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Frankfurter IS-Prozess : Bundesanwaltschaft fordert vier Jahre Haft für Kreshnik B.

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Vor Gericht: Der Syrien-Rückkehrer Kreshnik B. (rechts) mit seinem Anwalt Mutlu Günal Bild: dpa

Im ersten deutschen Prozess gegen ein Mitglied der Terrorgruppe „IS“ hat die Bundesanwaltschaft sich zum Strafmaß geäußert. Sie plädiert für die höchste mögliche Strafe für den 20-Jährigen, dessen Reue sie anzweifelt.

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          Vier Jahre und drei Monate Haft lautet die Forderung der Bundesanwaltschaft für den in Frankfurt angeklagten Syrien-Rückkehrer Kreshnik B. Im ersten deutschen Prozess gegen ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Bundesanwaltschaft am Freitag ihre Plädoyers gehalten. Für den 20 Jahre alten Angeklagten solle demnach zwar Jugendstrafrecht angewendet werden, allerdings ist die geforderte Haftzeit das Höchstmaß, das eine zwischen dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt, der Bundesanwaltschaft und der Verteidigung zuvor getroffene Vereinbarung ermöglicht.

          Der Verteidiger von Kreshnik B. verlangte für seinen Mandanten unterdessen die in der Vereinbarung festgelegte Mindeststrafe von drei Jahren und drei Monaten. B. ist wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland angeklagt. Für einen Erwachsenen stehen darauf bis zu zehn Jahre Gefängnis.

          Zweifel an Reue des jungen Mannes

          Der ursprüngliche Vorwurf, die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat im Ausland, wurde im Rahmen der Vereinbarung fallen gelassen. Voraussetzung für diese Vereinbarung war, dass der Angeklagte ausführlich auf die Fragen des Gerichtes und der Bundesanwaltschaft antwortet.

          Das Gericht hatte zuletzt Zweifel an der Reue des Angeklagten. „Körperlich ist der Angeklagte aus Syrien zurück. Seine Wertvorstellungen sind aber noch nicht wieder in Deutschland angekommen“, sagte der Vertreter der Bundesanwaltschaft, Dieter Killmer. Kreshnik B. hatte etwa auf die Frage des Vorsitzenden Richters „Ist Kopfabhacken gut?“ geantwortet: „Kommt darauf an für welche Sünde.“

          Anwalt Mutlu Günal sagte, sein Mandant zeige durchaus Reue: „Er ist nicht zurückgekommen, weil er ein Schläfer ist, sondern weil er nicht mehr wollte.“ Und er sei nicht nach Syrien gegangen, „weil er es toll fand, dass da Leute enthauptet werden, sondern weil er Leute retten wollte“. Dieses „Gut gegen Böse“ sei ja aus Hollywood-Filmen bekannt. „Als er dann da war, hat er gemerkt, das ist kein Hollywood, keine Playstation oder Xbox, sondern richtig Krieg.“

          „Besorgt lässt mich der Eindruck der Verführbarkeit des Angeklagten zurück“, sagte Bundesanwalt Killmer. Der Angeklagte sei zum Zeitpunkt seiner Ausreise noch auf dem Entwicklungsstand eines Jugendlichen gewesen. Künftig werde es darauf ankommen, dass sein Selbstwertgefühl eine andere als die „ideologisch und religiös fehlgeleitete Basis“ finde.

          Das Urteil soll in einer Woche, am 5. Dezember, gesprochen werden.

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