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Weihnachtsbeleuchtung : Ohne Sterne über der Zeil

Schön, aber empfindlich: Die leuchtenden Schneekristalle über der Zeil haben nur vier Winter lang gehalten. Bild: Maximilian von Lachner

Die größte Frankfurter Einkaufsstraße muss dieses Jahr wieder ohne Weihnachtsbeleuchtung auskommen. Am Willen fehlt es nicht.

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          Nicht mehr lang, dann geht das große Schmücken der Frankfurter Einkaufsstraßen los. Doch was in immer mehr Geschäftsquartieren der Stadtteile – auch wegen eines städtischen Zuschussprogramms – gelingt, klappt auf der Zeil wieder nicht. Es ist der dritte Winter in Folge, dass die Fußgängerzone ohne Weihnachtsbeleuchtung bleibt. Dunkel bleibt es deswegen nicht – dafür sorgen schon die ständigen Lichter über der Zeil und die Kaufhäuser, die sich zurzeit weihnachtlich herausputzen. Gleichwohl ist es kein gutes Signal, das die Einkaufsstraße aussendet.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dabei hatten die Anlieger viel vor, als sie vor sieben Jahren noch einmal tief in ihren Topf für die Modernisierung der Zeil griffen und der Fußgängerzone für 250.000 Euro eine festliche Überspannung mit Lichtervorhängen, Schneekristallen und Sternen spendierten. Die Stadt gab 50.000 Euro dazu, doch die Beleuchtung entpuppte sich als recht empfindlich, bereits nach vier Jahren waren die meisten Lämpchen defekt, eine Reparatur wäre zu teuer gekommen.

          Die MyZeil leuchtet

          Seitdem suchen die Anlieger nach einer Ersatzlösung. „In einer Weltstadt wie Frankfurt gehört die Innenstadt beleuchtet“, sagt Marcus Schwartz, Center-Manager im Einkaufszentrum MyZeil, das jedes Jahr 120.000 Euro für das Auf- und Abhängen der hauseigenen Weihnachtsbeleuchtung ausgibt. Doch es ist weiterhin nicht klar, wer überhaupt für die Zeil und die vielen dort ansässigen Ketten spricht. Der Verein Neue Zeil, hinter dem das Unternehmen Faja Immobilien steht, läuft seit längerem auf Sparflamme. Häuser wie Kaufhof und MyZeil sind nur noch passive Mitglieder und zahlen keine größeren Beiträge mehr ein. Der Verein selbst spricht von 20 Mitgliedern, nennt aber keine Namen.

          Immerhin ist es dem Verein in diesem Jahr gelungen, „einen namhaften Betrag“ für die Weihnachtsbeleuchtung auf die Beine zu stellen, wie es auf Anfrage heißt. Man sei „aktiv“ auf die Stadt zugegangen und habe „zahlreiche Gespräche“ geführt. Doch neben „den finanziellen Aspekten“ müssten weitere Punkte geregelt werden. In diesem Jahr könne daher keine Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt werden.

          Finanzhilfe für Gewerbevereine und Standort-Initiativen

          Wie hoch der „namhafte“ Betrag ist, sagt der Verein nicht. Doch reicht er nicht aus, um den Eigenanteil zu decken, den die Geschäftsleute für eine Weihnachtsbeleuchtung aufbringen müssten. Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr zeigen, dass dafür 100.000 Euro nötig wären. Über ein Pilotprojekt, das das Wirtschaftsdezernat unter Markus Frank (CDU) 2016 gestartet hat, würde die Stadt 30 Prozent der Anschaffungskosten tragen, maximal 25.000 Euro. Die Montagekosten werden zur Hälfte von der Wirtschaftsförderung übernommen. Für die Lagerung der Lichter und das Anbringen der Lichter sind die Händler jedoch selbst verantwortlich – ein Knackpunkt für die Zeil-Anlieger, die für dieses Jahr keinen Zuschuss-Antrag gestellt haben. Sie sehen die Gesamtverantwortung und die Umsetzung bei der Stadt.

          Die Organisatoren in den Stadtteilen haben dagegen beherzt zugegriffen. Zwölf Gewerbevereine und Standort-Initiativen haben die städtische Förderung inzwischen in Anspruch genommen. Einige Straßen sind nun zum ersten Mal erleuchtet, andere haben die bestehende Weihnachtsbeleuchtung mit den neuen, einheitlichen Motiven aufgestockt.

          „Wir sind durchaus daran interessiert, dass auch die Zeil das Projekt mitträgt“, sagt eine Sprecherin des Dezernats. Aber eine Extrabehandlung der Zeil sei gegenüber den kleinen Gewerbevereinen nicht zu rechtfertigen. Die Sprecherin stellt klar: „So ein Projekt ist mit Kosten und Verantwortung verbunden.“ Die Stadt brauche einen festen Ansprechpartner.

          Wie das Problem bis zum nächsten Jahr gelöst werden kann, muss sich zeigen. Ein Weg könnte die Finanzierung aus Mitteln der Tourismusabgabe sein. Darüber werden in diesem Jahr erstmals drei Frankfurter Brücken und die Pergola an der Schirn weihnachtlich erleuchtet.

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