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Frankfurter Societäts-Druckerei : „Gehen, solange es die anderen noch bedauern“

  • -Aktualisiert am

Zeitungen im Rücken: Peter Kluthe freut sich auf ein Leben ohne Druck Bild: Wolfgang Eilmes

Peter Kluthe geht in den Ruhestand - früher, als er es müsste. Der Geschäftsführer der Frankfurter Societäts-Druckerei kann eine Erfolgsgeschichte vorweisen.

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          Wer Peter Kluthe fragt, warum er schon mit 60 Jahren freiwillig als einer der Geschäftsführer der Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH ausscheide, den erinnert er daran, was ihm einst der Verleger Werner Wirthle geraten hatte: „Sie sollten gehen, solange es die anderen noch bedauern.“ Dass sie es tun, ist gut möglich, denn Peter Kluthe kann nicht nur auf außergewöhnlich erfolgreiche Jahre zurückblicken, er hat sich mit seiner sachlichen, unprätentiösen Art Sympathie erworben.

          Lieber Zeitungswissenschaften als Betriebswirtschaftslehre

          Kluthe, der heute mit einer Feier in der Frankfurter Gesellschaft für Handel, Industrie und Wissenschaft verabschiedet wird, hätte sich wahrscheinlich nicht aufs Zeitungsfach verlegt, hätte sein Vater Hans-Albert Kluthe ihn dazu gedrängt. Doch der Journalist und Verleger, der 1936 als Liberaler mit seiner Frau in letzter Sekunde nach England emigriert war – der befreundete Polizeipräsident hatte ihn gewarnt –, war klug genug, dies nicht zu tun. Und so entschied sich der Sohn, erst Germanistik und dann Zeitungswissenschaften zu studieren. Betriebswirtschaft, dachte Peter Kluthe, sei nicht unbedingt notwendig, zum Führen eines Unternehmens reichten der gesunde Menschenverstand und die Beherrschung der Grundrechenarten. Seine Karriere hat ihn in dieser Auffassung bestätigt.

          Peter Kluthe war Student im vierten Semester, als der Vater starb. Der hinterließ ihm die „Werra-Rundschau“ im nordhessischen Eschwege und den 25-Prozent-Anteil an der Frankfurter Societät. In Frankfurt vertrat den jungen Mann in der Gesellschafterversammlung zunächst ein Testamentsvollstrecker, in Eschwege setzte Kluthe einen Chefredakteur ein und verschaffte sich von München aus einen Überblick über die geschäftlichen Verhältnisse. Nicht ohne langfristigen Erfolg, denn die „Werra-Rundschau“ gibt es noch heute, sie erscheint mit einer Auflage von 14 000 Exemplaren.

          „Alles, wozu die anderen keine Lust hatten“

          Kluthe schrieb unterdessen seine Doktorarbeit über „Das Kommunikationsverhalten von Lokalzeitungslesern“ und sammelte dann in Vorbereitung auf die Arbeit, die in Frankfurt auf ihn wartete, Erfahrungen in der deutschen Zeitungslandschaft. Bei Springer erlebte er in Essen-Kettwig die schwere Geburt der ersten Offset-Großdruckerei (gestandene Drucker vergossen Tränen, weil ihnen die Elektronik nicht gehorchte), im Verlag der „Süddeutschen Zeitung“ hat er Controlling gelernt, bei DuMont Schauberg in Köln durfte er der Verlagsleitung über die Schulter schauen.

          1977 kam er nach Frankfurt und wurde beim Societätsverlag, der damals nicht nur wie heute die „Frankfurter Neue Presse“, sondern auch noch die „Abendpost/Nachtausgabe“ herausgab, Leiter der Hauptverwaltung, wie es in sonderbar bürokratischer Weise hieß. Kluthe übersetzt seine Aufgabe heute aber einfacher: „Alles, wozu die anderen keine Lust hatten.“

          Die anderen – das war eigentlich vor allem Werner Wirthle, der Schwabe, der wie in Frankfurt kein Zweiter die Person des Zeitungsverlegers verkörperte und der mit der anderen prägenden Person, Hans-Wolfgang Pfeifer, dem Vorsitzenden der F.A.Z.-Geschäftsführung, kongenial zusammenarbeitete. Ganze zwei Prozent besaß Wirthle an der Frankfurter Societäts-Druckerei GmbH, dem jungen Kluthe gehörten 25 Prozent. Doch der Rest war im Besitz der Imprimatur-Stiftung, und auf die hatte Wirthle Zugriff. Peter Kluthe äußert sich über Wirthle, den er einen Gentleman mit vollendeten Manieren nennt, nur positiv. Er habe ihm nicht nur das Zigarrerauchen und die Liebe zum Wein nähergebracht, er habe den viel Jüngeren auch immer frei schalten und walten lassen, ohne dauernd Ratschläge zu erteilen.

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