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Frankfurter Zoo : Pinguin-Paradies aus künstlichem Fels

Fast wie in freier Natur: Felsstrand mit Höhlen für die ersten Bewohner der Pinguinanlage im Frankfurter Zoo Bild: Helmut Fricke

Der Frankfurter Zoo hat eine neue Attraktion: Für 7,5 Millionen Euro ist das neue Pinguin-Gehege fertig gebaut worden. Die Tiere fühlen sich wohl, aber auch die Besucher dürfen staunen.

          Schon ihr Federkleid prädestiniert sie für den diplomatischen Dienst und für hohe Festtage. Ein solcher war nun für die 25 Humboldt-Pinguine im Frankfurter Zoo. Nach zweieinhalb Jahren Bauzeit wurde die für sie gebaute Anlage ihrer Bestimmung übergeben. Das Datum war nicht zufällig gewählt, wie Luis Escalante Schuler, Generalkonsul von Peru und damit Vertreter des Heimatlandes der Tiere, hervorhob. Denn dieser 6. Mai war der 160. Todestag Alexander von Humboldts, dem die Wasservögel von der südamerikanischen Pazifik-Küste ihren Namen verdanken.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          An den Naturforscher zu erinnern und für den Schutz der Natur in der Heimat zu werben, das sei nun die Aufgabe dieser Botschafter des Artenreichtums Südamerikas, die in ihrer neuen Frankfurter Heimat eine besondere Attraktion für die Stadt darstellten, sagte der Diplomat. Er lobte auch das Design des Architekturbüros Liquid & Fay und der Landschaftsarchitektin Ariane Röntz, das ihn an die Landschaft im peruanischen Nationalpark Paracas erinnere. Schuler zeigte sich überzeugt, dass sich die Tiere, die alle aus anderen Zoos stammen, in ihrem neuen Domizil wohl fühlen werden.

          Rund 2000 Quadratmeter umfasst die Anlage am Fuß des Exotarium-Turms und bietet den Tieren einen Wasser-Tummelplatz mit 320 Quadratmetern Oberfläche und 435 Kubikmetern Inhalt. Sie fügt sich quasi nahtlos an die Robbenklippen an und bietet wie diese die Möglichkeit, die Tiere nicht nur von oben, sondern auch durch eine Scheibe von unten im Wasser zu beobachten. Auch wenn fast die Hälfte der 2000 Quadratmeter auf Wege und Stege für die Zuschauer entfällt, so bleibt den Tieren reichlich Platz und vor allem ein großes Angebot an Bruthöhlen und Möglichkeiten des Rückzugs – auch in eine Grotte, die wie der Rest der Anlage aus künstlichem Fels gestaltet wurde. Wenn in den nächsten Monaten auch noch die übrigen der bis zu 40 avisierten Brutpaare auf die Anlage ziehen, dann hofft Zoodirektor Miguel Casares, dass die kleine Kolonie schnell wächst und es reichlich Nachwuchs gibt.

          Humboldt-Pinguin: Neuer Bewohner des Frankfurter Zoos

          Verringerung des Energieverbrauchs im Zoo

          Alle Vertreter der Stadt hoben in ihren Reden hervor, dass die neue Anlage den Zoo für die Besucher attraktiver machen und mehr Besucher anziehen werde. Nach der langen Bauzeit, die unter anderem auf einen Bombenfund und Schäden an Wasserleitungen zurückzuführen war, können die Besucher nun auch wieder den Steg am Weiher nutzen, der sie vom Eingang schneller zum Spielplatz und zum Menschenaffenhaus bringt. Bald wird die Eröffnung der Anlage mit einem Pinguinfest gefeiert. Dort wird ein umfangreiches Programm mit Schaufütterungen, Führungen hinter die Kulissen und Bastelangeboten für Kinder geboten.

          Die Humboldt-Pinguine, die mit dem hiesigen Klima gut zurechtkommen, ersetzen die bisher im Zoo gehaltene kleine Gruppe von Eselspinguinen, die im Exotarium hinter Glas lebten und deren Gehege im Sommer aufwendig gekühlt werden musste. Die neue Anlage, deren Bau 7,5 Millionen Euro gekostet hat, soll damit auch zur Verringerung des Energieverbrauchs im Zoo beitragen. „Energie wird gespart, nicht gespart wurde aber beim Platz, den die Tiere zum Schwimmen, Tauchen und Brüten haben“, sagte Baudezernent Jan Schneider (CDU), dessen Mitarbeiter für die Abwicklung des Baus zuständig waren.

          Finanziert wurde das Projekt aus dem 30-Millionen-Euro-Etat, den die Stadt im Jahr 2008 dem damaligen Zoodirektor Manfred Niekisch bei dessen Amtsantritt zur Verfügung gestellt hatte. Davon wurden außerdem die Brillenbären- und Brüllaffen-Anlage Ukumari-Land und der neue Haupteingang mit der Quarantänestation bezahlt.

          Im Dunst der Imbissbuden

          Der seit 15 Monaten amtierende Zoodirektor Casares hat bisher kein entsprechendes Budget zur Verfügung, sondern lediglich den Auftrag, Zukunftskonzepte zu entwickeln. Dafür steht eine kleinere Summe an Planungsmitteln bereit. Eine Grundsatzentscheidung des Magistrats gibt es bisher nur dafür, das Gebäude am Osteingang durch einen Neubau zu ersetzen, in dem der Zoo zusammen mit der Zoologischen Gesellschaft ein „Frankfurt Conservation Center“ aufbauen soll.

          Die freiwerdenden Flächen der Zoologischen Gesellschaft im Zoogesellschaftshaus sollen dann für das geplante Kinder- und Jugendtheater genutzt werden. Für die Sanierung der überalterten Gehege im Zoo, wie zum Beispiel des Nashorn-Hauses und der Anlagen von Giraffen, Zebras, Pavianen und Raubvögeln indes gibt es zwar schon Ideen, aber noch kein Geld. Zunächst soll ein kompletter Zukunftsplan erarbeitet werden. Wie wünschenswert eine bessere gastronomische Versorgung ist, konnten die Gäste gestern riechen: Die Eröffnung fand im Dunst der Imbissbuden vor den Zooterrassen statt.

          Die neue Anlage werteten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig (beide SPD) gestern als Bekenntnis der Stadt zu ihrem Zoo „im Herzen der Stadt“. Er schaffe damit eine emotionale Bindung vieler Frankfurter Kinder zu den Tieren, deren Lebensraum bedroht sei, sagte Feldmann. Hartwig nannte den Zoo mit seinen jährlich mehr als 800.000 Besuchern das „größte Klassenzimmer der Stadt“. Beide hoben hervor, die Entwicklung des Tiergartens müsse weitergehen.

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