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Frankfurter Zoo : Ob Löwe, Gorilla oder Frosch - Zoo-Nachzucht soll Arten erhalten

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Ein neuer Löwe für den Frankfurter Zoo: Nachdem Kashi (Foto) mit fast 18 Jahren eingeschläfert wurde, zieht Kumar in das Gehege ein. Bild: Helmut Fricke

Für den „König der Tiere“ kommt sogar der Oberbürgermeister zur Begrüßung. Der neue asiatische Löwe „Kumar“ im Frankfurter Zoo steht für die Hoffnung auf Nachwuchs im Katzendschungel. Klappt das, ist es auch ein Erfolg für die Erhaltungszucht.

          Stimmt die Chemie zwischen Zoo-Neuzugang „Kumar“ und dem Löwenweibchen „Zarina“? Das hofft nicht nur der Frankfurter Zoodirektor Manfred Niekisch. Denn ein Wurf tapsiger Löwenbabies würde nicht nur Zoo-Besucher entzücken, sondern wäre ein Erfolg für den Erhalt asiatischer Löwen, nachdem der Löwe „Kashi“ im Juli im stattlichen Alter von fast 18 Jahren eingeschläfert werden musste.

          Asiatische Löwen, ein wenig kleiner und mit etwas spärlicherer Mähne ausgestattet als ihre afrikanischen Vettern, gelten als stark gefährdet. Nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF gab es Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch etwa 20 wild lebende Tiere. Seit die Jagd verboten wurde, hat sich die Art ein wenig erholt, doch der geringe Bestand führte zu Inzucht und einem Verlust genetischer Vielfalt.

          Ausgestorben in Afghanistan, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Pakistan, Palästina, Saudi Arabien, Syrien und der Türkei leben die letzten wilden asiatischen Löwen im indischen Nationalpark Gir Forest. Damit sind sie ein klassischer Fall für die „Arche Zoo“, für die Nachzucht gefährdeter und bedrohter Tierarten in den Zoos weltweit. Seit 1994 besteht das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für Asiatische Löwen.

          Bewahrung vor dem Aussterben

          Mittlerweile gibt es mehrere hundert Tierarten, die auf dieses Weise vor dem Aussterben bewahrt werden sollen. Während natürliche Lebensräume durch menschliche Siedlungen oder Auswirkungen des Klimawandels schrumpfen, während Wilderer eine anhaltende Bedrohung darstellen, sind Zoos längst nicht mehr ein Ort, wo möglichst viele exotische Tiere zum Bestaunen gesammelt werden, sondern werden wissenschaftlich geführt.

          In Frankfurt etwa wird das Internationale Gorilla-Zuchtbuch geführt, aber auch die Zuchtprogramme für Schlanklori, Socorrotaube oder Nashornleguan. „Der Zuchtbuchführer hat die Art mit allen Individuen im Computer und kann dann mit ziemlich komplizierten Programmen feststellen, welche Tiere nicht miteinander verwandt sind“, erläutert Niekisch. „Die Tiere, deren Gene am wenigsten in der Zoopopulation vertreten sind, die stehen dann auf Rang eins.“

          Derzeit befindet sich die Organisation der Zuchtprogramme in der Umgestaltung: Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) und das Europäische Zuchtbuch (ESB) werden zusammengeführt. „Es macht keinen Sinn, die getrennt zu führen“, meint Niekisch.

          Unterschieden wird hingegen zwischen „ex situ-Programmen“, der Zucht außerhalb des natürlichen Lebensraums der Tiere, und den - deutlich selteneren - Zuchtprogrammen, die langfristig eine Wiederauswilderung anstreben.

          So hat der Opel-Zoo, der das Internationale Zuchtbuch für Mesopotamische Damhirsche führt, einige seiner Tiere in einen israelischen Zoo gebracht. Die Nachkommen dieser Tiere sollen in einem israelischen Naturschutzgebiet ausgewildert werden.

          Frankfurter Tauben sollen in natürlichen Lebensraum zurückgeführt werden

          Auch für die Frankfurter Socorrotauben soll ein Weg zurück in die Wildnis führen. „Das ist aber nur sinnvoll, wenn die Ursachen, die zum Aussterben der Art geführt haben, beseitigt sind“, betont Niekisch. Daher würden zunächst ältere, nicht mehr fortpflanzungsfähige Vögel zurück auf die Insel vor Mexiko ausgewildert, die die ursprüngliche Heimat der Tiere ist.

          „So kann man erst mal sicherstellen, dass auf der Insel alle Katzen ausgerottet sind“, sagt Niekisch. „Die Population ist so klein und vermehrungsfähige erwachsene Tiere sind höchst wertvoll. Ein Tier, dass nicht mehr zuchtfähig ist und vielleicht noch von einer Katze dort gefressen wird - das ist dagegen keine große Katastrophe.“

          Anders als Löwen, Nashörner oder Gorillas sind die Tauben weder berühmt noch spektakulär - ein Schicksal, das sie mit anderen bedrohten, von Zoobesuchern aber leicht übersehenen Arten teilen. „Der Antillen-Ochsenfrosch - der haut keinen Besucher vom Hocker, aber der ist eben bedroht und deswegen hat er es verdient, in so einem Zuchtverbund zu sein“, nennt Niekisch ein weiteres Beispiel.

          Rothschild-Giraffen als Highlight für Zoo-Besucher

          Thomas Kauffels, Direktor des Opel-Zoos, spricht deshalb von eine Mischkalkulation, die Zoodirektoren zu berücksichtigen haben: „Um Artenschutzaufgaben erfüllen zu können - zum Teil mit Tieren, die für Besucher unscheinbar oder gar hässlich sind - muss man was bieten“, sagt Kauffels, der auch Vorsitzender des Europäischen Zooverbands ist. So würden etwa in der Savannenlandschaft des Kronberger Zoos neben den in der Wildnis reichlich vorhandenen Impalas, Zebras oder Gnus die bedrohten Rothschild-Giraffen gehalten.

          Der Opel-Zoo sei Experten bekannt wegen seiner Erfolge beim Erhalt des Mesopotamischen Damhirsches, aber: „Wenn Sie ein Kind fragen, was es im Zoo sehen will, dann kommt da als Antwort nicht Mesopotamischer Damhirsch oder Europäische Moorente, sondern Löwe, Elefant, Giraffe“, räumt Kauffels ein.

          Allerdings kann die Nachzucht bedrohter Arten mitunter auch daran scheitern, dass sich die potentiellen Partner einfach nicht ausstehen können. Vor einem solchen Dilemma steht Niekisch gerade bei den Tigern. Neuzugang „Vanni“ etwa stößt beim Frankfurter Tigerweibchen „Malea“ auf keine Gegenliebe. Zudem ist Malea bereits zu alt für Nachwuchs.

          „Da muss man dann überlegen, wo gibt es denn einen Zoo, wo ich ein junges weibliches Tier kriege, mit dem es vielleicht besser klappt“, sagt Niekisch. „Man hat ja nicht die Garantie, dass die Tiere sich von vornherein mögen.“

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