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Frankfurts Finanzen : Glaser verteidigt Fondskauf

Risikofreudig: Albrecht Glaser Bild: dpa

Die Diskussion über einen 52-Millionen-Euro-Fonds der Stadt hält an. Jetzt verteidigt der ehemalige Kämmerer Glaser seine Entscheidung, das Steuergeld teils in Aktien zu investieren.

          Der ehemalige Kämmerer der Stadt Frankfurt, Albrecht Glaser (CDU), hat die Entscheidung verteidigt, im Jahr 2000 rund 52 Millionen Euro in einem Fonds anzulegen. Auf Anfrage sagte er der F.A.Z., das Geld sei „finanzwirtschaftlich professionell, betragsmäßig vertretbar und mit überschaubarem Risiko“ investiert worden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stadt habe sich damals „insgesamt in solchen Anlageformen bewegt“. Klar sei gewesen, dass diese Anlagen mit mehr Chancen, aber auch mit mehr Risiken verbunden seien als ein Termingeldkonto. Glaser sagte weiter: „Als ich gehandelt habe, habe ich die Rechtsfrage einwandfrei geklärt und mich rechtlich absolut korrekt verhalten.“

          Deutliche Verluste

          Während der Finanzkrise war überraschend öffentlich geworden, dass die Stadt in einen Fonds investiert hat. Er soll eigens für sie aufgelegt worden sein, Rentenpapiere und Aktien enthalten und deutlich im Minus stehen. Die Opposition kritisiert, dass eine derart hohe Summe damals in dieser Form und ohne Zustimmung der Stadtverordneten angelegt worden sei.

          Der ehemalige Kämmerer Glaser entgegnete, die Stadt habe im Jahr 2000 über rund eine Milliarde Euro an liquiden Mitteln verfügt. Er habe zwei Dinge vorgeschlagen: Auf der Schuldenseite sollten fortan bei Umschuldungen Zinsderivate eingesetzt werden, auf der Anlagenseite seien annähernd 50 Millionen Euro – „ein relativer Kleinbetrag im Verhältnis zur Gesamtliquidität“ – in den besagten Fonds investiert worden.

          „Bedenkenlose Stadtverordnete“

          Die Derivatgeschäfte, Wetten mit der Bank auf die Zinsentwicklung, seien von den Stadtverordneten inklusive SPD-Fraktion „ohne jede Bedenken abgesegnet“ worden. Weil diese Finanzmethode, verglichen mit Fonds, „die im Grunde viel heißere Kiste“ sei, „wäre ich nicht im Traum darauf gekommen, darüber auch nur eine Mitteilung an die Stadtverordneten zu machen“.

          Wie wichtig ihm Transparenz gewesen sei, zeige sich daran, dass er ohne rechtliche Verpflichtung einen jährlichen Bericht über die Derivatgeschäfte initiiert habe.

          „Städtisches Bankencasting“

          Vor der Zeichnung des Fonds habe es ein „Bankencasting“ gegeben. Dem Gesetz zufolge müsse außerdem jedes Jahr ein sogenanntes Steuerungsgespräch über dessen künftige Zusammensetzung geführt werden. Daran hätten unter seiner Ägide „leitende Mitarbeiter der Kämmerei“ teilgenommen. Der Fonds sei bei einer bekannten Frankfurter Privatbank aufgelegt worden.

          „Fairerweise und selbstkritisch“ müsse er sagen, dass die Stadt relativ kurzfristig nach Kauf des Fonds in die Krise nach dem 11. September geraten sei, äußerte Glaser. Von den acht Jahren, die der Fonds existiere, habe er aber nur gut ein Jahr Verantwortung getragen, weil er Ende 2001 aus dem Magistrat ausgeschieden sei. Er verstehe nicht, warum die Kämmereimitarbeiter nicht Ende 2007 verkauft hätten – „beim höchsten Dax-Stand seit dem Zweiten Weltkrieg. Das hätten sie tun müssen.“

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