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Frankfurter Osthafen : Eine Halle mit Folgen

Für die Gefahrguthalle wurde der Mietvertrag verlängert. Das Raab-Karcher-Areal ist als künftiger Standort der Städtischen Bühnen im Gespräch. Bild: Axel Häsler

Die Stadt Frankfurt hat den Mietvertrag für die Gefahrguthalle im Osthafen verlängert. Die Schutzzone reicht zwar nicht bis zu dem Areal, auf dem die CDU das Theater und die Oper bauen will. Kulturbauten sind im Hafen trotzdem verboten.

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          Was genau in der Gefahrguthalle neben dem Schwedlersee im Frankfurter Osthafen gelagert wird, ist nicht leicht in Erfahrung zu bringen. Aber mehr als Unkrautvernichter oder Rattengift wird es schon sein. Einrichtungen mit vielen Besuchern, Wohnhäuser, Supermärkte, Schulen und andere sensible Nutzungen müssen zu der Gefahrguthalle einen Achtungsabstand einhalten. Der Radius hängt von dem gefährlichsten Stoff ab, für den es eine Lagergenehmigung gibt – unabhängig davon, ob er tatsächlich im Regal steht. Derzeit sind es 400 Meter.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bauherren ist die Halle seit langem ein Dorn im Auge. Das Grundstück gehört den städtischen Hafenbetrieben. Dass die Stadt den Mietvertrag mit dem Betreiber der Halle, dem Unternehmen Gadot, nun um zehn Jahre verlängert hat, mit der Option auf weitere 20 Jahre, stößt bei Projektentwicklern auf Kritik. „Das ist ein Hemmnis für eine weitere Entwicklung des Osthafens“, sagt Max Baum. Er fragt sich, warum die Stadt bei der Verlängerung des Mietvertrags nicht die Lagergenehmigung angepasst hat, um den Achtungsabstand zu reduzieren.

          Gastronomie und Einzelhandel haben es schwer

          Die Gefahrguthalle beschäftigt die Politik schon seit vielen Jahren. Zuletzt wurde der Mindestabstand 2015 verringert. Damals hatten die Bauherren Groß & Partner und Lang & Cie. die Initiative ergriffen und dem Betreiber die Lagergenehmigung für die Chemikalie Acrolein „abgekauft“. Zwar wurde der Stoff ohnehin nicht im Osthafen gelagert, aber die Genehmigung lag vor und setzte den Achtungsabstand zuvor auf 642 Meter fest. Früher waren es sogar 1250 Meter. Bauvorhaben der Projektentwickler drohten daran zu scheitern. Der Betreiber der Halle verzichtete gegen die Zahlung eines einstelligen Millionenbetrags auf die Lagerbefugnis – der Abstand sank auf 400 Meter. Groß und Lang konnten ihre Projekte – Bürohäuser und Hotels – inzwischen realisieren.

          Doch noch immer schränkt die Halle die Entwicklung auch von Gewerbebetrieben ein. Sie dürfen bei Publikumsveranstaltungen nicht mehr als hundert Besucher empfangen. Auch Gastronomie und Einzelhandel haben es in dieser Nachbarschaft schwer. „Die Entwicklung an der Hanauer Landstraße wird unnötig eingeschränkt“, sagt Max Baum.

          Wegen Lärm keine Genehmigung

          Das sehen auch Stadtplaner so. „Man hätte die Chance nutzen können, über die Rahmenbedingungen für die Lagerung zu sprechen“, sagt Amtsleiter Martin Hunscher. Wenn der Abstand anlässlich der Verlängerung des Mietvertrags weiter reduziert worden wäre, wären auch gewerbliche Betriebe freier in ihrer Entwicklung, meint der Behördenleiter.

          Das Wirtschaftsdezernat hält eine Anpassung der Schutzzone noch für möglich. „Es wird in der Produktpalette der Halle noch Bewegung geben“, sagt Andrea Brandl, die Büroleiterin von Dezernent Markus Frank. Vor einigen Wochen hatte der CDU-Politiker mitgeteilt, dass die Kapazität des Hochregallagers erweitert werde. „Wir sind froh, dass wir eine solche Halle haben. Ich kenne niemanden, der damit ein Problem hat“, sagt Brandl. Bis zum Raab-Karcher-Areal am Hafenpark, dem von der CDU favorisierten Standort für Neubauten der Städtischen Bühnen, reicht die Schutzzone nicht. Das Areal liegt deutlich außerhalb. Dennoch weisen Stadtplaner darauf hin, dass das Planungsrecht einen Bau der Bühnen an dieser Stelle nicht zulässt. Das Grundstück ist als Sondergebiet Hafen festgeschrieben. Schon für den geplanten Hotelturm an der Molenspitze galten wegen des Hafenlärms besondere Einschränkungen. Das Raab-Karcher-Areal liegt noch etwas näher am Container-Terminal. „Das Planungsrecht müsste angepasst werden. Man braucht ein Lärmgutachten“, sagt Hunscher.

          Zwischen Chance und Verödung

          Während Markus Frank den Bestand des Hafens sichern will, werben seine Parteifreunde, allen voran Baudezernent Jan Schneider und der kulturpolitische Sprecher Thomas Dürbeck, für einen Neubau der Bühnen auf dem Raab-Karcher-Gelände. Planungsdezernent Mike Josef (SPD) sieht in der CDU einen internen Widerspruch. „Wer das Gewerbe schützen will, muss sich von dieser Idee trennen. Wenn man die Bühnen dort realisiert, wird die gewerbliche Nutzung keinen Bestand haben“, sagt er. Vergleichbare Projekte in anderen Städten wie Oslo und Hamburg zeigten, dass Kulturbauten als Impuls für die Stadtentwicklung genutzt werden. Ohnehin sei die Fläche planungsrechtlich anders gesichert.

          Josef will wie seine Parteifreundin, Kulturdezernentin Ina Hartwig, dass die Bühnen in der Innenstadt bleiben. „Man sollte die Bühnen als Magnet in der Innenstadt lassen, wenn man einer Verödung des Zentrums entgegenwirken will.“ Das gelte besonders mit Blick auf die aktuellen Schwierigkeiten an der Zeil. Auch Franks Büroleiterin Brandl kann einem Bühnen-Neubau im Osthafen wenig abgewinnen. „Wir wollen den Hafen retten und sind froh, wenn Raab-Karcher bleibt.“

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