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Frankfurter U-Bahn-Stationen : Lichtblicke unter Tage

  • -Aktualisiert am

Wer an der Station Westend in der Frankfurter Unterwelt aussteigt, vermutet zu Recht den Palmengarten in der Nähe Bild: Wonge Bergmann

Besonders die ältesten U-Bahn-Stationen sind von bemerkenswerter Schlichtheit. Doch die Stadt hat dazugelernt. Auf das unterirdische Grauen folgten hübsche Hallen: Einzelne Haltestellen wie jene am Schweizer Platz an der Bockenheimer Warte.

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          Der Weg zum Schauspielhaus führt durch eine Waschbetonhölle, vorbei an hellgrauen Wänden, an denen dunkelgraue Sitzbänke montiert sind. Wer ins Theater will, der muss – falls er mit der U-Bahn kommt – durch das graue Grauen. Die U-Bahn-Station Willy-Brandt-Platz gehört definitiv nicht zu den schönsten ihrer Art. Sie stammt aus einer Zeit, als auf Ästhetik im Untergrund nur wenig Wert gelegt wurde. Kaum besser sieht es in der Station Dom/Römer aus, die kurz nach ihrer Eröffnung wieder umgebaut werden musste, weil die Bürger in den niedrigen, dunklen und verwinkelten Gängen beinahe Angstzustände bekamen.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Doch Frankfurt kann auch anders. Im Laufe der Jahre sind einige ansprechend gestaltete U-Bahn-Stationen entstanden – zum Beispiel jene am Schweizer Platz in Sachsenhausen. Die dreischiffige Bahnsteighalle mit der gewölbten Decke erinnert an eine Krypta, ihre Wände sind in Mainkiesel-Rot gehalten. Die fast schon feierliche Stimmung wird durch die indirekte Beleuchtung an den Säulen noch verstärkt. Dazu passt eine Heiligenfigur, die sichtbar ist, wenn gerade kein Zug in Richtung Norden hält. Etwas versteckt am nördlichen Ende des Bahnsteigs, geschützt hinter Glas, steht Sankt Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer.

          Eine Demonstration gegen die Kargheit

          Für viele Fahrgäste ist die Station die schönste Frankfurts. So sieht es auch Michael König. Der Stadt- und Regionalplaner hat sich intensiv mit dem hiesigen U-Bahn-System beschäftigt. „Die Station schafft es, postmodern, aber nicht zu bunt und schreiend zu sein“, sagt er.

          Großzügig: Die Architektur der U-Bahn-Station Schweizer Platz in Sachsenhausen erinnert mit ihrer dreischiffigen Struktur an eine Basilika.
          Großzügig: Die Architektur der U-Bahn-Station Schweizer Platz in Sachsenhausen erinnert mit ihrer dreischiffigen Struktur an eine Basilika. : Bild: Wonge Bergmann

          Die Station Schweizer Platz stammt aus der zweiten großen Bauphase des Frankfurter U-Bahn-Systems, die zu einer Art Demonstration gegen die Kargheit der ersten Generation von U-Bahn-Stationen geriet. 1968 wurde die erste U-Bahn-Strecke eröffnet. Der Großteil der frühen Stationen ist von bemerkenswerter Schlichtheit. Schon 1978 kündigte der damalige Baudezernent Hans Joachim Krull daher an, beim Bau künftiger U-Bahn-Stationen „mehr auf Menschlichkeit“ zu achten.

          Wandeln durch weite Hallen

          Außer der Station Schweizer Platz, 1984 eröffnet, heben sich vor allem einige Haltepunkte auf der C-Strecke, auf der die Linien 6 und 7 verkehren, positiv ab. Stadtplaner König spricht von einem „Lernprozess“. Der Eindruck einer Fließbandarchitektur sollte vermieden werden. Die Architekten arbeiteten nicht mehr nur mit Sichtbeton, sondern mit einer Vielzahl von Materialien.

          Die Stationen Alte Oper und Westend, beide entworfen von einer Architektengruppe um Artur Walter, lassen das Wandeln durch weite Hallen zu. Knapp ein Dutzend hessischer Architekten bewarb sich um die Gestaltung der Station unter dem Opernhaus. Schließlich gewann ein Konzept, das auf die klassische Einteilung in einzelne isolierte Ebenen bewusst verzichtet. Wer mit der Rolltreppe zum Mittelbahnsteig fährt, kann seinen Blick durch die hohe Halle schweifen lassen. Keine einzige Stütze versperrt die Aussicht.

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