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Frankfurter Opernplatz : Mit Flatterband gegen die Feiernden

  • -Aktualisiert am

Ein Polizist steht auf dem Opernplatz. Bild: dpa

Vor rund zwei Wochen haben Randalierer am Opernplatz mit Flaschen nach Polizisten geworfen. Seitdem herrscht erhöhte Polizei-Präsenz und eine Sperrstunde – so auch an diesem Freitag.

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          Aus der kleinen schwarzen Musikbox dröhnt ein lauter Technobeat und mischt sich mit der Popmelodie aus der Box drei Meter weiter. Rund um den Brunnen stehen etwa hundert junge Menschen, halten ihre Gläser hoch und prosten sich zu. Die Alte Oper ist in ein warmes Licht getaucht und erleuchtet den Platz. Der Freitagabend in Frankfurt könnte die Atmosphäre eines lauen Sommerabends an einer Strandpromenade in Südfrankreich haben – wären da nicht die vielen Polizisten. An allen Enden des Opernplatzes stehen sie, ausgerüstet mit dicken Schutzwesten um die Brust und klobigen Helmen in der Hand. Ab und an patrouillieren sie in kleinen Gruppen über den Platz, halten Menschen für Kontrollen an.

          Es ist dreizehn Tage her, dass auf diesem Platz Randalierer mit Flaschen nach Polizisten geworfen, mehrere von ihnen dabei verletzt haben. Einen „Hagel“ aus Flaschenwürfen, so hat es Frankfurts Polizeipräsident Gerhard Bereswill beschrieben. 39 Menschen wurden zwischenzeitlich festgenommen, gegen sie wird ermittelt. Seitdem gilt für den Opernplatz eine Sperrstunde: Ab ein Uhr darf sich am Wochenende niemand mehr dort aufhalten. Etwa 3000 Menschen waren in der Krawall-Nacht vor zwei Wochen vor Ort. Diesen Freitag waren es laut Polizei rund 100. Im gesamten Stadtgebiet feierten rund 7000 auf öffentlichen Plätzen und am Main. „Wir sind sehr zufrieden“, sagt Polizeisprecherin Chantal Emch in der Nacht zu Samstag. „Es lief alles sehr friedlich und entspannt.“

          Vorwurf des Racial Profiling

          Tatsächlich ist die Stimmung auf dem Opernplatz lange Zeit ruhig. Doch um halb elf kontrolliert die Polizei eine Gruppe junger Männer mit dunkler Hautfarbe. Die Männer beschweren sich, reden von Racial Profiling, also davon, dass sie nur aufgrund ihrer Hautfarbe kontrolliert würden. „Sie können uns doch nicht alle über einen Kamm scheren. Das ist falsch“, beschwert sich einer der Männer. Schnell kommen weitere Menschen hinzu. „Wen haben sie sonst noch durchsucht?“, fragt eine junge Frau einen Polizisten. „Waren da auch Weiße dabei?“ Immer mehr Polizisten stehen immer mehr Feiernden gegenüber, in der Spitze sind es 13 Beamte. Nach der Kontrolle löst sich die Situation aber schnell auf, die Männer ziehen weiter.

          Es bleibt einer der wenigen Zwischenfälle an diesem Freitagabend. Es sind deutlich weniger Menschen vor Ort als noch vor zwei Wochen, fast alle finden einen Platz zum Sitzen. Gegen halb 12 rollen die ersten Wagen der Müllabfuhr auf den Platz, die Arbeiter fangen an, Scherben zusammenzukehren. Das Technische Hilfswerk baut große Scheinwerfer auf, die später den Platz mit grellem Licht ausleuchten werden. „Schon schade“, sagen zwei junge Frauen, die am Rande des Platzes stehen. „Es gibt in Frankfurt einfach keinen anderen Platz draußen, wo wir sitzen können. Alles ist voll“, sagt eine von ihnen. Doch sie ziehen, wie die allermeisten der Feiernden um halb eins vom Platz. Nur eine kleine Gruppe Menschen lässt sich auch durch die dritte Lautsprecher-Durchsage der Polizei nicht irritieren und tanzt weiter um den Brunnen. Erst als die Polizei das Flatterband rausholt, verlassen auch sie um ein Uhr friedlich den Opernplatz.

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