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Lage der Vereine : „Kein Aufbruch in der Tennisfamilie“

Sperriges Thema: Nach der Förderzusage der Stadt sind jene Vereine im Vorteil, die detaillierte Ausbaupläne für ihre Tennisanlagen in der Schublade haben. Bild: Marcus Kaufhold

Der Frankfurter Sportdezernent Markus Frank (CDU) diskutiert mit Vertretern der Vereine über ihre Lage. Er sagt Hilfe zu, doch das hilft bei weitem nicht jedem.

          Die Sitzung dauerte mehr als drei Stunden, aber das allein hat Rainer Haushofer auch nicht so richtig überzeugt. Der Leiter der Tennisabteilung im Verein DJKSW Griesheim war am Dienstagabend zu einem Treffen des Frankfurter Tennisbezirks gefahren, weil er sich einen Aufbruch, einen Ruck durch die Tennisfamilie erhofft hatte. Doch davon, so sagt der Mann am Tag danach enttäuscht, habe er leider nichts gemerkt. Am Ende sei es allen voran den Vertretern der großen, mitgliederstarken Tennisvereine lediglich darum gegangen, Sportdezernent Markus Frank (CDU) die eigenen Projekte nahezubringen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anderes kam nicht zur Sprache. So wurde nach Haushofers Worten weder darüber gesprochen, wie es mit Tennis in Frankfurt grundsätzlich weitergehen solle, noch wurden Kooperationen zwischen Vereinen erörtert, deren Mitgliederzahl längst zu klein geworden ist, um eigenständig kraftvoll weiterzumachen. „An unserem Motto hat sich deshalb durch das Treffen nichts geändert: Hilf dir selbst, sonst hilft dir keiner.“

          Frank hatte dem Tennis-Breitensport mehr Hilfe zugesichert

          Wer mit Reimund Bucher spricht, hat das Gefühl, der am Dienstagabend wiedergewählte Vorsitzende des Tennisbezirks wäre auf einer anderen Veranstaltung gewesen. „Alle waren sehr angetan“, beteuert der Mann – und lobt damit auch die Anwesenheit Franks, der sich zwei Stunden lang mit Vereinsvertretern unterhalten habe. Von den 42Klubs im Tennisbezirk mit ihren etwa 11500Mitgliedern waren laut Bucher 21im Tagungsraum des Landessportbunds vertreten.

          Viel Konkretes kann nach dem Treffen aber auch Bucher nicht verkünden. Der Sportdezernent habe deutlich gemacht, dass die Stadt zwar einzelne Projekte finanziell unterstützen wolle, Bauanträge für neue Plätze oder Traglufthallen zum Beispiel aber nach wie vor von den Vereinen selbst an die zuständigen Stellen zu reichen seien, berichtet der Vorsitzende. Frank hatte dem Tennis-Breitensport mehr Hilfe zugesichert, nachdem die Eintracht Frankfurt Fußball AG das Gelände der Tennisanlage am Stadion für den Bau eines Profi-Camps bekommen hatte.

          Die Anlage wird abgerissen, die Tennishalle auf dem Grundstück soll in der Wintersaison 2017/2018 aber noch zur Verfügung stehen, wie Bucher sagt, der sich dafür auf Frank beruft. Der Vorsitzende gibt Haushofer zumindest insofern recht, als auch er die Kommunikation zwischen den Vereinen und mit dem Tennisbezirk als Dachverband für verbesserungswürdig hält. „Ich wünsche mir, dass sie uns über ihre Projekte informieren, damit wir jeweils den aktuellen Stand kennen. Vernünftige Bauanträge müssen sie aber schon selbst stellen.“

          Immer mehr Mitglieder wandern von den kleinen zu den großen Vereinen

          Nach Franks Förderzusage sind nun offenbar all jene Tennisvereine im Vorteil, die fertige Projektpläne aus der Schublade ziehen können. In einem Gespräch zwischen Vertretern dieser Klubs und der Stadt vor einer Woche im Sportamt sind zum Beispiel konkrete Bauvorhaben des TC Zeilsheim, der TGS Nordwest und des TC Eschersheim erörtert worden. Während es den einen um mehr Geld von der Stadt ging, berichteten andere von Schwierigkeiten mit der Bauaufsicht, dem Grünflächenamt oder der Unteren Naturschutzbehörde, die aus verschiedenen Gründen entweder keine feste Halle oder keine weiteren Plätze genehmigen wollen. Bucher sagt, Frank habe ebenso wie ein Vertreter des Planungsdezernats Beratung und Hilfe beim Vermitteln von Gesprächen zugesagt.

          Angesprochen wurde nach Buchers Worten außerdem das grundsätzliche Problem des Tennissports in Frankfurt. So sei die Mitgliederzahl in den vergangenen sieben Jahren zwar um zehn Prozent gestiegen, und besonders Kinder und Jugendliche interessierten sich wieder stärker für die Sportart. Doch wanderten immer mehr Mitglieder von den kleinen zu den großen Vereinen, um eine intakte Infrastruktur und Mannschaften vorzufinden. Während die kleinen Klubs dadurch noch stärker unter Mitgliederschwund litten, müssten die großen Klubs immer öfter Aufnahmestopps verfügen, weil sie nicht genug Tennisplätze hätten, um noch mehr Mitglieder zu versorgen. Bucher sagt, eine sinnvolle Platzverteilung im Stadtgebiet müsse sicherstellen, dass Eltern ihre Kinder nicht quer durch die Stadt schicken müssten, um ihnen das Tennisspielen zu ermöglichen.

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