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Frankfurter Messeturm : Bis ans Limit im Treppenhaus

  • -Aktualisiert am

Jetzt heißt es kämpfen: Vom 20. Stockwerk an wird es hart. Bild: Hedwig, Victor

1236 Läufer hasten den Frankfurter Messeturm hinauf. Es gibt sicher schönere Laufstrecken, aber Treppen würde es eben überall geben.

          1 Min.

          Fast eine Minute braucht der Fahrstuhl. Innerhalb dieser Zeit befördert er die Besucher des Messeturms vom Erdgeschoss bis hinauf in die 61. Etage, also um 222 Meter in die Höhe. Rund sechseinhalb Minuten brauchen Christian Riedl und Piotr Lobodzinski dafür – aber zu Fuß. Über 1202 Treppenstufen. Während das Publikum vor dem Messeturm von der Sonntagmorgensonne bestrahlt wird, jagen die beiden drinnen das Treppenhaus hinauf, immer zwei Stufen gleichzeitig überwindend.

          Die Bestzeit von 6:26 Minuten, aufgestellt im Vorjahr von Riedl, bleibt beim elften Skyrun im Frankfurter Messeturm unangetastet. Lobodzinski kommt nach 6:31 Minuten ins Ziel, Riedl benötigt 6:43 Minuten. „Heute war es nach hinten raus sehr hart“, sagt Riedl. Der promovierte Physiker war vergangene Woche noch erkältet. Der Tag des Wettkampfs sei erst der zweite beschwerdefreie gewesen. „Aber so schlimm war das jetzt nicht“, sagt Deutschlands bester Turmrenner.

          „Treppen gibt es überall“

          Das glaubt man ihm, wenn man sieht, wie er sich unmittelbar nach den Treppen-Strapazen angeregt mit dem Sieger aus Polen unterhält. Andere Läufer brechen hinter der Ziellinie zusammen, immer wieder bieten die anwesenden Sanitäter ihre Hilfe an. Ernste Notfälle bleiben an diesem Tag zum Glück aus. Die Tschechin Suzana Krchová ist mit 8:12 Minuten die schnellste Frau. Die meisten der 1236 Teilnehmer sind Hobbysportler, denen das Dabeisein am wichtigsten ist. Viele treten gemeinsam mit ihren Arbeitskollegen in Unternehmensteams an, außerdem sind 162 Feuerwehrmannschaften dabei. Die Startgebühren der Mannschaften gehen an die Arbeitsgemeinschaft für Querschnittsgelähmte, deren zweiter Vorsitzender, Michael Lederer, den Skyrun vor elf Jahren selbst ins Leben gerufen hat.

          Alle Teilnehmer starten zeitversetzt vor dem Haupteingang des Hochhauses im Fünfsekunden-Takt, um Gedränge im Treppenhaus zu vermeiden. Danach heißt es Durchhalten im kahlen und unbehaglichen Treppenschacht, der mit grellem Neonlicht ausgeleuchtet ist. Bis zum 20.Stockwerk gehe es ja noch, meint ein Hobbyläufer erschöpft. Für die nächsten 20 Etagen müsse man seinen inneren Schweinhund überwinden. Vom 40.Stock an laufe nur noch „das Unterbewusstsein“.

          Einige wollen den Turmaufstieg mehrere Male bewältigen. Manfred Klittich, 1937 geboren, ist der älteste Teilnehmer. Er läuft dreimal bis zum 61. Stock. Der Frankfurter Michael Herms bringt es gar auf zwölf Aufstiege. „Treppen gibt es überall“, sagt der Zweitplazierte Christian Riedl hinterher gut gelaunt. „Und deswegen ist das hier auch ein Sport für jedermann.“

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