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Frankfurts Finanzen : „Solide Vermögenslage“

Ein Euro: Tiger im Frankfurter Zoo haben nur einen „Erinnerungswert” Bild: dpa

Wie reich ist Frankfurt? Erstmals hat die Stadt eine Vermögensrechnung vorgelegt. Darin steht, welche Grundstücke, Gebäude und Infrastruktur Frankfurt besitzt, und was sie wert sind.

          Die Stadt Frankfurt verfügt über ein Vermögen von 12,52 Milliarden Euro. Das geht aus der Eröffnungsbilanz hervor, die Kämmerer Uwe Becker (CDU) jetzt veröffentlicht hat. Damit legt die Stadt zum ersten Mal außer der Ergebnis- und der Finanzrechnung auch eine Vermögensrechnung vor. Auf der Aktivseite der Bilanz werden die städtischen Vermögensgegenstände aufgelistet und bewertet; dort steht, wofür die Stadt ihr Geld verwendet. Die Passivseite bildet ab, woher das Geld stammt; sie zeigt vor allem, in welchem Maße die Stadt ihr Vermögen durch Eigenkapital und Fremdkapital finanziert hat.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So betrug das Eigenkapital zum Bilanzstichtag am 1. Januar 2007 rund 8,29 Milliarden Euro – das entspricht einer Eigenkapitalquote von 66,2 Prozent. Becker sprach deshalb von einer „soliden Vermögenssituation“. Die Bilanzsumme bezeichnete er als „sehr guten Wert“. Zum Vergleich: Die Stadt München hat in ihrer vorläufigen Eröffnungsbilanz im vergangenen Jahr ein Gesamtvermögen von 19,1 Milliarden Euro und ein Eigenkapital von 7,7 Milliarden Euro ausgewiesen – das entspricht einer Eigenkapitalquote von rund 40 Prozent.

          Unverkäuflich: Römer, Paulskirche und das Straßennetz

          Mit Hilfe der neuen Vermögensrechnung, die künftig jedes Jahr aktualisiert vorgelegt werden muss, könnten die politischen Entscheidungsträger aber auch deutlicher sehen, „welche Hausaufgaben zu erledigen sind“, sagte der Kämmerer. Er wies darauf hin, dass sich der größte Teil des städtischen Eigenkapitals, anders als in einem Unternehmen, nicht liquide machen lasse, weil das Geld in unverkäufliche Sachanlagen investiert sei. Als Beispiel nannte er den Römer, die Paulskirche und das Straßennetz.

          58.000.000 Euro: der Frankfurter Kaiserdom

          Größter Posten auf der Aktivseite ist in der Tat das sogenannte Sachanlagevermögen, das 9,89 Milliarden Euro beträgt. Allein die 44.185 städtischen Grundstücke, die in die Bewertung eingegangen sind, sind 6,98 Milliarden Euro wert. Zweitgrößter Posten dieser Bilanzseite ist das Infrastrukturvermögen mit gut 1,7 Milliarden Euro. Dazu gehören die 1947 städtischen Gebäude ebenso wie die 1176 Kilometer an städtischen Straßen mit einer Verkehrsfläche von 15,0 Millionen Quadratkilometern.

          Kunstwerke sind noch nicht erfasst

          Wie aus der Eröffnungsbilanz weiter hervorgeht, betrugen die Verbindlichkeiten am 1. Januar 2007 annähernd 1,81 Milliarden Euro. Sie werden auf der Passivseite gebucht und setzen sich maßgeblich zusammen aus den Schulden aus Kreditaufnahmen zum Bilanzstichtag (1,36 Milliarden Euro) und den Verbindlichkeiten bei verbundenen Unternehmen und Unternehmen, an denen die Stadt beteiligt ist (rund 325 Millionen Euro).

          Einen weiteren großen Posten bilden die Rückstellungen, die vor allem für die Pensionen städtischer Beamter (1,3 Milliarden Euro) gebildet werden müssen. Bisher nicht enthalten sind die Kunstwerke aus den städtischen Museen und Sammlungen. Sind auch sie erfasst, dürfte sich das Vermögen Frankfurts noch erheblich erhöhen. Die Eröffnungsbilanz gehört zur doppelten kaufmännischen Buchführung in Konten (Doppik), auf die Frankfurt Anfang 2007 umgestellt hat.

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