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Sexualstraftäter in Frankfurt : Weitere Stalker-Opfer melden sich bei der Polizei

Angst durch Kurznachrichten: Der mutmaßliche Stalker soll viele Frauen bedrängt haben. Bild: dpa

Die Berichterstattung über die Hausdurchsuchung bei einem Stalker, der in Frankfurt sein Unwesen getrieben hat, ermutigt weitere Frauen zur Aussage. Die Polizei schaltet ein Hinweistelefon für betroffene Frauen.

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          In dem Fall des 35 Jahre alten Mannes, der über Jahre hinweg Dutzende Frauen belästigt und ihnen nachgestellt haben soll, haben sich weitere Opfer gemeldet. Wie ein Polizeisprecher am Donnerstag mitteilte, gingen nach Veröffentlichung des Falles mehr als 30 Anrufe von Frauen ein, die angaben, sie seien ebenfalls von dem Beschuldigten belästigt worden – mit eindeutig sexuellen Absichten. Auch bei ihnen habe der Fünfunddreißigjährige angegeben, er suche eine bestimmte Straße, dann habe er unter einem Vorwand seinen Opfern das Mobiltelefon abgenommen und sich deren Telefonnummer erschlichen, indem er sich schnell selbst angerufen hat. In der Folge sei es dann zu Belästigungen gekommen.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie der Polizeisprecher weiter sagte, wurden die neu bekannt gewordenen Fälle bereits an das zuständige Kommissariat weitergegeben und werden dort bearbeitet. „Wir rechnen damit, dass der Kreis möglicher Opfer noch weitaus größer ist.“ Der Sprecher ermutigte alle Betroffenen und auch Zeugen, sich bei der Polizei zu melden. „Für die weiteren Ermittlungen ist das von großem Interesse, um sich ein Gesamtbild über den Beschuldigten machen zu können. Möglicherweise sind sich manche Opfer noch unsicher, ob in ihrem Fall überhaupt ein Straftatbestand erfüllt ist“, so der Sprecher weiter. „Gerade dann kann es aber hilfreich sein, sich den Fall genauer anzuschauen. Wir können alle betroffenen Frauen nur ermutigen, sich zu melden. Wir gehen jedem einzelnen Fall nach.“

          Aggressiv nachgestellt

          Wie berichtet, ist der Fall dieses systematischen Stalkings von einem der Opfer selbst bekannt gemacht worden. Die junge Frau hat über Instagram einen Post verschickt, woraufhin sich innerhalb von 24 Stunden rund 50 weitere Opfer meldeten. Die Studentin nahm daraufhin Kontakt mit den Frauen auf, sammelte die Fälle und übergab sie mit Einverständnis der Opfer der Polizei. Die leitete daraufhin ein Ermittlungsverfahren ein wegen Verdachts der sexuellen Belästigung, Beleidigung, Bedrohung und Nötigung. Am frühen Mittwochmorgen hatten Beamte schließlich die Wohnung des Mannes durchsucht und sein Mobiltelefon sichergestellt. Die Auswertung der darauf gespeicherten Daten dauert noch an.

          Dem Vernehmen nach bezeichnet sich der Beschuldigte selbst als „Pick Up-Artist“, der bloß versuche, sich jungen, hübschen Frauen zu nähern, indem er sie auf der Straße oder in U-Bahnstationen anspreche. Dem gegenüber stehen die Schilderungen der Opfer, die berichten, der Fünfunddreißigjährige habe ihnen nachgestellt und sei aggressiv geworden, wenn sie auf seine Annäherungsversuche nicht eingegangen seien. In einigen Fällen habe er die Frauen sexuell genötigt.

          Die Polizei hat inzwischen ein Hinweistelefon geschaltet. Weitere Opfer und auch Zeugen können sich unter der Rufnummer 069 - 75 55 13 99 bei der Kriminalpolizei melden.

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