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Frankfurter Zoo : Weniger Tiere, schönere Gehege

Ein Herz für Tiere: Manfred Niekisch Bild: dpa

Manfred Niekisch wird zum 1. März die Leitung des Zoos übernehmen - das hat der Magistrat beschlossen. Der neue Direktor will den Tiergarten zu einem Artenschutzzentrum mit hohem Erlebniswert machen.

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          Der Sandboden im Katzendschungel mag manchem Besucher wildromantisch vorkommen, doch für Manfred Niekisch ist er schlicht ein Ärgernis. Rollstuhlfahrer würden von dem weichen Belag ausgebremst, und im Sommer wirbelten die Umhergehenden ständig Staub auf. Niekisch wird bald Gelegenheit haben, diesen Mangel zu beheben: Vom 1. März an ist der 56 Jahre alte Biologe Zoodirektor in Frankfurt. Wie Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) bekanntgab, hat ihn der Magistrat einstimmig berufen. Niekisch übernimmt das Amt von Christian Schmidt, der nach dem Bekanntwerden von Missständen beurlaubt worden war und nun offiziell in den Ruhestand tritt.

          Sascha Zoske

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das 2001 eröffnete Großkatzenhaus, in dem sich Niekisch der Presse vorstellte, gehört trotz des Bodenproblems zu den tierpflegerisch zeitgemäßen und ästhetisch ansprechenden Anlagen des Zoos. Andernorts wird der künftige Chef wesentlich mehr investieren müssen: Die Neugestaltung des Eingangs und der Umbau des Bärengeheges sind für Niekisch die dringendsten Projekte. Unbedingt saniert werden müssten auch das Grzimek-Nachttierhaus, die Nilpferd- und die Pinguinanlage. Noch in diesem Frühjahr will der Direktor einen Zeitplan vorstellen, aus dem hervorgeht, welche Arbeiten bis wann erledigt sein sollen. Am Geld dürfte es nicht fehlen: Laut Semmelroth sollen bis zum Jahr 2010 maximal 30 Millionen Euro für die Modernisierung des Zoos bereitgestellt werden.

          Von den Zoos in London und New York lernen

          Attraktiver machen will Niekisch den Zoo nicht nur durch schönere Gehege. Auch die Gastronomie und den Besucherservice möchte er verbessern. Barrierefreiheit in allen Bauten müsse selbstverständlich sein. Der Zugang zum Gesellschaftshaus müsse vom Zoo getrennt, das Haus selbst wieder zu einem wirklichen Veranstaltungszentrum werden. Dazu gehöre auch ein neues gastronomisches Konzept, da der jetzige Pächter Kofler die Restauration 2010 aufgeben werde. Was den Besucherservice, aber auch die Tierhaltung angehe, könne Frankfurt viel von den Zoos in London und New York lernen, so Niekisch.

          Der designierte Direktor selbst hat reichlich Erfahrung mit internationalen Institutionen gesammelt. Er war Direktor beim World Wide Fund for Nature und ist derzeit noch Regional Councillor der Weltnaturschutzunion IUCN, hat an Hochschulen in Vietnam und Andalusien ebenso gelehrt wie an der Universität Greifswald, wo er eine Professur für Naturschutz innehat. Mit seinem Frankfurter Amtsvorgänger Bernhard Grzimek arbeitete er in mehreren Artenschutzkampagnen zusammen. Aber auch das anstrengende Alltagsgeschäft eines Zoos ist Niekisch vertraut: Während und nach seinem Studium war er in Köln als Tierpfleger tätig.

          „Erlebniswert“ und „artgerechte, attraktive Tierhaltung“ muss ein Zoo nach seiner Überzeugung miteinander verbinden. Dieses Ziel könne auch auf dem relativ kleinen Gelände des Frankfurter Tiergartens verwirklicht werden: „Entscheidend ist nicht die Größe, sondern die Kreativität.“ Auch die Zahl der Tiere ist für ihn kein Qualitätsmerkmal. Er möchte lieber „weniger Arten auf größerer Fläche“ präsentieren. Was auch bedeuten kann, dass sich der Zoo von mancher Spezies trennt: Die ziegenartigen Takins zum Beispiel haben nach Niekischs Ansicht kein optimales Gehege und würden von den Besuchern nur wenig beachtet.

          Skeptisch gegenüber Rummel um Eisbär-Babys

          Attraktivität allein kann für ihn bei solchen Entscheidungen allerdings kein hinreichendes Kriterium sein. Schließlich tritt er mit dem Anspruch an, den Frankfurter Zoo zu einem Zentrum des Artenschutzes und der Umweltbildung zu machen. Den Rummel um niedliche kleine Eisbären sieht er bei allem Verständnis für die Wünsche des Publikums denn auch skeptisch. Unter seiner Leitung werde der Frankfurter Zoo jedenfalls „nicht darauf angewiesen sein, Tierbabys zu produzieren, damit mehr Besucher kommen“.

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