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Frankfurter Zoo : Vision mit Wüsten und Regenwäldern

Hat große Pläne: Frankfurts Zoo-Direktor Manfred Niekisch Bild: Daniel Nauck

Der Frankfurter Zoo will eine „Pionier-Einrichtung“ werden und Tiere in ihrem Ökosystem zeigen. Ziel ist ein Natur- und Artenschutzzentrum. Doch das Geld fehlt.

          2 Min.

          Zoodirektor Manfred Niekisch wäre gerne selbst gekommen. Er hätte sich dann im großen Saal des Zoogesellschaftshauses vor das Rednerpult gestellt und dem Publikum berichtet, welche Neuerungen es im Tiergarten geben wird. Niekisch aber ist an diesem Abend in Köln, wo die deutschen Zoodirektoren ihre Jahrestagung abhalten. Und so obliegt es seinem Kurator Thomas Wilms, die unangenehme Nachricht zu überbringen, dass der Zoo zwar viele neue Gebäude plant, die den Tiergarten zur „Pionier-Einrichtung“ werden lassen könnten – aber dass dafür eigentlich nicht genügend Geld vorhanden ist.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die 30 Millionen Euro, die die Stadt dem Zoo im vergangenen Jahr bewilligt hat, reichen nach jüngsten Berechnungen gerade einmal für die Hälfte der geplanten Neubauten aus, das heißt, für den Eingang und die Bärenanlage, die Ende des Jahres in Angriff genommen werden sollen, sowie für das neue Pinguinhaus. Und auch eine Quarantänestation steht auf der Prioritätenliste ganz oben. Sie ist laut Wilms umso dringlicher geworden, nachdem es vor kurzem eine mysteriöse Sterbewelle bei den Mantelaffen im Borgoriwald gab, die durch eine seltene Amöbenart ausgelöst worden ist. Danach ist das Geld aufgebraucht. Wenn sich nicht andere Finanzierungsmöglichkeiten finden, muss mit der Stadt neu verhandelt werden. Und das dürfte angesichts der Haushaltslage schwierig werden.

          Natur- und Artenschutzzentrum als Ziel

          Dabei hat der Zoo seit langem wieder eine Vision, wie Wilms sagt. Man habe endlich einen Weg gefunden, wie der Zoo seinem Anspruch, ein Natur- und Artenschutzzentrum zu werden, auch baulich gerecht werden könne. So sei außer den Anlagen für Bären und Pinguinen ein Neubau des traditionellen Grzimek-Hauses geplant. Denn das alte weise schon gravierende Baumängel auf. Dieses neue Tag- und Nachttierhaus könnte dann, so Wilms, in einem zweiten Gebäudeteil die Tiere nicht nach Gattungen getrennt zeigen, sondern als Teil verschiedener Ökosysteme: Der Besucher würde eine nachgebildete Wüste oder einen Regenwald erleben – mit den jeweiligen Bewohnern. Es gehe darum, den Menschen die ökologischen Zusammenhänge zu zeigen, sagt Wilms.

          Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) befürwortet die Pläne. „Es wird Zeit, dass der Zoo seinen Weg als Naturschutzeinrichtung weiter verfolgt und deutschlandweit wieder Bedeutung erlangt“, sagt er. Eine Idee, wie diese Pläne zu finanzieren sind, hat jedoch auch Semmelroth nicht. Möglich wäre aus seiner Sicht, dass der Zoo mehr als bisher versucht, über große Spendenprojekte an Geld zu kommen und darüber hinaus die Öffentlichkeit verstärkt mobilisiert. Auch eine moderate Erhöhung der Eintrittspreise wäre denkbar, „allerdings so, dass sich auch weiterhin Familien den Zoobesuch leisten können“. In jedem Fall, sagt Semmelroth, sei er „gerne zu neuen Beratungen bereit“, wenn die 30 Millionen Euro in etwa zwei Jahren „aufgezehrt“ seien.

          An dieses Versprechen wird sich Manfred Niekisch dann sicherlich gern erinnern. Denn der 58 Jahre alte Zoodirektor macht kein Geheimnis daraus, dass er in einigen Jahren ungern in den Ruhestand gehen möchte, ohne den Zoo finanziell abgesichert zu wissen – und ohne sein Ziel, den Tiergarten zu einer führenden Naturschutzeinrichtung umzuwandeln, erreicht zu haben.

          „Erst einmal die 30 Millionen“

          Dennoch gibt sich Niekisch bescheiden. Auf Anfrage sagte er, jetzt schon „über Geld von morgen zu sprechen“ sei nicht sinnvoll. „Wir haben jetzt erst einmal die 30 Millionen, die wir so gut wie möglich in die Tiere und ihre Umgebung sowie in besseren Service für die Besucher investieren wollen. Wenn wir zeigen, dass uns das gut gelingt, wird man weitersehen.“

          Auf einzelne Tiere setzen, die sich wie etwa der Eisbär „Knut“ als Publikumsliebling erweisen, wollte Niekisch nie. Das wäre in Frankfurt auch nicht so einfach. Denn der Gorillamann „Viatu“, der als Nachfolger von „Matze“ der wohl berühmteste Zoobewohner ist, lässt sich immer noch äußerst selten sehen, wie am Mittwochabend mehrere Zuhörer bemängeln. „Viatu ist sehr ängstlich“, sagt Wilms. „Geben wir ihm doch einfach noch ein bisschen Zeit.“ Solange lockt der Zoo seine Besucher mit Nachwuchs, den es regelmäßig bei den Giraffen, Seehunden und Bonobos gibt. Und Niekisch sucht weiter nach Lösungen. Vielleicht hat er ja auf der Tagung der Zoodirektoren eine Idee.

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