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Zukunft der Skyline : Wohntürme sind keine Selbstläufer

Nur schöne Pläne? Der Riverpark-Tower in der Animation. Bild: dpa

Frankfurts Skyline ist einzigartig in Deutschland. Doch durch die Pandemie ist der Markt für Wohntürme in der Krise. Ganz sollte die Stadt aber auf neue Standorte im Hochhaus-Rahmenplan nicht verzichten.

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          Die Nachfrage nach neuen Wohntürmen in Frankfurt stagniert. Das ist nicht erstaunlich, denn es war nur eine Frage der Zeit, wann sich die ersten Übersättigungstendenzen beim exklusiven Hochhauswohnen bemerkbar machen. Dieses Marktsegment ist klein, seine Klientel ist überschaubar.

          Dass ausgerechnet jetzt die ersten Projekte in Frage stehen, hängt natürlich auch mit der Pandemie zusammen. Internationale Kapitalanleger, die sich unbesehen eine Wohnung in Frankfurt als Anlageobjekt sichern wollen, sind rar. Und der Kreis der hiesigen Käufer und Mieter, die mit dem vertikalen Wohnen liebäugeln, ist nicht groß genug, um mehrere Neubauprojekte parallel zu füllen. Ohnehin sind Wohnungen mit Garten derzeit beliebter als in gestapelter Form.

          Die Wohnungen sind sehr teuer

          Es ist schwer zu prognostizieren, ob dies eine Momentaufnahme ist und sich die Nachfrage in einigen Jahren, wenn die Pandemie überwunden ist, wieder erholen wird. In den vergangenen Jahren sind mehrere neue und zum Teil auch ansehnliche Wohnhochhäuser entstanden, der Markt könnte fürs Erste gesättigt sein. Wohntürme gehen zwar effizient mit dem Baugrund um, der in Frankfurt notorisch knapp ist. Aber was bringt es, wenn die Wohnungen wie im Grand Tower vor allem an auswärtige Kapitalanleger verkauft sind, die Türme aber halb leerstehen, weil sie keine Mieter finden?

          In der Vermarktung sind Wohntürme keine Selbstläufer. Die Wohnungen sind sehr teuer, denn über der Hochhausgrenze steigen die Baukosten rasant. Umnutzungen alter Bürohäuser zu Wohntürmen sind ebenfalls kostspielig und kompliziert. Davon kann mancher Bauherr im Westend ein Liedchen singen. Zur Bewältigung der Probleme auf dem Wohnungsmarkt sind diese Türme nicht geeignet.

          Der Frankfurter Planungsdezernent hatte sich deshalb schon bei der Vorbereitung des neuen Hochhaus-Rahmenplans skeptisch gezeigt, ob es für neue Wohntürme noch einen Bedarf gibt. Ganz darauf verzichten sollte die Stadt aber nicht, denn solche Rahmenpläne sind für Jahrzehnte gemacht.

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          Die Stadt sollte bei der Ausweisung neuer Standorte aber zurückhaltend sein: Nicht jede Fläche ist prädestiniert für ein Wohnhochhaus, das zeigen die Türme im hinteren Europaviertel, die sich nur langsam füllten oder – wie der Porsche-Design-Tower – nun ganz in Frage stehen. In bester Lage können Wohntürme aber nach wie vor funktionieren und das Stadtbild bereichern.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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