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Frankfurter Opernturm : In der Lobby ist Platz für zwei Häuser

Blick in die Tiefe: Die Alte Oper ist in Sichtweite Bild: Agata Skowronek

Der Opernturm hat fast seine volle Höhe erreicht. 39 der 42 Stockwerke sind im Rohbau fertig. Jetzt geht es an den Innenausbau. Zu Besuch auf einer der imposantesten Baustellen der Stadt.

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          Ein auf die Linderung von Genickschmerzen spezialisierter Orthopäde sollte seine Praxis an die Alte Oper verlegen. Denn um den Baufortschritt des benachbarten Opernturms begutachten zu können, genügt ein einfacher Blick nach oben längst nicht mehr. Man muss den Kopf tief in den Nacken legen, um das oberste Stockwerk, derzeit das 39., erkennen zu können. In Windeseile ist der Turm in eine imposante Höhe gestrebt. 42 Stockwerke soll er am Jahresende zählen, auch die Fassade soll dann schon geschlossen sein. Ist das Gebäude wetterdicht, geht es an den Innenausbau. Vier Tage dauerte es zuletzt, bis die Plattform, die das Ende des Turms markiert, ein Stockwerk höher geklettert war. Das sind zwei Tage weniger als die Kollegen auf der Baustelle zum Palais Quartier für eine Etage des Büroturms brauchen, der dort im Bau ist. Ein Blick aus einer oberen Etage des Opernturms in Richtung Osten zeigt, dass er das wenige hundert Meter entfernt wachsende Gebäude schon weit hinter sich gelassen hat. Auf 170 Metern wird Schluss sein.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fünf Elefanten, die einander auf dem Rücken balancieren

          Doch nicht nur von außen imponiert der Opernturm. Auch im Inneren verfestigt sich schon im Rohbau der Eindruck, dass hier ein Gebäude entsteht, das sich zur Repräsentation seiner Mieter eignen wird. Allein der Eingang, die großzügige Lobby, kann mit 19,5 Metern Höhe zwei aufeinandergestapelte Einfamilienhäuser fassen. Oder fünf Elefanten, die einander auf dem Rücken balancieren. Sie soll mit einem hellen Naturstein verkleidet werden. Die schiere Höhe vermittelt den Eindruck, man befinde sich in einer Kathedrale und nicht in einem Bürogebäude. Hoch oben sind die Arbeiter auf einem Gerüst nur noch als Miniaturmännchen zu erkennen.

          Blick in die Höhe: Der Opernturm ist jetzt schon ein Riese

          Über dieses Entrée werden die Mitarbeiter und Besucher, die von Ende 2009 an den Bau bevölkern sollen, das Gebäude betreten. Zehn Aufzüge, von denen vier bis zum 19. Stockwerk und sechs in die oberen Geschosse sausen, werden durch ein neuartiges System gesteuert. Schon am Empfangstisch werden die Aufzüge ihren Passagieren zugewiesen, so dass niemand länger als 30 Sekunden auf die Fahrt nach oben warten muss. Die Mitarbeiter des größten Mieters, der UBS-Bank, werden über eine eigene Aufzugslobby ihre Büros erreichen. Über eine Rolltreppe werden sie zu ihren Fahrstühlen geleitet. Das Schweizer Finanzunternehmen, das mit 31 000 Quadratmetern rund die Hälfte des Turms gemietet hat, wird 2010 auf zwei Ebenen einziehen: Zwischen dem 6. und dem 16. sowie dem 30. und 39. Stockwerk werden die Mitarbeiter untergebracht. Im obersten Geschoss wird UBS eine Kundenempfangszone einrichten.

          Noch ist der Opernturm nicht vollständig vermietet. Für die Büroflächen zwischen der 17. und der 29. Etage führe man noch Gespräche, sagt Gerhard Hilke, der beim Bauherrn, der internationalen Projektentwicklungsgesellschaft Tishman Speyer, für das Projekt verantwortlich ist. Mit größeren Verzögerungen rechnet er nicht: „Wir sind genau im Terminplan.“ Langsam nimmt auch die Innengestaltung Konturen an. Im Erdgeschoss des Turms soll ein öffentlich zugängliches Restaurant im „Fine Dining“- Niveau Platz finden, ein Mitarbeiterrestaurant wird in das erste Obergeschoss einziehen. In einer dreigeschossigen Tiefgarage entstehen 580 Stellplätze, von denen 250 permanent öffentlich nutzbar sein sollen.

          Im Vergleich zu einer Glasfassade 20 Prozent weniger Energieverbrauch

          Die Arbeiten am Rohbau des zur Alten Oper ausgerichteten, sechsgeschossigen Sockelgebäudes sind so gut wie abgeschlossen. Hinter den Gerüsten blitzt schon der helle Naturstein im Farbton „Crème Royale“ hervor, der mit der Fassade der Alten Oper korrespondieren soll. Der Naturstein ist zum Markenzeichen des Architekten Christoph Mäckler geworden. Durch den hohen Anteil an diesem Material verbraucht der Opernturm im Vergleich zu einer reinen Glasfassade 20 Prozent weniger Energie. Mit dem sechsgeschossigen Sockelgebäude soll sich der Büroturm zur Straße und zur alten Oper öffnen. Der Eingang wird, anders als ursprünglich geplant, an die Straßenecke verlegt. Auf dem Dach des Sockelgebäudes wartet eine unverbaubare Aussicht: Die Dachterrasse soll sich daher nach Hilkes Wunsch zur „Eventfläche Nummer eins“ entwickeln.

          Wenn die gröbsten Bauarbeiten beendet sind, erhält der Opernturm auch einen angemessenen Garten: Der Rothschildpark wird um ein Stück des ehemaligen Zürich-Geländes erweitert. Mit 5500 Quadratmetern zusätzlicher Grünfläche wird er wieder direkt an die Bockenheimer Landstraße herangeführt. 30 000 Quadratmeter werden mit Unterstützung von Tishman Speyer neu bepflanzt. Eine Kombination aus Grün und „Crème Royale“.

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