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Frankfurter Zoo : Ein Platz für „Oskar“ und Co.

„Oskar” Mitte September 2008: Hand der Pflegerin gibt Halt Bild: dpa

Die Tierpfleger im Frankfurter Zoo sind rund um die Uhr beschäftigt. Ihre Schützlinge wollen gefüttert und gepäppelt werden, die einen mögen es warm, die anderen kalt, die einen trocken, die anderen feucht.

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          Die Küche von Gerd Fuchs ist klein. Sehr klein. Auf der Ablage an der Wand stapeln sich Möhren, Kohlrabi und Blumenkohl. Fuchs steht in dem schmalen Durchgang im Giraffenhaus und schimpft. Das sei eigentlich gar keine Küche, sagt er. Eher ein Abstellraum. Und wie immer, wenn er das sagt, tröstet ihn Zoodirektor Manfred Niekisch auch diesmal mit der Aussicht, dass er doch bald eine größere Küche bekommen werde.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es ist halb zwölf: Mittagszeit. Fuchs, der als Revierpfleger für die Giraffen zuständig ist, rührt das Futter an. Es gibt Kleie mit Mineralstoffen, dazu wird geschnippeltes Gemüse gereicht. Etwa 25 Kilogramm Futter bekommt jedes Tier. In großen Säcken lagert es eingefroren in der Futterkammer. Bloß nicht zu viele Pellets, sagt Fuchs, „denn dann bekommen die Tiere die Scheißerei“. In sanftem Galopp nähern sich „Atari“, „Chira“, „Shani“ und „Monique“, recken ihre langen Hälse über den Zaun. Mit ihren großen Augen mit den langen Wimpern sehen sie auf einmal ganz sanftmütig aus.

          Streng riechende Flüssigkeit

          So gut wie Gerd Fuchs seine Giraffen kennt jeder Tierpfleger im Zoo seine Schützlinge – und sorgt entsprechend für sie. Während die Besucher die verschiedensten Lebensräume der Bewohner erkunden, sind die Tierpfleger fast pausenlos im Einsatz. Jeden Morgen reinigen sie die Gehege, bereiten dann das Futter vor oder kümmern sich um Nachwuchs, der von Hand aufgezogen werden muss. Viele Besucher wüssten gar nicht, wie viel Arbeit hinter den Kulissen eines Zoos verrichtet werde, meint Zoodirektor Niekisch. „Aber es ist enorm.“

          So hat auch im Grzimek-Haus die Tierpflegerin Astrid Parys alle Hände voll zu tun. Sie ist die Ziehmutter des Faultiers „Oskar“, das nach der Geburt von seiner Mutter nicht aufgezogen werden konnte und deshalb die ersten Monate in einem etwa vier Quadratmeter großen Verschlag ganz in der Nähe von Parys’ Büro verbringt. Im Gehege gegenüber sind Kaisertamarine untergebracht. Astrid Parys nimmt eine Schale mit gekochtem Gemüse aus der Küche mit. Bevor sie das Gehege betritt, streift sie ihre Schuhsohlen gründlich auf einer Art Fußmatte ab, die in einer Wanne mit streng riechender Flüssigkeit liegt. „Zum Desinfizieren“, sagt Parys. „Damit hier keine unerwünschten Keime eingeschleppt werden.“

          Einer Höhle nachempfunden

          Hinter den Kulissen ist das Grzimek-Haus eine merkwürdige Konstruktion. Unter den Schauräumen laufen lange schmale Gänge in die Erde hinab, wie ein Labyrinth. Praktikanten verirrten sich hier regelmäßig, erzählt Parys. An den Wänden sind deshalb Zahlen angebracht – zur Orientierung. Auch die Heizung des Hauses ist hier untergebracht, für jeden Abschnitt gibt es ein eigenes System, und am tiefsten Punkt steht das Herzstück: ein 30 Jahre alter Kessel, der dafür sorgt, dass in den Schauräumen mit ihren zum Teil sehr empfindlichen Bewohnern immer die richtige Temperatur herrscht. „Der Kessel ist eigentlich reif für das Museum“, meint Parys. Auf dem neusten Stand der Technik ist er jedenfalls nicht: Er wärmt die einströmende Luft auf, dann kühlt er sie wieder ab. Im neuen Nachttierhaus soll das alles viel ökonomischer ablaufen – „das ist schon mal klar“, sagt Direktor Niekisch.

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