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Frankfurter „Irrenhaus“ : Wer schikaniert hier wen?

In einem Haus an der Albert-Schweizer-Straße in Nieder-Eschbach tobt ein Nachbarschaftsstreit Bild: Frank Röth

In einem Nachbarschaftsstreit in Nieder-Eschbach sollen sich Bewohner eines Hauses wechselseitig mit zu laut eingestellten Fernsehern unter die Ruhe gebracht und sich beleidigt haben. Dass sie ihre Ruhe wollten, behaupten beide Seiten. Im fast identischen Wortlaut.

          Nachbarn können grausam zueinander sein. Das fängt mit einem unerträglich lauten Fernseher an und endet oft noch nicht mit Beleidigungen. In einem Nachbarschaftsstreit in Nieder-Eschbach soll es zu beidem gekommen sein. Und noch zu Schlimmerem. In der Siedlung sind die Fronten, wie vor einer Woche berichtet, derart verhärtet, dass sich in dem Mehrparteienhaus mehrere Mieter und ein Eigentümer zusammengeschlossen haben, um einen anderen Eigentümer zum Verkauf seiner Wohnung zu verpflichten.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es steht Aussage gegen Aussage. Während der Rentner und seine Frau, denen die Nachbarn nun mit Enteignung drohen, sich als Opfer einer Intrige in dem von ihnen so genannten „Irrenhaus“ sehen, setzen sich nun die Nachbarn zur Wehr. Nicht sie, so behaupten sie, schikanierten ihn. Sondern er tyrannisiere vielmehr seine Umgebung.

          Lärmprotokolle füllen ganze Ordner

          Von wüsten Beschimpfungen, von „Psychoterror“ ist die Rede. Von Kraftausdrücken, die er, so sagt der Beschuldigte, gar nicht kenne. „Ihm ist langweilig. Und es tut ihm gut, die Leute auf die Palme zu bringen“, sagt eine Nachbarin. „Wenn ich aus der Tür komme, sagt sie zu ihrem Mann: Vorsicht, das Arschloch kommt“, berichtet auf der anderen Seite der Rentner. „Das ganze Haus liegt mit ihm im Clinch. Er zeigt jeden an“, sagt eine andere Nachbarin. „Ich habe mich immer korrekt verhalten“, entgegnet er.

          So geht es hin und her. Beide Seiten haben Lärmprotokolle geführt, die ganze Ordner füllen und angeblich belegen, dass der jeweils andere zur Unzeit laut Musik höre und gegen die Heizungsrohre donnere. „Ständig dieser Lärm. Wir haben seit drei Jahren nicht mehr richtig schlafen können“, sagt er. „Morgens um fünf marschiert seine Frau mit Stöckelschuhen durch die Wohnung, oder sie drehen die Musik an“, sagt eine Mieterin, die bei einer Klage auf Mietminderung schon einmal ein Gericht von ihren Argumenten überzeugen konnte.

          Sie wollen doch alle nur ihre Ruhe, wie sie sagen

          Im August geht es aufs Ganze. Dann soll in einer Eigentümerversammlung beschlossen werden, ob ein Antrag auf Zwangsenteignung gestellt wird. Die Deutsche Annington, die das Haus verwaltet und für die Mieter spricht, will dafür stimmen. Der Rentner fürchtet um sein Eigentum. Das Wohnungseigentumsgesetz sieht den Entzug des Eigentums eigentlich nur für besonders schwere Verstöße vor. Sollten die Parteien tatsächlich mehrheitlich den Beschluss fassen, wird ein Richter entscheiden müssen, wer hier im Recht ist.

          Dass sie nur ihre Ruhe wollten, behaupten übrigens beide Seiten. Im fast identischen Wortlaut.

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