaffene Palmengarten in Frankfurt: Das sind die beiden Parkanlagen, die den Bockenheimer Landschaftsgärtner Franz Heinrich Siesmayer bekannt gemacht haben. Und zwar weit über das heutige Rhein-Main-Gebiet hinaus. Siesmayer selbst, der heute vor 190 Jahren geboren wurde, spricht in seinen Lebenserinnerungen von etwa 1000 Anlagen, die er in seinem Leben geschaffen haben will.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fachleute schätzen, dass es eher 250 bis 300 waren, die tatsächlich vom Entwurf bis zum letzten Spatenstich seine Handschrift trugen. Doch wer sich mit historischen Parkanlagen in der Rhein-Main-Region beschäftigt, stößt immer wieder auf den Namen Siesmayer. Es gab zu seiner Zeit kaum einen viel beachteten Park, den Siesmayer nicht angelegt oder umgestaltet hatte oder der zumindest von der Firma Gebrüder Siesmayer gepflegt wurde. Heute gilt der aus einer einfachen Gärtnerfamilie stammende Siesmayer als einer der bedeutendsten Gartenkünstler des 19. Jahrhunderts.

          Charakteristische Blumenschmuckanlagen

          Seine Markenzeichen waren die prächtigen, regelmäßigen Blumenschmuckanlagen und die in aller Regel mehrfach gegliederten Terrassen, die er um die Gebäude anlegte. Ein solches Siesmayersches Blumenparterre nebst Terrassen ist vor dem Gesellschaftshaus im Palmengarten zu finden, früher gab es auch eines vor dem Kurhaus in Wiesbaden, dem heutigen Bowling Green. Terrassen prägen ebenfalls das Kurhaus in Bad Nauheim, das heute ein Hotel beherbergt. Charakteristisch sind für Siesmayer darüber hinaus die stark geschwungenen Wege, die häufig wie mit dem Kurvenlineal gezogen erscheinen und die die Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts despektierlich als „Brezelwege“ bezeichneten.

          Der Palmengarten - hier eine Postkartenaufnahme von 1910 - ist Siesmayers wichtigste Parkanlage

          Zu Siesmayers Anlagen gehörte in der Regel, sofern Platz vorhanden war, ein Weiher mit vielen Buchten. Vor allem spielte der Landschaftsgärtner mit dem Arrangement von Gehölzgruppen, beeindruckenden Solitärbäumen und Ausstattungselementen wie Grotten, Wasserfällen, Felsen und Fontänen, aber auch mit dem freien, weiten Blick in die Parkanlagen hinein. Siesmayer setzte auf attraktive Perspektiven, schuf Blickachsen. Zeitgenossen berichten, dass er einem Gelände sofort angesehen habe, welche Möglichkeiten es bot. Er habe ein besonderes Talent zur schönen Bodengestaltung gehabt, hieß es. Die Frankfurter Landschaftspflegerin Barbara Vogt, die sich der Gartendenkmalpflege widmet, attestiert ihm, dass seine Entwürfe „ausgesprochen ästhetisch wirken“. Siesmayer gärtnerte nicht, er schuf Gartenlandschaften.

          Deutlich ist dies heute noch im äußerst großzügig angelegten Bad Nauheimer Kurpark zu spüren, der für die Landesgartenschau 2010 wieder herausgeputzt werden soll. Und natürlich im Palmengarten, Siesmayers wichtigster Anlage. Nicht nur, weil es im Frankfurt des Jahres 1871, als der Palmengarten eröffnet wurde, nur wenige öffentliche Parks gab: Neben der Wallanlage und dem Nizza war nur noch der Zoo für jedermann zugänglich. Die stattlichen Bürgergärten standen lediglich einem ausgewählten Publikum offen.

          Gestalter des Grüneburgparks

          Das Besondere am Palmengarten war, dass dort auch Unterhaltung geboten wurden: Neben Hippodrom und Radrennbahn war es insbesondere das Gesellschaftshaus, das anzog. Und natürlich die große Sammlung exotischer Pflanzen, die Siesmayer dem finanziell in Not geratenen Herzog Adolph von Nassau, Schlossherr in Wiesbaden-Biebrich, nebst dessen Gewächshäusern, unterstützt von Frankfurter Bürgern, abkaufte. Mit Hilfe von Aktien, die zur Finanzierung ausgegeben wurden, waren auch das Gesellschaftshaus und ein erster Teil des heutigen Gartens angelegt worden. Vogt zufolge war der Palmengarten vom Tag seiner Eröffnung an eine Sehenswürdigkeit, die von weither Besucher anzog.

          Siesmayers Spuren sind heute auch noch in anderen, kleineren Parkanlagen zu entdecken: etwa im Mainzer Stadtpark oder in der Gartenanlage des heutigen Kempinski-Hotels in Königstein-Falkenstein, das einst ein Sanatorium war. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Bürgergärten kleineren und größeren Umfangs, in denen er wirkte und die davon noch heute zeugen. Dem Grüneburgpark in Frankfurt gab er sein Gesicht, dem Park der Villa Rothschild in Königstein, dem Garten der Villa Mumm an der Falkensteiner Straße in Kronberg und dem Bergpark der „Villa Anna“ in Eppstein, der 2004 nach Jahren der Abgeschlossenheit wieder der Bevölkerung zugänglich gemacht wurde. Für den Kurpark in Bad Schwalbach legte Siesmayer Entwürfe vor; die Kurparks von Wiesbaden, Bad Nauheim und Bad Homburg pflegte Siesmayers Firma über Jahrzehnte. Teile des Kurparks in Bad Soden legte Siesmayers Sohn Philipp an.

          Erhalten ist auch der von Siesmayer angelegte Bockenheimer Friedhof, auf dem der Landschaftsgärtner selbst im Jahr 1900 beigesetzt wurde. Sein Firmengelände an der Bockenheimer Schloßstraße ist jedoch ebenso bebaut worden wie seine große Musterbaumschule in Bad Vilbel, die er als „Elisabethenhain“ anlegen ließ.

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