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Frankfurter Verkehrspolizei : Mit dem E-Bike im Einsatz gegen Falschparker

  • -Aktualisiert am

Knöllchen: Ein Frankfurter Verkehrspolizist verteilt einen Strafzettel für einen Falschparker. Bild: Bäuml, Lucas

Mehr als 45.000 Fahrradfahrer am Tag zählte Frankfurt im vergangenen Jahr. Um deren Belange durchzusetzen, nehmen städtische Verkehrspolizisten ihre Perspektive ein – indem sie selbst in den Sattel steigen.

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          Manchmal, wenn Pascal Schulze das Büro verlässt, bleibt die blau-weiße Polizeimütze auf seinem Tisch im Pausenraum liegen. Stattdessen setzt er einen weißen Fahrradhelm auf und verschließt ihn unter dem Kinn. Nun weilt seine amtliche Kopfbedeckung mit Fensterblick neben Schulzes Brotdose, zwischen Stiften und Zetteln, darüber hängt eine Wimpelkette mit Deutschlandfahnen.

          Schulze, der seinen echten Namen nicht in der Zeitung lesen will, geht in den Innenhof des Dienstgebäudes der städtischen Verkehrspolizei an der Konstablerwache. Dann setzt er sich auf das schwarze Elektro-Fahrrad mit der Nummer 12. Es ist sein Dienstfahrzeug.

          Schulze ist einer der Beamten der städtischen Verkehrspolizei, die nicht nur mit dem Auto, sondern oft auch mit dem Fahrrad unterwegs sind. So sollten sie die Perspektive der Fahrradfahrer einnehmen und deren Belange in der Stadt durchsetzen, sagt Markus Kalb, der stellvertretende Leiter der Verkehrspolizei. Denn Fahrradfahren wird in der Stadt immer populärer: 2018 ist die Zahl der Radler, die jährlich vom Straßenverkehrsamt gezählt werden, um drei Prozent auf mehr als 45.000 am Tag gestiegen. „Es gibt immer mehr Fahrradfahrer auf Frankfurts Straßen“ sagt Kalb: „Für sie muss immer mehr Raum geschaffen werden.“

          20 Kilometer Dienstroute

          Wenn Pascal Schulze privat auf den Sattel steigt, zieht es ihn nicht in die Stadt. Er unternimmt gerne lange Touren, etwa von München nach Frankfurt oder von Frankfurt nach Amsterdam. Eine leichte Übung sind da für ihn die knapp 20 Kilometer seiner Dienstroute: Sie führt ihn von der Konstablerwache über den Main bis zum Walther-von-Cronberg-Platz und von dort die Offenbacher Landstraße hinunter und anschließend auf der anderen Straßenseite die gleiche Strecke zurück. Dabei achtet er besonders auf die abgestellten Autos.

          Der Fahrradfahrerin, die vor ihm bei Rot über die Ampel fährt, ruft er lakonisch „Es ist rot“ hinterher, bleibt aber an der Kreuzung stehen und wartet geduldig die drei Minuten, bis die Ampel auf Grün wechselt. Denn in den fließenden Verkehr, so erläutert sein Chef Kalb später, greifen städtische Verkehrspolizisten nur in Ausnahmefällen ein.

          Am Mainkai kontrolliert Pascal Schulze zwei Männer, die zu zweit auf einem E-Scooter gefahren sind.

          Wenn jedoch ein Fahrzeug einen Fahrradstreifen blockiert oder auf einem Fußgängerweg parkt, dann steigt Schulze, der sich nach eigenen Worten nicht daran erinnern kann, schon einmal bei Rot über die Straße gegangen zu sein, von seinem Fahrrad ab. Mit einem Schlüssel, den er aus einer Hosentasche hervorholt, schließt er den kleinen schwarzen Kasten auf, der auf seinen Gepäckträger geschnallt ist. Aus ihm nimmt er einen etwa Din-A4-großen, eine Handbreit dicken schwarzen Kasten – das Datenerfassungsgerät. Er hält es in beiden Händen vor seinem Oberkörper und tippt in die Tasten: Kennzeichen, Ort, Vergehen.

          Sobald er fertig ist, kommt aus der linken Seite des Geräts ein Beleg – das Knöllchen. Schulze faltet es zweimal und klemmt es in einen Spalt im Scheibenwischer des Falschparkers. „Wir dürfen den Bon nicht zwischen Scheibe und Scheibenwischer klemmen, denn das könnte eine Sachbeschädigung sein.“ Dann steigt er wieder auf seinen Drahtesel und radelt weiter.

          „Ich habe eine Vorbildfunktion“

          Einige der Autos, die er heute aufschreibt, kennt Schulze schon. Der Audi zum Beispiel steht jeden Tag auf dem Walther-von-Cronberg-Platz, ihm gibt Schulze das obligatorische Knöllchen, denn hier darf nur mit Ausnahmegenehmigung geparkt werden. Ihm fällt aber etwas Besonderes auf: Der TÜV ist schon seit mehr als zwei Monaten abgelaufen. Das gibt ein zweites Knöllchen und sogar ein Beweisfoto. Dieser Strafzettel kommt dann in eine kleine Plastiktüte. „Nicht, dass der Besitzer des Fahrzeugs später sagt, der Regen hätte es unlesbar gemacht“, sagt Schulze. Fast schon pedantisch kontrolliert er anschließend, ob sein Fahrradkoffer wieder abgeschlossen ist.

          Häufig trifft Schulze Wagen von Paketdiensten auf den Radwegen an. Doch mit ihren Fahrern hat er kein Mitleid: „Die Stadt hat wenig Parkraum, aber dass man sich so hinstellt, dass ein Unfall entsteht, dafür habe ich kein Verständnis.“

          Es sei ein ruhiger Tag, sagt Schulze. Am Ende der Offenbacher Landstraße macht er eine kurze Pause, trinkt einen Schluck aus einer Wasserflasche und zündet sich eine Zigarette an. „Wenn der Audi auf dem Rückweg noch da steht, kann ich das Bußgeld erhöhen“, sagt er. Den Zigarettenstummel steckt er in die Hosentasche. „Ich habe eine Vorbildfunktion.“ Außer den beiden Hagebuttenbüschen am Straßenrand hat ihn niemand gesehen.

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