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Frankfurter Schulen : „Es bewegt sich was bei der Inklusion“

Ein Schritt in Richtung Inklusion: In Frankfurt sollen die Förderstunden nun durch einen „demokratischen Prozess“ verteilt werden. Bild: dpa

Während das Thema „Inklusion“ an hessischen Schulen mittlerweile fester Bestandteil der Schulpolitik ist, hängt ausgerechnet die Mainmetropole zurück. Durch eine Anpassung von Regularien soll sich das nun ändern.

          Ausnahmsweise ist Frankfurt diesmal nicht Vorreiter, sondern Nachzügler: Während die meisten hessischen Städte und Kreise die „inklusiven Schulbündnisse“ schon eingeführt haben, geschieht das im größten Schulträgerbezirk des Landes erst jetzt. Vom nächsten Schuljahr an sollen die Förderstunden und somit die Lehrerstellen, die für behinderte Kinder gewährt werden, den einzelnen Regelschulen nicht mehr von oben zugewiesen werden, sondern in einer Art demokratischem Prozess verteilt werden. Evelin Spyra, die Leiterin des Staatlichen Schulamts, spricht von einem „transparenten Regulativ“.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was das bedeutet, erläuterten Spyra und weitere Vertreter der Kultusbehörde kürzlich in einem Pressegespräch. In Frankfurt gibt es, nach Stadtregionen aufgeteilt, sechs inklusive Schulbündnisse. In ihnen sind jeweils alle ansässigen Bildungsstätten von der Grund- bis zur Berufsschule vertreten. Mindestens einmal im Jahr sollen sie sich treffen und gemeinsam entscheiden, wer wie viele Kinder mit welchen Behinderungen aufnimmt. In Wiesbaden, wo das System schon länger implementiert ist, seien die Erfahrungen gut, sagte Bettina von Haza-Radlitz. Sie leitet die IGS Kastellstraße in der Landeshauptstadt und unterstützt derzeit die Einführung der inklusiven Schulbündnisse in Frankfurt.

          Durch die gemeinsame Verantwortung der Schulen sei „ein ganz anderer Diskurs“ entstanden, sagte Haza-Radlitz. Auch die Gymnasien überlegten, nicht nur Schüler im Rollstuhl oder mit anderen Körperbehinderungen aufzunehmen, sondern auch Kinder mit geistiger Behinderung oder anderer Einschränkung, die den Erwerb des Abiturs unwahrscheinlich mache. Bisher sei das aber noch nicht geschehen, gab die Schulleiterin zu. Die Umstellung sei mit der Einsetzung der Schulbündnisse nicht beendet, sondern beginne erst. Auch Schulamtsleiterin Spyra hob den Prozesscharakter hervor: „Es bewegt sich was bei der Inklusion.“

          Freie Wahl für Eltern?

          Auf die kürzlich vom Stadtelternbeirat geäußerte Kritik, dass Elternvertreter in den Bündnissen nicht erwünscht seien, entgegnete Spyra, es müsse auch möglich sein, dass sich die Schulleiter unter sich besprächen. Das treffe aber nur für den nichtöffentlichen Teil der Konferenzen zu, ansonsten sei die Mitsprache der Eltern erwünscht, wie auch die anderer „Beisitzer“, etwa von den Sozialrathäusern, Beratungsstellen oder den Trägern, die Integrationsassistenten für die Schulen stellten.

          Ziel der Schulbündnisse sei es, Kinder und Jugendliche auf ihrer Bildungslaufbahn enger zu begleiten, sagte Michael Stenzel, Leiter der Panoramaschule und im Staatlichen Schulamt für die Bündnisse zuständig. Vom Kindergarten über die Grundschule und die weiterführende Schule bis hin zum Einstieg in die Arbeitswelt sollten alle Institutionen zusammenarbeiten, so dass keine Information über den Schüler verlorengehe. Eltern sollten frei wählen dürfen, ob sie ein Kind mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf eine Förderschule oder eine Regelschule schicken. Allerdings bestehe kein Anspruch auf den Besuch einer bestimmten Schule.

          Spyra gab sich zuversichtlich, dass es den Schulen gelingen werde, sich untereinander über die Verteilung der Schüler und Förderstunden zu einigen. „Ich habe großes Vertrauen – schließlich sitzen da sehr verantwortungsvolle Männer und Frauen zusammen.“

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