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Sanierung der Gebäude : Die Schüler können umziehen

  • -Aktualisiert am

Offene Lernlandschaft mit Skyline-Blick: Der Dachausbau der Klingerschule bietet Rückzugsmöglichkeiten. Bild: Sandra Schildwächter

In Frankfurts Schulen herrschen keine Ferien. Es wird saniert, angebaut und restauriert. Die Schüler Franckeschule, Merianschule und Klingerschule freut es.

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          Kinder trifft man noch nicht, wenn man in der Franckeschule unterwegs ist. Nicht, weil Sommerferien sind. Bis vor kurzem brummten in den Räumen der Grundschule Akkuschrauber, auf den Gängen waren Bauarbeiter unterwegs. Jetzt sind die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen. In den Klassenräumen stehen Umzugskartons, die darauf warten, ausgepackt zu werden. Im Treppenhaus lehnen Klassenfotos von 1999 an der Wand. In den Raum 204, an dessen Tür ein Zebra auf einem Plakat tanzt, zieht nach den Sommerferien die Klasse 1a ein.

          Nach zwei Jahren Bau- und Sanierungszeit können die Schüler der Franckeschule aus den Containern der Modulanlage an der Ginnheimer Straße ausziehen. Fast elf Millionen Euro haben die Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus und die Errichtung eines Anbaus für weitere Räumen gekostet.

          Ganztagsbetrieb als Motor

          An hundert der 170 Frankfurter Schulen werden momentan kleine und größere Sanierungs- und Bauarbeiten erledigt. Baudezernent Jan Schneider (CDU) stellte am Montag die Vorhaben an den Grundschulen Franckeschule und Merianschule sowie an der Berufsschule Klingerschule vor, drei Gebäude, deren denkmalgeschützte Bausubstanz die Architekten auf unterschiedliche Weise vor Herausforderungen gestellt hat.

          Bei allen dreien ging es neben der Ertüchtigung von Brandschutzmaßnahmen und einer behindertengerechten Erschließung vor allem um die Erweiterung der Gebäude.

          Termin auf der Dachterrasse der Klingerschule: Baudezernent und Stadtrat Jan Schneider (Zweiter von rechts) mit Michael Galfe von der Bauüberwachung, Sigrid Eichler vom Amt für Bau und Immobilien und Jochen Steinacker, Leiter der Klingerschule (von links).
          Termin auf der Dachterrasse der Klingerschule: Baudezernent und Stadtrat Jan Schneider (Zweiter von rechts) mit Michael Galfe von der Bauüberwachung, Sigrid Eichler vom Amt für Bau und Immobilien und Jochen Steinacker, Leiter der Klingerschule (von links). : Bild: Sandra Schildwächter

          Ein Grund dafür ist im Fall der Franckeschule der Ganztagsbetrieb, während die Klingerschule im neu errichteten Dachgeschoss das pädagogische Konzept einer offenen Lernlandschaft umsetzt. Die Merianschule erweitert sich nach den Umbaumaßnahmen zu einer fünfzügigen, integrativen Ganztagsschule. Die Neugestaltung der Räume sei dort unter den Gesichtspunkten der Inklusion und Differenzierung vorgenommen worden, erklärt der zuständige Architekt Norbert Kaulfersch.

          Das Konzept der Differenzierung bedeutet, dass Schüler je nach Fähigkeiten und Leistungsstand individuell gefördert werden, beispielsweise, indem sie unterschiedliche Aufgaben bekommen und diese getrennt voneinander bearbeiten. In der Merianschule wurden dafür zusätzliche Räumlichkeiten geschaffen, insbesondere für Kinder mit einem erhöhten Förderbedarf.

          Für den Architekten und die Projektleiter des Amts für Bau und Immobilien waren der Umbau, Teilabriss und die Sanierung des Altbaus der Schule im östlichen Teil des Nordends keine leichte Aufgabe. Neben dem kompletten Neubau einer Mensa hat die ursprünglich engagierte spanische Fassadenbaufirma während der Corona-Krise Insolvenz angemeldet. „Es gibt kaum Unternehmen, die bereit sind, eine bereits angefangene Baustelle zu übernehmen“, sagt Schneider. Glücklicherweise habe der Bau von vorherigen Subunternehmen fortgeführt werden können. Aufgrund der Verzögerung kann die Schule erst im Herbst bezogen werden.

          Eine große Plane verhüllt bisher noch den Mittelbau zwischen dem Altbau von 1913 und dem 1986 wieder aufgebauten Bauteil. Dahinter befindet sich eine neue Glasfassade, die vom Erdgeschoss bis zum dritten Stock reicht. Die Treppe im Eingangsbereich der Merianschule ist mit Sitzgruben ausgestattet worden, die Türen öffnen sich automatisch. „Hier soll ein Ort der Begegnung entstehen“, sagt Architekt Kaulfersch.

          Ein Ort der Begegnung soll auch das neue Dachgeschoss der Klingerschule werden. Der offene, langgezogene Raum verfügt über verschiedene Buchten, in denen einzelne Gruppen zusammensitzen können. Überall stehen verteilt Sessel, Sitzsäcke und noch zu füllende Bücherregale. Am Ende des Dachgeschosses befindet sich eine separate Arbeitsecke mit Tischen und Stühlen, in der Gespräche und andere Geräusche kaum noch zu hören sind.

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          „Hier oben sollen bis zu sechs Klassen mit jeweils 25 Schülern gleichzeitig lernen“, erklärt Schulleiter Jochen Steinacker. Vor allem Berufsschüler und Fachabiturienten, die sich im Rahmen ihrer Ausbildung mit der ganzheitlichen Erstellung von Prozessen beschäftigen müssten, könnten in diesem Bereich das selbständige und selbstorganisierte Lernen üben. Wer dabei Hilfe benötige, könne sich in eigens geschaffenen Beratungsnischen von Lehrern unterstützen lassen. Für Verschnaufpausen könnten sich die Schüler auf die Dachterrasse mit Blick auf die Frankfurter Skyline zurückziehen.

          Ausgaben steigen weiter

          Um die Lernlandschaft schaffen zu können, wurde das Notdach des Wiederaufbaus aus den Fünfzigern abgebrochen und ersetzt. Rund 21,1 Millionen Euro investierte die Stadt Frankfurt in das Projekt, zu dem auch umfassende Sanierungsarbeiten gehörten. Nach fünf Jahren sind die Bauarbeiten damit abgeschlossen. „Endlich“, sagt Schulleiter Steinacker. Wegen der engen baulichen Gegebenheiten in direkter Nachbarschaft der Schule hatte man die Arbeiten nur Stück für Stück vornehmen können. Die Schüler hatten auf zwei Containeranlagen vor und hinter dem Gebäude ausweichen müssen.

          In Zukunft werden die Ausgaben der Stadt Frankfurt für die Sanierung und Anbauten von Schulgebäuden wohl weiter steigen. „Wir müssen jedes Jahr im Schnitt für 2000 zusätzliche Schüler Platz schaffen“, sagt Schneider. Im Vergleich zu 2016 sei der Etat bereits um 135 Millionen Euro angewachsen.

          Auf Hochglanz: Die Sporthalle der Klingerschule.
          Auf Hochglanz: Die Sporthalle der Klingerschule. : Bild: Sandra Schildwächter

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