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Vorstandsmitglied abgewählt : Zerwürfnis im Frankfurter Stadtelternbeirat

Das Staatliche Schulamt müsse die Abwahl prüfen, sagt ein Elternvertreter. (Symbolbild) Bild: Wolfgang Eilmes

Ein schon länger schwelender Streit führt zu einer Abwahl im Vorstand. Ein Elternvertreter äußert Zweifel. So dürfe man nicht miteinander umgehen, sagt er.

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          Dass es im Frankfurter Stadtelternbeirat schon seit Monaten Konflikte gibt, ist kein Geheimnis, aber diese Personalie kommt doch überraschend: Vorstandsmitglied Silke Deselaers wurde in einer kurzfristig einberufenen Sitzung am Mittwochabend abgewählt. Wie der Vorsitzende der stadtweiten Elternvertretung, Eckhard Gathof, am Freitag auf Anfrage sagte, stimmten fünf der sieben anwesenden Stadtelternbeiratsmitglieder für die Abberufung, es gab eine Gegenstimme und eine Enthaltung. Insgesamt zählt der Stadtelternbeirat 14 Mitglieder. Deselaers war bei der Sitzung nicht anwesend, Gathof selbst stimmte für die Abwahl.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Stadtelternbeiratsvorsitzende sagte am Freitag, es habe seit geraumer Zeit „Disharmonien“ gegeben, unter denen die Zusammenarbeit im Vorstand gelitten habe. Die Beschlussfähigkeit bei der Abwahl sei gegeben gewesen, es handele sich „um einen ganz normalen demokratischer Prozess“. Das sehen nicht alle Elternbeiräte so. Etwa Ralph Greb, Ersatzvertreter im Grundschulausschuss, dessen Vorsitzende Deselaers ist. „Ich bin über den Umgang mit ihr bestürzt“, sagt Greb. „Es macht mich fassungslos, wie da über jemanden Gericht gehalten wurde, der gar nicht da war.“ Das Staatliche Schulamt müsse prüfen, ob eine Abwahl unter diesen Umständen überhaupt rechtens sei.

          Eltern vermissen die Telefonberatung

          Deselaers, die für eine Stellungnahme nicht erreichbar war, ist im Stadtelternbeirat auch zuständig für den Übergang in die weiterführenden Schulen. Ein Thema, das in den vergangenen Wochen viele Eltern beschäftigte: Mehr als 500 Kinder bekommen zum nächsten Schuljahr keinen Platz an der gewünschten Schule. Unter ähnlichen Bedingungen hatte der Stadtelternbeirat in den Vorjahren eine telefonische Beratung angeboten, die auch rege in Anspruch genommen worden war. Deselaers entschied sich in diesem Jahr jedoch gegen die Telefonberatung, weil diese für die Ehrenamtlichen aus zeitlichen Gründen nicht zu leisten sei. Stattdessen veröffentlichte der Stadtelternbeirat einen Katalog mit Fragen und Antworten zum Übergang von der vierten in die fünfte Klasse.

          Gathof sagt, der Verzicht auf die Hotline sei nicht vom Vorstand beschlossen worden. Er habe viele Rückmeldungen von Eltern erhalten, die den Service vermisst hätten. Auch er selbst finde es „merkwürdig, wenn ein Stadtelternbeirat Eltern nicht mehr berät“. Intern sei zudem über den Frage-Antwort-Katalog gestritten worden. Deselaers und ein weiteres Mitglied des Grundschulausschussses wollten ihr Urheberrecht darauf gewahrt sehen, andere Stadtelternbeiratsmitglieder zweifelten jedoch, ob ein solches Recht im Sinne der ehrenamtlichen Elternarbeit durchzusetzen sei.

          Greb sagt, man müsse nicht in jeder Hinsicht mit Deselaers einverstanden sein, aber sie habe viel Sacharbeit geleistet und dafür große Anerkennung aus der Elternschaft erhalten. Trotzdem gebe es seit Monaten eine Kampagne gegen sie. „Die Personen, die dafür verantwortlich sind, sollten sich fragen, ob sie noch glaubhaft die Frankfurter Elternschaft vertreten können.“

          Gathof wurde vor anderthalb Jahren als Nachfolger von Alix Puhl zum Vorsitzenden des Stadtelternbeirats gewählt, Deselaers ist seit 2017 Vorsitzende des Grundschulausschusses – ein Amt, das zuvor auch Puhl innehatte. Anfang nächsten Jahres werden Stadtelternbeirat und Vorstand neu gewählt. Bis dahin soll Deselaers’ Vorstandsposten laut Gathof unbesetzt bleiben.

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