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Sachsenhausen : Brückengegner lassen nicht locker

Die Honsellbrücke (im Hintergrund) soll zum südlichen Mainufer verlängert werden Bild: F.A.Z. - Helmut Fricke

Gegen die geplante Mainbrücke Ost regt sich Widerstand. Der Kleingartenverein Mainwasen müsste zum Teil weichen. Die Brückengegner bekommen Zulauf aus Oberrad und aus Sachsenhausen.

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          Gegner der geplanten Mainbrücke Ost bleiben bei ihrem Widerstand gegen das umstrittene Verkehrsprojekt. Die Brücke soll in Höhe des künftigen Standorts der Europäischen Zentralbank das Ostend mit Sachsenhausen verbinden. Zudem haben sie jetzt angekündigt, weiter Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln zu wollen, das einen Erhalt der südlichen Mainaue in seiner jetzigen Form fordert.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Stadt strebt eine Verbindung an, die von der Hanauer Landstraße über die Honsellstraße und Honsellbrücke zum Molenkopf der Hafeneinfahrt und dann über eine 170 Meter lange Stahlbogenbrücke weiter zum Südufer des Mains führt. Kritiker des Projekts wenden ein, dass der am Südufer ansässige Kleingartenverein Mainwasen teilweise weichen müsste und das gesamte Naherholungsgebiet westlich der Gerbermühle durch das mächtige Brückenbauwerk beeinträchtigt würde (siehe: Mainbrücke Ost: Brückenschlag bedroht Goethes Osterspazierweg).

          Für Bürgerbegehren sind 43.195 Unterschriften nötig

          Rechtliche Unklarheiten, die aufkamen, als im April das Bürgerbegehren angekündigt wurde, seien inzwischen ausgeräumt, sagte Klaus Tippmann in einem von den Brückengegnern organisierten Pressegespräch. Tippmann steht dem Kleingartenverein Mainwasen vor und hat zusammen mit Vereinsmitglied Rainer Model die Unterschriftensammlung initiiert. Unter den Stadtverordneten im Römer waren zunächst Zweifel aufgekommen, dass die Frist für ein Bürgerbegehren, das sich gegen das Bauvorhaben richte, bereits verstrichen sein könnte. Die Bedenken seien jedoch in Gesprächen mit dem Wahlamt und Hauptamt, die die rechtlichen und formalen Voraussetzungen für ein Bürgerbegehren zu prüfen haben, ausgeräumt worden, bekräftigte Tippmann.

          Der Antrag auf Zulassung des Bürgerentscheids hätte innerhalb von sechs Wochen gestellt werden müssen, sofern er sich konkret gegen einen im Zusammenhang mit dem geplanten Brückenbau gefassten Beschluss der Stadtverordneten oder des Magistrats richtete. Dies sei aber nicht der Fall, sagte Model. Vielmehr werde allgemein gefordert, dass das Landschaftsschutzgebiet Mainaue/Mainwasen ohne bauliche Eingriffe erhalten bleiben solle und darum alle weiterführenden Planungen für die Mainbrücke Ost eingestellt werden sollten.

          Damit das Begehren rechtens ist, müssen sich nach der Hessischen Gemeindeordnung mindestens zehn Prozent der bei der letzten Kommunalwahl Wahlberechtigten – also 43.195 Frankfurter Bürger – für dieses Ansinnen aussprechen. Eine zeitliche Vorgabe zum Sammeln der erforderlichen Unterschriftenzahl bestehe nicht, sagte Model. Die Sammlung sei Anfang Mai gestartet worden. Während der nächsten Monate würden an Infoständen im Mainwasengebiet sowie auf Straßenfesten im Stadtgebiet weiter verstärkt Unterschriften zusammengetragen.

          Bis zu 17.000 Fahrzeuge könnten täglich über die Brücke rollen

          Unterdessen erklärten sich am Dienstag Vertreter verschiedener Initiativen und auch Politiker mit den Kleingärtnern solidarisch und sicherten zu, sie in ihrem Widerstand zu unterstützen. Karl-Norbert Scherlitz, Sprecher der in Oberrad aktiven Bürgerinitiative Wasserhofstraße, betonte die Sorge, dass die Quartiere südlich des Mains den zusätzlichen Verkehr nicht verkraften würden. Prognosen gehen von bis zu 17.000 Fahrzeugen aus, die täglich über die Brücke rollen sollen. Neben Sachsenhausen könnte insbesondere Oberrad von der Verkehrslast betroffen sein. Es sei zu befürchten, dass – wenn am Kaiserlei, wie von der Stadt geplant, der Kreisel aufgegeben und durch eine ampelgeregelte Kreuzung ersetzt werde – sich die Autos auf der Gerbermühlstraße künftig stauen werden, sagte Scherlitz.

          Viele Autofahrer könnten dann versuchen, die Staus über Schleichwege durch Oberrad zu umgehen. „Der Stadtteil wird dann zum Puffer zwischen dem Kaiserlei und der neuen Mainbrücke“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative. Auch Klaus Gietinger von der „Initiative 22“, die sich kritisch mit dem von der Stadt im Jahr 2005 beschlossenen Gesamtverkehrsplan, in dem die Mainbrücke festgeschrieben ist, auseinandersetzt, bekräftigte, dass allein das Angebot einer weiteren Mainquerung zusätzlichen Verkehr anziehen werde. Diese Auffassung teilt auch der Verkehrsclub Deutschland, wie dessen Vorstandssprecherin des Kreisverbands Frankfurt/Main-Taunus, Undine Büch, in einer Solidaritätsadresse bekundete. Es sei zu befürchten, dass ein Teil des zusätzlichen Verkehrsstroms durch Sachsenhausen über die Darmstädter Landstraße zu den Autobahnen A 661 und A 3 abfließen werde, so Büch.

          Reinhard Klapproth (Die Grünen), der dem Ortsbeirat 5 (Oberrad, Sachsenhausen, Niederrad) vorsteht, warnte vor weiterem Lärm, Feinstaub und anderen Immissionen, mit denen Oberrad und Sachsenhausen belastet würden; auch hob er die drohende Beeinträchtigung des Naherholungsraums am Mainufer hervor. Nicht nur Kleingartenparzellen gingen verloren, vielmehr liefe das Brückenbauwerk den bisherigen Anstrengungen und Investitionen der Stadt für ein schöneres Mainufer zuwider. Vertreter der dem Ortsbeirat angehörenden Fraktionen der Grünen, der SPD, der Linkspartei und der Flughafenausbaugegner lehnten in einer Erklärung den Brückenbau ab.

          Brückenschlag bis zum Jahr 2011

          Ortsvorsteher Klapproth betonte zudem, dass die Brücke voraussichtlich in geringer Höhe über den Mainwasen gespannt werden müsse, weil sie möglichst niveaugleich, also ohne starkes Gefälle an die Gerbermühlstraße und an das Deutschherrnufer angebunden werden solle. Es drohten „scheußliche, niedrige Unterführungen“, wie sie an den Brücken über die Nidda zu finden seien. Die Stadt bekräftigte unterdessen ebenso am Dienstag in einer Pressemitteilung, die Entwurfsplanung für das Verkehrsprojekt bis Ende 2008 abschließen zu wollen. Bis zum Jahr 2011, wenn die Europäische Zentralbank ihren neuen Sitz beziehen möchte, werde die Brücke den Main überspannen.

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