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Frankfurter Zoo : „Matze“-Nachfolger ein schüchterner Kerl

„Viatu” ist neun Jahre alt und soll für viel Nachwuchs sorgen Bild: dpa

Der neue Gorilla-Mann „Viatu“ hat sich im Frankfurter Zoo erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt. Wie ein Medienprofi machte er es ziemlich spannend. Viatu soll Matze ersetzen, der lange das Wahrzeichen des Zoos war, aber eingeschläfert werden musste.

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          Als alle Fernsehkameras aufgestellt und die Fotografen und Journalisten in Position sind, da fehlt nur einer. Der Hauptakteur. Der, um den es an diesem Vormittag einzig und allein geht. Trostlos und leer ist das Gehege, in dem sich der neue Gorilla-Mann „Viatu“ doch eigentlich erstmals der Öffentlichkeit zeigen sollte. Die Seile hängen schlaff von der Decke. Auf dem Boden liegen Äpfel, Kohl und Möhren unangetastet herum.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zoodirektor Manfred Niekisch will gerade erklären, dass man dem Affen etwas Zeit geben müsse. Immerhin sei der Gorilla, der im Zoo in Basel zur Welt gekommen und aufgewachsen sei, zum ersten Mal von seiner Familie getrennt. Das sei keine einfache Situation. Und noch während Niekisch spricht, lugen plötzlich zwei Augen aus einer Luke hervor. „Da ist er“, sagt jemand. „Das muss Viatu sein.“

          Der wohl berühmteste Neubürger der Stadt

          Die Kameras schwenken in Richtung Gehege, die Besucher kämpfen sich zur Scheibe durch, um einen Blick erhaschen zu können auf den wohl berühmtesten Neubürger der Stadt. Die Augen des Affen blicken von links nach rechts, nervös, ängstlich, aber auch neugierig. Dann verschwinden sie wieder in der Dunkelheit. Und alle sind entzückt.

          Eine Tochter hat er schon, wie es heißt, aber Fußball spielt er auch gerne
          Eine Tochter hat er schon, wie es heißt, aber Fußball spielt er auch gerne : Bild: dpa

          Auf den Menschenaffen, der als Nachfolger des berühmten Silberrückens „Matze“ an den Main geholt worden ist, haben viele schon seit Wochen gewartet. Nun ist die Freude groß - wenn auch vorerst nur die Augen des Gorillas zu sehen waren. Seitdem bekannt wurde, dass sich der Zoologische Garten für einen jungen Schweizer als Hausherr des Borgori-Waldes entschieden hat, haben viele schon spekuliert, wie er denn so sei, der neue Mann. Immerhin wird die Geschichte über seine sexuelle Eskapade aus frühen Kindertagen inzwischen nicht nur in Basel, sondern auch in Frankfurt gern erzählt: Der Schlawiner „Viatu“ hatte kaum, dass er geschlechtsreif war, in seinem Baseler Zuhause eine Liaison mit einer der Gorilla-Damen begonnen. Daraus war eine Tochter hervorgegangen. Dieser Vorfall ist insofern bemerkenswert, als dass es „Viatu“ aufgrund der strengen Hierarchie bei Flachlandgorillas noch gar nicht gestattet war, eines der Weibchen zu schwängern. Dieses Vorrecht hat üblicherweise der Silberrücken, also das Leittier. Er war aber offenbar machtlos gegen den Charme des jungen Artgenossen.

          Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), der an diesem Vormittag ebenfalls im Borgori-Wald Schlange steht, um den Neubürger zu begrüßen, bezeichnet den Menschenaffen gar als Schwerenöter, „der mit aller Wahrscheinlichkeit auch in Frankfurt dafür sorgen wird, dass die Einwohnerzahl im Zoo bald steigt“.

          Seit Tagen sind die Gorilla-Weibchen hiebelig

          Darauf mögen auch die Gorilla-Frauen spekulieren. Denn während sich „Viatu“ noch immer ziert und im Verschlag hinter den Kulissen bleibt, werden „Rebecca“, „Julchen“, „Ruby“ und „Diana“ neugierig. Sie setzen sich auf einen erhöhten Vorsprung im Gehege gegenüber, den Kopf weit vorgereckt. „Die wissen ganz genau, was sich hier abspielt“, sagt Tierpfleger Carsten Knott. „Schon seit Tagen sind sie hibbelig.“

          Die Frauen aber müssen warten. In ein gemeinsames Gehege kommen sie und „Viatu“ nämlich erst, wenn sich der neue Borgori-Wald-Bewohner in der unbekannten Umgebung eingewöhnt hat. Und dazu will man ihm alle Zeit der Welt lassen, wie Niekisch sagt. Dass sich „Viatu“ schnell einleben wird, davon ist der Zoodirektor überzeugt. Der Gorilla aus der Schweiz war sein Wunschkandidat, weil er als sehr sozial, einfühlsam und entgegenkommend gilt.

          Und dann plötzlich sind zwei Hände zu sehen. Dann der Kopf, und schließlich tritt „Viatu“ nach fast einer Stunde endlich durch die Luke in das Gehege. Ein stattlicher Gorilla im jugendlichen Alter von neun Jahren. Sein Fell schimmert braun, fast rot. Zum Silberrücken wird er erst, wenn er älter ist und die Hormone ein Übriges tun. Unerwartet leichtfüßig bewegt der Affe seine 138 Kilogramm Körpermasse mal in die eine, mal in die andere Ecke des Raums. Er inspiziert eine mit Ästen bemalte Wand, schnuppert an einem Seil, dann nimmt er eine Karotte vom Boden auf und kaut darauf herum. Die Neugierde auf die neue Umgebung war offenbar doch größer als die Scheu.

          Nach wenigen Minuten hat sich „Viatu“ offenbar an den Rummel um seine Person gewöhnt. Er stupst einen Fußball an, der in einer Ecke liegt, und wirft einen ersten Blick direkt in die Kameras. Dann setzt er sich hin, dreht dem Publikum den Rücken zu und schaut verschmitzt über die Schulter. Und schon kommen erste Vermutungen auf, dass „Viatu“ es seinem Vorgänger und achtzehnfachen Vater „Matze“ nicht nur in Sachen Nachwuchs gleichtun werde, sondern auch auf dem besten Weg sei, ein ebenso versierter Medienprofi zu werden. Ein Star ist der Gorilla jedenfalls schon jetzt.

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