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Frankfurter Verkehrspolitik : Wie lange bleibt der Mainkai noch autofrei?

Reger Verkehr? Der nördliche Mainkai ist seit vergangenem Sommer für Autos gesperrt. Bild: Marina Pepaj

Die Diskussion in der Frankfurter Verkehrspolitik reißt nicht ab: Wie soll weiter mit der Sperrung des nördlichen Mainufers vorgegangen werden? Der Verkehrsdezernent will dort weiter keine Autos sehen.

          2 Min.

          Ginge es nach dem Willen von Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, würde das nördliche Mainufer zum Sommer 2021 endgültig für den Autoverkehr gesperrt. Für immer. Der SPD-Politiker ist überzeugt, dass der Straßenabschnitt ohne Kraftfahrzeuge dazu beitragen kann, die Attraktivität der Innenstadt zu steigern. Der einjährige Verkehrsversuch sei mitnichten gescheitert.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das hat Oesterling im Gespräch mit der F.A.Z. noch einmal bekräftigt. Er habe jedoch nicht die Entscheidungsfreiheit, an der probeweisen Sperrung des knapp einen Kilometer langen Uferstraßenabschnitts zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke über den August dieses Jahres hinaus noch festzuhalten. Vielmehr werde der Verkehr auf der Straße Ende August, Anfang September, wenn eigentlich das Museumsuferfest beendet sein würde, wieder zugelassen.

          Diskussion unfreiwillig losgetreten

          Oesterling kündigt an, seine Partei werde die Sperrung deshalb zum Wahlkampfthema machen und für die vollständige Schließung kämpfen. Sollte die SPD nach der Kommunalwahl, voraussichtlich am 14. März nächsten Jahres, weiter im Römer maßgeblich mitbestimmen, werde sie in den Koalitionsverhandlungen einen autofreien Mainkai fordern. Der Verkehrsdezernent zeigt sich irritiert, dass die Grünen ihm derzeit vorwerfen, er wolle die auf ein Jahr befristete Sperrung des nördlichen Mainufers „sinnlos beenden“. Richtig sei vielmehr, dass die Stadtverordneten mit großer Mehrheit am 17. Juni 2019 beschlossen hätten, die Sperrung der Strecke mit dem Mainfest im Sommer 2019 beginnen und mit dem Museumsuferfest Ende August 2020 enden lassen zu wollen. An diesen Beschluss sei er gebunden.

          Die Diskussion um den Mainkai hat Oesterling vor Ostern unfreiwillig losgetreten, als er ankündigte, der Verkehrsversuch ende im August; allerdings ohne die verabredete Vorher-nachher-Verkehrsanalyse, die zeigen sollte, welche Ausweichrouten die Autofahrer während der Zeit der Sperrung genutzt haben. Diese Verkehrszählung, die mit einer Vorher-Zählung aus dem März 2019 verglichen werden sollte, war zwar im vergangenen Monat erfolgt. Die dabei ermittelten Zahlen waren aber nicht aussagekräftig, weil sich das Verkehrsaufkommen durch die Corona-Krise schon stark verringert hatte.

          Verkehrstechnisch nicht nachvollziehbar

          Und so kursieren in der Römer-Koalition aus SPD, CDU und Grünen nun drei Positionen, wie künftig mit dem Streckenabschnitt verfahren werden soll: Die CDU fordert, den Mainkai von drei auf zwei Fahrspuren zu reduzieren und gleichzeitig auf beiden Seiten Radstreifen anzulegen. Die Grünen teilen diese Ansicht, wollen aber zudem die Berliner Straße von vier auf zwei Autofahrspuren reduzieren, und die SPD verlangt die Verlängerung der probeweisen Sperrung um ein Jahr.

          Mit Unverständnis reagiert Oesterling auf den Vorschlag der Grünen, zwei Fahrspuren auf dem Mainkai zuzulassen, gleichzeitig aber die Spuren auf der Berliner Straße um zwei zu verringern. Das sei verkehrstechnisch nicht nachvollziehbar. Derzeit, mit der Mainufersperrung, gebe es für den Autoverkehr in der Innenstadt auf der Berliner Straße vier Spuren für den zentralen Ost-West-Verkehr. Künftig wären es mit zwei Spuren auf dem Mainkai und zweien auf der Berliner Straße „nach Adam Riese auch vier“, sagt Oesterling. Damit sei aber keine der beiden Straßen verkehrsberuhigt. „Das ist nichts Halbes und nichts Ganzes.“

          Der Verkehrsdezernent kämpft deshalb für seinen Vorschlag, im nächsten Jahr den Mainkai auf Dauer für den Autoverkehr zu sperren. Der Kritik aus Sachsenhausen, der gesamte Verkehr habe sich dorthin verlagert, will er begegnen, indem er auch für diesen Stadtteil Tempolimits und Verkehrsbeschränkungen fordert. Denkbar sind Oesterling zufolge die vom Land Hessen angeregten Pförtnerampeln, etwa an der Babenhäuser Landstraße oder an der Kennedyallee. Schließlich müsse Frankfurt auch noch etwas tun, um die Vorgaben des Verwaltungsgerichtshofs zu erfüllen und spätestens 2021 die EU-Stickoxidwerte einhalten zu können.

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