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Umbau für 100 Millionen Euro : Mehr Licht für den Frankfurter Messeturm

  • -Aktualisiert am

Star-Architekt: Helmut Jahn hat den Messeturm in Frankfurt entworfen und überwacht auch die Neugestaltung. Bild: Wolfgang Eilmes

Der Messeturm in Frankfurt wird für 100 Millionen Euro umgebaut. Sein Schöpfer würde ihn heute anders gestalten. In der Lobby soll etwas Spielerisches entstehen.

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          Am Ende ist es Zentimeterarbeit. Ganz langsam setzen die Bauarbeiter die 18 Meter hohe Glaswand, die mit Saugnäpfen am Arm eines Baukrans gesichert ist, in die neuen Streben am Fuß des Messeturms ein. Bedenklich schwankt das riesige Teil der neuen Fassade noch in der Luft, dann gibt einer der Bauarbeiter Entwarnung: „Jawoll“, ruft er und reckt den Daumen in Richtung Kranführer, der beinahe liegend in seiner Kabine die Hebel betätigt. Begeisterung bei den Zuschauern: Ein großer Schritt des Umbaus, der vor allem die Lobby des Turms attraktiver machen soll, ist geschafft.

          Beinahe 50 Interessierte aus der Finanz- und Architekturbranche sind am Dienstagvormittag zum Wahrzeichen am Rand des Messegeländes gekommen. Sie wollen sehen, wie die Arbeiter die neue Glasfassade der Lobby anbringen. Von einer gegenüberliegenden Brüstung aus machen die Schaulustigen dicht aneinandergedrängt Fotos, bei Häppchen und Getränken wird über das „riesige Ding“ geplaudert. Auch rund 30 Jahre nach seiner Eröffnung hat der oft Bleistift genannte Messeturm nichts von seiner Popularität eingebüßt.

          Lobby soll offener und größer werden

          Zwischen Journalisten und Vertretern von Office First – einer Tochter des Turm-Eigentümers Blackstone – haben sich auch Banker von Goldman Sachs am Geländer positioniert. Die amerikanische Investmentbank, bisher einer der Hauptmieter in den obersten Etagen des Wolkenkratzers, wird den 256 Meter hohen Turm in den nächsten Jahren verlassen und an die Taunusanlage ziehen.

          Große Transparenz: An der Außenwand des Messeturms werden neue Lichtelemente angebracht. Bilderstrecke

          Einer, der eher abseits steht und das medienwirksame Prozedere mit einem zurückhaltenden Lächeln beobachtet, ist Helmut Jahn: der weltbekannte Architekt, der den Messeturm einst entworfen hatte und nun auch seinen Umbau überwacht. Jahn, Jahrgang 1940, ist aus den Vereinigten Staaten angereist, wo er schon seit Jahren wohnt. Der Architekt, blaues Sakko und weißes Hemd, spricht mit leiser Stimme und ist durch den Lärm der Baustelle schräg unter ihm kaum zu verstehen.

          „Auf der ganzen Welt leben die meisten Menschen mittlerweile in urbanen Metropolregionen. Und es werden immer mehr“, sagt Jahn. Wachsende Städte, wie zum Beispiel Frankfurt, stünden vor großen Herausforderungen – in die Höhe zu bauen sei da die sinnvollste Strategie. Seinen Messeturm würde Jahn nach eigenen Worten heute aber anders konzipieren. Gerade deshalb werde er nun umgebaut: Offener und größer solle die Lobby werden. Kein „abgeriegeltes Gebäude“ mehr, sondern zugänglich für die Öffentlichkeit, beispielsweise mit einem Café oder gar als Veranstaltungsort.

          100 Millionen Euro soll der Umbau laut Office First kosten. Für die „Revitalisierung“ im Inneren des Wolkenkratzers ist der italienische Designer Matteo Thun verantwortlich. In das Untergeschoss soll ein von ihm gestaltetes Restaurant ziehen. Der runde Sockel wird um vier Meter nach außen rücken, so dass die Glaswand über der Gebäudekante hervortritt. Eine weitere Neuerung hat etwas Spielerisches: An der neuen Glasfassade, im Inneren der Lobby, wird bald eine Art Wasserfall herabrinnen.

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