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Frankfurter Zoo : Afrika-Halle statt Giraffengehege

Neue Heimat: Zoodirektor Miguel Casares wünscht sich ein neues, vielleicht sogar gemeinsames Refugium für Zebras und Giraffen. Bild: Marcus Kaufhold

Für den Frankfurter Zoo hat der Sommer gut begonnen. Das Online-Ticket wird genutzt, und es gibt Zuchterfolge. Doch der Direktor ist nicht zufrieden, denn er sieht noch viel Handlungsbedarf.

          Eigentlich könnte Miguel Casares entspannt in die Ferien fahren. Die Pinguinanlage ist eröffnet und lockt viele Besucher an. Bei den Bongos gab es ein Jungtier, ein zweites wird erwartet. Und in den ersten vier Wochen wurden schon rund 2000 der neuen Online-Tickets verkauft. Wirklich zufrieden ist der Zoochef aber nicht. Seit seinem Amtsantritt im Februar vergangenen Jahres hat Casares an einem Zukunftskonzept für den Zoo gearbeitet, und wenn es nach ihm ginge, gäbe es längst viele Baustellen im Zoo. Doch er ist darauf angewiesen, dass die städtischen Gremien ihm grünes Licht für seine Baupläne geben. Dabei drängt die Zeit, viele Tiergehege entsprechen längst nicht mehr den modernen Erfordernissen für die Tierhaltung oder jenen für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kleinere Baustellen soll es schon bald geben. „Wir prüfen gerade die Möglichkeit, am Haupteingang eine zweite Türe einzubauen, um eine ,Fast-Lane‘ für die Online-Ticket-Käufer zu schaffen“, berichtet Casares. Das werde vor allem dann, wenn Hochbetrieb herrsche und sich eine lange Warteschlange bilde, für Entlastung sorgen. Eine Fast-Lane würde er sich auch für die dringend notwendigen Bauprojekte wünschen. Doch der Zoo ist ein städtisches Amt, und so muss jedes Projekt den bürokratischen Bewilligungsweg durchlaufen – und ist zudem abhängig von der allgemeinen Finanzlage der Kommune. Wäre der Zoo eine städtische GmbH, wäre wohl manches einfacher. Direkt dazu äußern will Casares sich nicht. Auf Nachfrage sagt er aber: „Das würde das Einwerben von Drittmitteln deutlich leichter machen.“ Schließlich werde der Zoo allein von der Stadt finanziert. Am Züricher Zoo könne man aber beispielsweise sehen, dass neue Anlagen mit Hilfe von Sponsoren und Landesmitteln viel leichter finanziert werden könnten.

          Karte Das Zoogelände in Frankfurt
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          Die wichtigsten Projekte auf der Liste von Casares sind ein Gebäude für die Versorgung der Pinguine sowie der Robben und eine Aufzugsanlage, die das Exotarium für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer zugänglich macht. Bei den Tiergehegen steht eine neue Außenanlage für die asiatischen Löwen ganz oben auf der Prioritätenliste. Derzeit dürfen Zarina und ihre fast ausgewachsenen 15 Monate alten Drillinge nur getrennt von Vater Kumar ins Freie, weil die Anlage nicht teilbar ist. Zudem müssen die Raubkatzen im Winter meist im Haus bleiben, weil sie bei Eis auf dem Wassergraben entweder einbrechen oder ausreißen könnten.

