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Frankfurter Jugendzentrum : Kontakt zu Moschee-Gemeinden soll gegen Salafisten helfen

  • -Aktualisiert am

Außenansicht des Jugendhauses Gallus, in dem eine Mitarbeiterin von jungen Salafisten bedroht wurde. Bild: Röth, Frank

Nach der Schließung eines Jugendzentrums in Frankfurt kündigt der Träger an, muslimische Gemeinden künftig in die Präventionsarbeit gegen Salafismus einzubinden.

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          Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Frankfurt will unter anderem durch einen engeren Kontakt zu Moschee-Gemeinden verhindern, dass radikale Muslime die Arbeit des Jugendhauses im Stadtteil Gallus stören. Am Montag habe es ein erstes Gespräch mit muslimischen Vertretern geben, sagte Awo-Geschäftsführer Jürgen Richter am Dienstag. Weitere Treffen sollen folgen. Geplant seien unter anderem gemeinsame Veranstaltungen. Durch den Kontakt mit den muslimischen Geistlichen könnten Jugendliche davon abgehalten werden, sich dem Salafismus zu verschreiben.

          Richter rechnet damit, dass das Jugendhaus im Gallus in den nächsten zwei Wochen wieder öffnen kann. Die Einrichtung an der Idsteiner Straße war, wie berichtet, Anfang Mai geschlossen worden, nachdem eine Gruppe junger Männer eine Mitarbeiterin bedroht hatten. Auslöser war ein Streit darüber, ob die Männer Räume des Hauses für Veranstaltungen nutzen dürften, die offenbar zum Ziel hatten, Jugendliche zu missionieren. Wenn das Haus wieder öffne, werde es zunächst eine Art Einlasskontrolle geben, kündigte Richter an. Dies sei mit dem Sozialamt abgesprochen und solle dazu dienen, die Lage unter Kontrolle zu halten.

          Salafisten werben ähnlich wie Rechtsextreme

          Richter wehrte sich gegen Vorwürfe, die Awo habe zu spät über die Bedrohung durch die radikalen Islamisten informiert. Seine Mitarbeiter hätten in mehreren Stadtteil-Gremien berichtet, dass es zu Streitereien gekommen sei. In den Arbeitsgruppen sei auch die Polizei präsent, die Ordnungsbehörden hätten also von den Problemen gewusst. „Sie waren aber für uns kein ständig dominantes Thema“, sagte Richter, sondern eines, das hin und wieder akut geworden sei. Einmal sei es um Flugblätter für Veranstaltungen gegangen, die die Männer auslegen wollten. Dann wieder äußerten sie in Diskussionen die Meinung, dass Mädchen und Jungen voneinander getrennt betreut werden sollten. Weil die Mitarbeiter des Jugendhauses die jungen Männer gekannt hätten, seien sie davon ausgegangen, die Lage kontrollieren zu können.

          Zudem sei es nicht sinnvoll, ständig die Polizei im Jugendhaus zu haben, meint Richter. Dies könne Jungen und Mädchen abschrecken, die die Hilfe der Sozialarbeiter dringend brauchten. „Schwierige Fälle sind unser tägliches Brot.“ Zwar sei die Lage im Jugendhaus Gallus eskaliert, aber in anderen Stadtteilen gebe es ähnliche Probleme, fügte Richter hinzu. Die Anwerbe-Methoden der Salafisten verglich er mit denen von Rechtsradikalen. Jugendhäuser gehörten wie Schulen und Gefängnisse zu den Zielen der Islamisten.

          Nach Einschätzung des Pfarrers Andreas Herrmann wächst das Interesse Jugendlicher am Salafismus. „Es ist immer noch eine Minderheit, aber die enorme Ausbreitung ist auch ein Warnzeichen“, sagte der EKHN-Beauftragte für interreligiöse Fragen der Deutschen Presseagentur. Besonders anfällig für die einfachen Antworten der Salafisten seien Jugendliche, die Orientierung suchten, verunsichert seien und sich von der Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt fühlten.

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