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Was bleibt vom August? : Eiskübel und Dauerregen

Ungewöhnlich niederschlagsreich: Wie schon im Juli blieb der Regenschirm auch im August das Symbol des Sommers. Bild: dpa

Der August war nass. Und das gleich in zweierlei Hinsicht. Als wäre der Dauerregen nicht genug gewesen, schütteten sich Promis und Politiker eimerweise Eiswasser über den Kopf.

          Das Internet macht uns alle noch verrückt. Nicht nur die jungen Leute, die den ganzen Tag in ihre Telefone starren, und jene Halb- und Viertel-Prominenten, die ohne Unterlass ihre Befindlichkeit in die Welt zwitschern. Nein, jetzt lässt die digitale Revolution auch noch unsere Eliten irre werden.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jüngstes Beispiel: die Eiskübel-Herausforderung, die in Amerika erfundene Mode, sich für einen guten Zweck mit eiskaltem Wasser zu übergießen und einen Film davon ins Netz zu stellen. Das haben in den vergangenen Wochen weltweit Hunderttausende getan. Fußballer, Schauspieler, Schlagersänger, jeder Hans und Franz - und nun auch Frankfurts politisches Führungspersonal. Nicht nur Piraten, Linke und Sozis, sondern auch die personifizierte Seriosität: die Frankfurter Christdemokraten.

          Eiswürfeldusche trotz Herbstwetters

          Kämmerer Uwe Becker zeigte sich dabei ebenso in T-Shirt und kurzer Hose wie Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler. Nur Fraktionschef Michael zu Löwenstein hatte offenbar den Anstand, sich zumindest vorher einen gelben Regenüberwurf anzuziehen. Zu billigen ist seine Teilnahme am „Ice Bucket“-Zirkus trotzdem nicht - allein schon aus meteorologischer Sicht. Denn wie kann ein verantwortungsbewusster Politiker auf die Idee kommen, sich ausgerechnet in einem Monat mit Eiswasser zu überschütten, in dem es wie aus Kübeln regnet und die Temperaturen zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr deutlich unter den Normalwerten verharren?

          Hätte der Mann nur einmal Kontakt zum Deutschen Wetterdienst in Offenbach aufgenommen, dann hätte ihm klarwerden können, dass Frankfurt gerade den kältesten August seit 2006 erlebte und sich mit Niederschlagsmengen weit über den langjährigen Mittelwerten herumschlagen musste. Mit einer Durchschnittstemperatur von 17,5 Grad wurde der Monat am Ende sogar der sechzehntkälteste August seit 1935 und gab sich mit der am 8. August gemessenen Höchsttemperatur von 28,1 Grad geradezu der Lächerlichkeit preis.

          Es hätte schlimmer kommen können

          Noch niederschmetternder stellt sich die Regenbilanz dar. Mit 101,6 Millimetern lag die Niederschlagsmenge bemerkenswerte 57 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt von 64,8 Millimetern. Und das nur an der Messstation am Flughafen! In der alten, nicht mehr für die offizielle Statistik genutzten Wetterwarte im Palmengarten waren es sogar 161,0 Millimeter und damit das Dreifache der üblichen Menge. Gewitter und Schauer haben die Niederschläge sehr ungleich verteilt, viel geregnet hat es aber überall. Allerdings, und das sollte anstandshalber auch erwähnt werden, sind die Werte des vergangenen Monats noch weit von den Rekordmarken der Jahre 1968 und 1981 entfernt. Damals kamen im August sagenhafte 189,4 beziehungsweise 182,4 Millimeter zusammen, und am 9. August 1981 fielen innerhalb von 24 Stunden 109,7 Millimeter, mehr als in diesem Jahr im ganzen Monat.

          So gesehen, hätte es in diesem Jahr tatsächlich noch schlimmer kommen können - auch beim Sonnenschein. Denn der blieb mit 175,2 Stunden Bestrahlungsdauer zwar ein paar Prozent hinter dem langjährigen Mittelwert zurück. Vom Sonnenschein-Tiefpunkt des Augusts 2006 mit seinen gerade einmal 124,7 Stunden trennt ihn aber noch eine ganze Menge. Und abgesehen davon, hat sich die Sonne - trotz des vielen Regens - tatsächlich an jedem der 31 Augusttage gezeigt. Wenn auch manchmal nur sehr kurz.

          Wie man sich im Übrigen aus dem ganzen Internetirrsinn heraushält, zeigt vorbildlich der neue Eintracht-Trainer Thomas Schaaf. Der hat weder ein Facebook- noch ein Twitter-Konto, und er lässt sich auch nicht mit Eiswasser übergießen. Er konzentriert sich lieber auf die Arbeit mit seiner Mannschaft. Und die erledigt er bisher recht ordentlich.

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