          Erneuerungen dringend nötig

          Für das neue Außengehege liegen schon Entwürfe vor, und die Zoo-Stiftung hat 70.000 Euro an Spenden eingesammelt. Auch die Planungsmittel dafür sind genehmigt. Die Kosten werden auf 1,3 Millionen Euro geschätzt. Möglichst bald will Casares das Vorhaben angehen. Die Zeit drängt, denn die Haltungsrichtlinien für Großkatzen schreiben vor, dass die Außenanlage bei Bedarf in zwei abgeschlossene Bereiche getrennt werden kann. Das sei eine wichtige Voraussetzung für die Zucht der hochgradig bedrohten Tierart. Ähnlichen Druck gibt es für die Haltung der Giraffen. Auch ihr Gehege entspricht nicht dem Standard, weil die Tiere bei Frost nicht ins Freie können und daher im Winter nicht genügend Auslauf haben. Eigentlich war es schon beschlossene Sache, dass das Giraffenhaus erweitert werden sollte. Nach dem Tod des Giraffenbullen Hatari im Mai aber überlegt Casares jetzt, ob es sinnvoll ist, rund eine halbe Million Euro in das 66 Jahre alte Gebäude zu investieren. Ähnlich alt sind viele Gehege im Südareal.

          Nach Meinung des Zoodirektors brauchen die Greifvögel eine moderne Anlage, ihre jetzige ist fast 150 Jahre alt.

          Stattdessen könnte die Giraffenanlage verschwinden und in einem anderen Bau aufgehen. Möglicherweise in einer großen Afrika-Halle, in der nach dem Vorbild des Menschenaffenhauses Borgori-Wald oder des Gondowana-Lands in Leipzig Tiere aus jenen Regionen präsentiert werden, in denen die Zoologische Gesellschaft Frankfurt aktiv ist. Nach der Vision für die nächsten 15 Jahre, die Casares mit seinen Mitarbeitern und externen Experten sowie der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt erarbeitet hat, sollen die vielen maroden Gebäude neuen Anlagen weichen. „Viele Häuser stammen aus Grzimeks Zeiten, er würde sich hier noch gut zurechtfinden“, sagt Casares.

          Namensverwandte unter sich: eine Nilgans mit einem Nilpferd.

          Dabei gelte für Zoos die Regel, dass Anlagen nach 30, spätestens aber nach 50 Jahren nicht mehr aktuellen Standards entsprächen. Weshalb schon zu Zeiten seines Vorgängers Manfred Niekisch viele Tierhäuser auf eine Neubau-Prioritätenliste gesetzt worden seien. Der diesem zur Verfügung gestellte 30-Millionen-Euro-Etat für die Zeit von 2008 bis 2018 habe jedoch nur für das Ukumari-Land mit der Brillenbären-Anlage, das neue Eingangsgebäude mit der Quarantäne-Station und die Pinguinanlage gereicht.

          Hoffentlich bald glücklicher: Auch die Zebras sollen von den geplanten Modernisierungsmaßnahmen im Frankfurter Zoo profitieren.

          Casares hatte zu seinem Amtsantritt im Februar vergangenen Jahres kein entsprechendes Investitionspaket erhalten, sondern zunächst den Auftrag, ein Zukunftskonzept zu entwickeln. Das soll den Stadtverordneten demnächst vorgestellt werden. Teil dieses Konzepts ist die Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen Zoo und Zoologischer Gesellschaft. Die soll auch im Frankfurt-Coservation-Center stattfinden, für das ein Neubau am Eingang Röhnstraße im Nordosten des Tierparks entstehen soll. Als Ersatz für das dort wegfallende Lokal „Sombrero“ soll möglichst bald mit dem Bau eines Bistros am Spielplatz in der Mitte des Zoos begonnen werden.

          Bis der Zoo modernisiert ist, werden mehr als 15 Jahre vergehen. Umso dringlicher mahnt Casares an, möglichst bald zu beginnen. Denn er fürchtet, dem Frankfurter Zoo könnte es sonst ergehen wie dem in Barcelona. Auch dort sei lange über einen Außenzoo diskutiert worden, zu lange. Nun sei kein Geld für Investitionen da und der Zoo stehe vor dem Aus. Für Casares ist das unvorstellbar. „Unser Zoo ist beliebt, das zeigen die 900.000 Besucher im Jahr, doch wir müssen aufpassen“, mahnt er. Auf manchen Internetportalen gebe es schon negative Bewertungen angesichts der veralteten Anlagen. Darum müssten Erneuerungen jetzt auf den Weg gebracht werden.

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