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Kirche in Corona-Krise : Gottesdienst in Jogginghose

Nicht nur erlaubt, sondern erwünscht: Jogginghose im Gotteshaus Bild: Screenshot F.A.Z

Der Frankfurter Stadionpfarrer Eugen Eckert hat sich eine ungewöhnliche Form der Andacht ausgedacht. Er ist Mitbegründer des ersten evangelischen „Workout-Gottesdienstes“ in Deutschland.

          3 Min.

          Mountain Climbers vor dem Altar sind ungewohnt. Aber das gilt für Sportmatte, Leggins und Turnschuhe auch. 35 Sekunden lang federt die junge Frau im Liegestütz mit den Beinen vor und zurück. Wenig Bewegung im Oberkörper, saubere Ausführung. Rechts auf dem Bildschirm laufen auf einem roten Timer die Sekunden runter. Dann kommen Plank Holds an die Reihe, ein junger Mann in kurzer Hose hält sich 35 Sekunden im Unterarmstütz.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was da seit dem 19. April auf Youtube abrufbar ist und seitdem von knapp 2300 Leuten geklickt wurde, ist laut evangelischer Kirche der erste evangelische „Workout-Gottesdienst“ in Deutschland. 51 Minuten lang wechseln sich die Themen Kirche und Sport ab. Auf Psalmen, Predigt und Fürbitten folgen Burpees, Hampelmänner und Crunches. Die Übungen sind zum Mitmachen gedacht. Das Ganze läuft unter dem Titel „Gott golft, Jesus joggt und Paulus pumpt“.

          Eine spannende Schnittstelle

          Einer der Ideengeber des neuen Formats, das während der strengen Corona-Beschränkungen samt Verbot öffentlicher Gottesdienste entstanden ist, heißt Eugen Eckert. Frankfurter Fußballfans kennen ihn als Stadionpfarrer. Die Arbeit dort macht eine Hälfte seiner Stelle aus. Die andere Hälfte bestreitet der 66 Jahre Theologe als Referent für Sport in der Evangelischen Kirche in Deutschland. Er hat auch schon Marathon-Gottesdienste organisiert und sagt: „Das Zusammenbringen von Sport und Kirche ist relativ neu. Aber Sport und Kirche, das ist eine spannende Schnittstelle.“ Gerade Jüngere ließen sich eher für liturgische Texte und Gebete begeistern, wenn sie sich zwischendurch auch bewegen dürften.

          Entstanden ist das Video der Workout-Andacht an mehreren Drehorten. Aus der Frankfurter Stadionkapelle hat Pfarrer Eckert am Keyboard vier Songs für den Gottesdienst beigesteuert. Außerdem finden sich längere Szenen aus den Stadionkapellen in Berlin und Gelsenkirchen, ein Beitrag von Olympiapfarrer Thomas Weber aus Gevelsberg, ein Einspieler des Sportwissenschaftlers Stefan Schneider aus Köln – und natürlich die Übungen. Alle Szenen hat eine Kollegin von Eckert zu dem kompletten Video geschnitten.

          Viele Protestanten zusammengebracht

          In der Bibel spielt Sport keine Rolle. Das erzählt Wissenschaftler Schneider in einer Sequenz des Online-Gottesdienstes. Als einzige Stelle, an der Sport explizit genannt werde, nennt er den 1. Brief des Apostels Paulus an die Korinther. In Kapitel neun heißt es da unter anderem: „Wisst ihr nicht: Die im Stadion laufen, die laufen alle, aber nur einer empfängt den Siegespreis? Lauft so, dass ihr ihn erlangt.“ Schneider hat außerdem mit Hilfe der Evangelien ausgerechnet, dass Jesus in den ersten acht Monaten seiner „dreijährigen messianischen Wirksamkeit“ annähernd 1100 Kilometer durch Israel gewandert ist – also viel in Bewegung war.

          Die Sporteinheiten werden von acht jungen Leuten bestritten. Jeder Workout-Teil umfasst sechs Übungen à 35 Sekunden. Zuvor werden sie zehn Sekunden lang gezeigt, damit sie auch sportlich wenig versierte Leute nachmachen können. Die jungen Vorturner kommen aus der Sportjugend Grafschaft Bentheim und der Evangelischen Jugend Nordhorn. Das Projekt hat viele Protestanten aus der Republik zusammengebracht, wie Eckert erzählt. Die Kommentare unter dem Youtube-Video sind fast alle positiv. „Richtig genial! Haben zusammen als Jugendgruppe über Zoom Gottesdienst gefeiert“, schreibt ein junger Nutzer namens Jakob.

          Planks, Lunge Splits, Kniebeugen – nicht für jeden, der an dem Workout-Gottesdienst teilnehmen wollte, war das Programm zu schaffen. Eckert sagt, er habe etwa die Hälfte der Übungen absolvieren können, seine Frau vier Fünftel und sein Sohn alle. „Wir verwenden den Gottesdienst auch weiterhin für unser Workout zu Hause“, berichtet der Pfarrer. Erfreut hat er registriert, dass zwei große Sportverbände die Idee der Evangelischen Kirche sehr positiv aufgenommen hätten. So habe der Deutsche Fußball-Bund den Gottesdienst für sein eigenes Online-Angebot übernommen. Und der Deutsche Olympische Sportbund bewerbe das Projekt.

          Für Pfingsten ist eine zweite Version geplant. Die meisten Dreharbeiten sind erledigt, jetzt muss das Ganze wieder zusammengeschnitten werden. Am Pfingstsamstag soll der Link auf Youtube dann funktionieren. Weil die Übungen für einige beim ersten Mal zu schwer waren, hat sich das Team etwas Neues überlegt: Es wird einfachere Einheiten geben. Zu leicht wird es aber nicht. Eckert sagt: „Es soll wieder ein herausfordernder Gottesdienst werden.“

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