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Streit über Mohren-Apotheke : Hassmails und Hoheitsfragen

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In Stein gemeißelter Anstoß: Der Schriftzug am Haus Große Friedberger Straße 8 soll nach dem Willen der Kommunalen Ausländervertretung „aus dem Stadtbild verschwinden“, ebenso wie der Namenszusatz der „Zeil-Apotheke“. Bild: Michael Braunschädel

Soll der Frankfurter Magistrat auf eine Umbenennung der Apotheke Zum Mohren drängen? Darüber wurde in der Stadtverordnetenversammlung hitzig diskutiert.Eine Entscheidung wurde nicht gefällt.

          Virginia Wangare Greiner fiel es sichtlich schwer, die Debatte auszuhalten. Hinter ihr liegen anstrengende und emotionale Wochen. Die gebürtige Kenianerin hat in den vergangenen Tagen Mails bekommen. Hunderte Mails. Und Anrufe. Viele Anrufe. Ihr Name ist mit einer Anregung der Kommunalen Ausländervertretung (KAV) verbunden, die in der Stadtverordnetenversammlung diskutiert wurde. Die KAV fordert, dass sich der Magistrat mit Nachdruck für eine Umbenennung der Mohren-Apotheke in Eschersheim sowie der Apotheke Zum Mohren in der Innenstadt einsetzt. Eine Entscheidung wurde nicht gefällt, dafür wurde hitzig diskutiert.

          Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) schickte scharfe Worte voraus. Jeder Mensch habe das Recht anzuzeigen, wenn er sich diskriminiert fühle. So habe es auch Virginia Wangare Greiner getan. „Dass sie dafür angegangen wird, ist der eigentliche Skandal der Geschichte.“

          Mathias Mund (Bürger für Frankfurt) nannte den Antrag einen Rohrkrepierer. Michael zu Löwenstein (CDU) hingegen sprach von einem „schwierigen Thema“. Nachdem sein Parteikollege Thomas Kirchner zuvor die KAV öffentlich aufgefordert hatte, sich um Themen zu kümmern, die von „tatsächlicher Bedeutung“ seien, schlug Löwenstein einen versöhnlichen Ton an. „Rassismus war in Deutschland mörderisch. Deshalb darf er sich nie wieder ausbreiten.“

          Stefan von Wangenheim (FDP) machte schnell deutlich, dass die FDP bei einer Abstimmung den Antrag ablehnen werde. Er fügte aber hinzu: „Diskriminierung ist nicht messbar. Sie liegt auf der Gefühlsebene.“ Sie finde aber im Kopf, und nicht mit einem Firmenlogo statt. Die beiden Mohrenapotheken gehörten zu Frankfurt. Für jede Fraktion sprach ein Redner. Und alle machten sie einen Ausflug in die deutsche Geschichte, alle bemühten sie sich, die Herkunft des Wortes Mohr zu erklären.

          Der Vorsitzende der KAV, Jumas Medoff, ergriff das Wort – er war nicht gekommen, um eine Nachhilfestunde in Geschichtsfragen zu bekommen. „Das, was unsere Kollegin erleben musste, fand ich sehr schade. Ich fand es sehr schade, dass wir aus diesem Haus keine gemeinsame Unterstützung bekommen haben.“

          Längst war die Debatte um den Namen der beiden Apotheken in den Hintergrund gerückt. An ihre Stelle trat eine Diskussion um die Deutungshoheit über den Begriff „Rassismus“. Wer darf darüber entscheiden, ob ein Wort, eine Geste, ein Symbol rassistisch ist?

          Manfred Zieran (Die Ökologische Linke) richtete sein Wort direkt an Virginia Wangare Greiner. „Danke, dass Sie diesen Shit-Storm aushalten. Halten sie durch.“ Markus Fuchs (AFD) trat ans Rednerpult. Und er tat das, was andere vor ihm vermieden hatte. Er sprach das Wort „Mohr“ aus. „Dass manche hier von dem M-Wort reden, ist doch eine Infantilisierung der Politik“, sagte er. „Wir haben das Thema angemeldet, weil es eines der wenigen kommunalpolitischen Themen ist, das die Leute umtreibt.“

          Es war Nico Wehnemann (Die Partei), der versuchte, der Debatte Humor zu verleihen. Es klappte nicht. Das Thema verträgt offensichtlich keinen Humor. Wehnemann schlug vor, die Mohrenapotheke mit Hilfe eines einfachen Eddings in „Möhrenapotheke“ umzuwandeln. Virginia Wangare Greiner lachte nicht.

          Das letzte Wort der fast neunzigminütigen Debatte ergriff Stadtverordnetenvorsteher Stephan Siegler (CDU). Dass KAV-Mitglieder für diesen Antrag angegangen worden seien, sei beschämend. „Ich hätte mir gewünscht, dass ein klares Bekenntnis aus diesem Gremium kommt, dass wir bei aller Unterschiedlichkeit der Positionen so etwas in unserer Gesellschaft nicht dulden können.“

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