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Frankfurter Zoo : Das geht auf keine Nilpferdhaut

  • -Aktualisiert am

In trüber Brühe: Nilpferdkuh Petra hat wenig Platz - und keine Gesellschaft. Bild: Cornelia Sick

Das Hippo-Gehege im Frankfurter Zoo ist zu klein. Es kommen Zweifel an der artgerechten Haltung des Tieres auf. Die Suche nach einem neuen Zuhause dauert an.

          Nilpferd sein ist schwer. Das liegt bei einem Gewicht von bis zu vier Tonnen in der Natur der Sache. Im Frankfurter Zoo werden die Dickhäuter aber einer ärgerlichen, weil unnötigen Zusatzbelastung ausgesetzt: Das Hippo-Gehege ist für seine einzige Bewohnerin, die Flusspferd-Dame Petra, deutlich zu klein und erschreckend trostlos. Meist dümpelt die Nilpferdkuh reglos in ihrem vier mal vier Meter kleinen Wasserbecken. Oft ist in der dreckigen Brühe nur die dunkelgraue Rundung ihres Rückens zu sehen. Insgesamt ist das Freigehege kaum zehn mal zehn Meter groß, eine kleine Sandfläche hinter dem Becken, ansonsten befestigter Untergrund.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als „Großmaul mit Tiefgang“ wird das einzige Nilpferd im Zoo vorgestellt. Diese riesigen, im Bestand gefährdeten Verwandten der Schweine verbringen den Tag am liebsten im Wasser, um sich vor der Hitze zu schützen und einen Sonnenbrand zu vermeiden. Augen, Ohren und verschließbare Nasenlöcher liegen so am Schädel, dass die Tiere die Umgebung mit allen Sinnen wahrnehmen können, während der Körper untergetaucht bleibt. Weil Nilpferde ihren Kot im Wasser absetzen, bietet das Tauchbecken stets ein unangenehmes Bild. Die Tiere fühlten sich in ihrer „Brühe“ dennoch wohl, heißt es vom Zoo.

          Artgerechte Haltung im Zoo?

          Petra macht sich in der brütenden Sommerhitze keinen unnötigen Stress. Nur alle paar Minuten reckt sie die Nase aus dem Wasser, um zu atmen, danach taucht sie schnell wieder nahezu vollständig ab. Bis zu einer Viertelstunde kann ein „Hippopotamus amphibius“ ohne Sauerstoffzufuhr bleiben.

          Flusspferde in freier Wildbahn ruhen tagsüber in Gruppen von zehn bis 30 Tieren im Wasser, an Ufern und auf Sandbänken. Am Abend lösen sich die Verbände auf, und die Tiere begeben sich in ihre Weidegründe an Land. Sie leben zwar hauptsächlich im Wasser, sind aber keine Schwimmer, sondern lassen sich vom Wasser tragen oder laufen auf dem Grund. Dass unter den derzeitigen Bedingungen im Zoo keine artgerechte Haltung möglich ist, ahnen schon die jüngsten Besucher, die sich voller Mitleid und Bedauern über die Lebensbedingungen des dicksten Zoobewohners äußern. „Mama, warum hat das Nilpferd so ein kleines Becken?“, fragen sie, oder: „Papa, warum ist das Wasser so dreckig?“

          Tod durch Fremdkörper im Magen

          Nebenan, im angrenzenden Flusspferdhaus, sieht es noch trister aus. Gekachelte Wände, Steinfußboden, künstliches Licht. Das Gebäude ist ein klarer Fall für die Abrissbirne, die nur deshalb bisher nicht zum Einsatz gekommen ist, weil das Geld für einen Neubau fehlt. Flusspferde leben in Haremsgruppen. Dass Petra allein haust, muss Tierfreunde schmerzen. Paarungszeit für Flusspferde ist das ganze Jahr über. Schön und gut, aber mit wem? Die Anlage ist nicht groß genug für ein weiteres Tier, und Petra zu alt, um in einem anderen Zoo ein neues Zuhause zu finden.

          Andererseits: Das Leben im Tierpark ist wohl nicht das schlechteste. Flusspferde können im Zoo 60 Jahre und mehr leben, ein Alter, das sie in der Natur kaum erreichen. Gejagt werden die Kolosse im Tiergarten zwar nicht, doch gibt es selbst dort Feinde: gedanken- und skrupellose Besucher. Ein größeres Gehege würde auch die auf Abstand halten. Im August 2014 musste Petras Lebenspartner Maikel sterben, weil sein Magenausgang verstopft war. Der 39 Jahre alte Nilpferdbulle hatte einen Tennisball verschluckt, der ihm in das Gehege oder sogar direkt ins Maul geworfen worden war. „Das Verschlucken von Fremdkörpern oder ungeeigneten Lebensmitteln kann unsere Tiere sehr krank machen, im schlimmsten Fall töten“, heißt es seitdem auf dem Hinweisschild am Zaun des Geheges.

          Damals kündigte der frühere Zoodirektor Manfred Niekisch an, ein neues Zuhause für Flusspferd-Witwe Petra zu suchen, und übte auch generelle Kritik. „Unsere Flusspferd-Haltung ist schon seit langem nicht gut.“ Das 1976 auf Mallorca geborene Tier allein zu halten sei nicht artgerecht, einen Gefährten in das kleine Gehege zu holen sei aber ein zu großes Risiko. Das habe mit Maikel nur funktioniert, weil die beiden schon 30Jahre lang zusammen gewesen seinen. Gemeinsam zeugten die beiden Dickhäuter fünf Junge, durchaus ein Zeichen für Wohlbefinden. 20 Flusspferde wurden insgesamt seit 1950 im Frankfurter Zoo geboren und an andere deutsche und europäische Tiergärten abgegeben.

          Flusspferde sind langlebig und gehören zu den Publikumslieblingen. Schon Lieschen, das erste in Frankfurt vorgestellte Flusspferd, wurde 46 Jahre alt. Sie kam ungefähr zweijährig im Jahr 1896 an den Main und starb 1940. Petra ist noch ein paar Jahre jünger, und man möchte ihr, trotz der wenig erfreulichen Lebensumstände, ein langes Dasein wünschen. Im besten Fall so lange, dass sie noch ein schöneres Gehege erlebt.

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